21 Tipps und Tricks zu Linux
Linux ist nicht nur ein starkes Server-Betriebssystem für Profis. Auch für den Einsatz zu Hause und im Büro bringt Linux preiswert Power. Die folgenden Tipps helfen Neulingen und erfahrenen Einsteigern, diese Power aus Linux herauszuholen.
Diesen Beitrag habe ich in Internet Professionell veröffentlicht.
Die ersten Tipps drehen sich um das Thema "Shell und Tastaturkürzel". Sie zeigen, wie Sie Linux besonders schnell bedienen können. Im weiteren Verlauf dieses Beitrags erfahren Sie mehr über effektive Fehlersuche, das Programm Midnight-Commander sowie über die optimale Nutzung der grafischen Oberfläche KDE.
Von KDE aus eine Shell öffnen
Linux-Einsteiger müssen sich erst einmal daran gewöhnen: Die Macht geht von der Shell aus. Zwar regeln Werkzeuge wie Yast viele Verwaltungsaufgaben von einer grafischen Benutzeroberfläche aus. Doch gerade für die Handhabung vieler oder umfangreichen Dateien ist die Kommandozeileneingabe, die Shell, besser und schneller als jedes grafische System.
In KDE können Sie mehrere Shells öffnen und in jeder eigene Aufgaben erfüllen. Um eine Shell zu starten, klicken Sie einmal unten in der Taskleiste auf das Shell-Symbol, das Sie an der Muschel vor einem Bildschirm erkennen.
Eine spezielle Shell öffnen
Sobald Sie ein Shell-Fenster in KDE geöffnet haben, finden Sie links oben den Menüpunkt Sitzung. Klicken Sie darauf und es erscheint eine Liste spezieller Shells, oder ni KDE »Konsolen«. Interessant für Verwaltungsarbeiten ist die Neue Konsole für Benutzer root, die Sie gleich nach dem Root-Passwort fragt und mit den entsprechenden Rechten ausstattet.
Wichtig: Achten Sie darauf, so wenig wie möglich als »Root« zu arbeiten. Denn mit diesem Account haben Sie die Macht, wirklich das komplette Dateisystem zu zerstören. Übrigens: an die speziellen Shells kommen Sie auch, wenn Sie links unten im Fenster auf Neu klicken und die Taste gedrückt halten.
Von KDE auf eine textbasierte Shell umschalten
Wer es eilig hat, von der grafischen Benutzeroberfläche aus auf eine textbasierte Shell zu kommen, die den ganzen Bildschirm ausfüllt, geht so vor:
Halten Sie die Tasten [Strg] und [Alt] gedrückt und drücken Sie eine der Funktionstasten zwischen [F1] und [F6] oder [F8] und [F9]. Dann erscheint ein Login-Bildschirm und Sie können sich anmelden. Um zwischen mehreren Text-Shells umzuschalten, halten Sie [Alt] gedrückt und drücken eine der angegebenen Tasten.
Um zurück zur grafischen Benutzeroberfläche zu kommen, drücken Sie die Tastenkombination [Alt - F7].
Alte Eingaben wiederholen
Routine-Arbeiten brauchen immer wieder die gleichen Befehle. Zum Glück hat da die Linux-Shell eine Funktion zum Zurückblättern, die Kommandozeilen-History. Um den zuvor eingegebenen Befehl wieder in der Kommandozeile anzeigen zu lassen, drücken Sie auf Taste [Pfeil oben]. Nach jedem weiteren Druck auf diese Taste werden die jeweils davor eingegebenen Befehle gezeigt. Um den Befehl zu wiederholen, drücken Sie einfach [Return]. Übrigens: Mit [Pfeil unten] blättern Sie wieder einen Befehl weiter nach vorne.
In zuvor eingegebenen Befehlen suchen
Je mehr Befehle man eingegeben hat, desto schwieriger wird es, ihn in der Kommandozeilen-History wieder zu finden. In solchen Fällen kommen Sie mit der in die Shell eingebauten Suchfunktion schneller voran. Drücken Sie die Tastenkombination [Strg - R] und tippen Sie eine Buchstabenfolge ein, die in diesem Befehl vorkommt. Die Shell liefert dann den letzten Befehl zurück, in dem diese Buchstabenfolge vorkommt. Sobald Sie fündig sind, drücken Sie [Return], um den Befehl auszuführen. Oder Sie drücken die [Esc]-Taste. Danach wird der Befehl angezeigt und Sie können ihn bearbeiten oder von diesem Befehl ausgehend in der Kommandozeilen-History vor- und zurückblättern.
Schnell ins Heimatverzeichnis wechseln
Haben Sie sich im Verzeichnisgestrüpp von Linux verirrt und wollen schnell nach Hause? Dann geben Sie einfach den Befehl
cd
ein und drücken Sie die [Return]-Taste. Das bringt Sie sofort zurück in Ihr Heimatverzeichnis.
Einen Befehl abbrechen
Haben Sie einen langen Befehl eingegeben und möchten Ihn doch lieber nicht absenden? Dann drücken Sie die Tastenkombination [Strg - C]. Damit senden Sie ein Abbruch-Signal an die Linux-Shell, die daraufhin wieder eine leere Eingabeaufforderung zeigt.
Alternativ dazu drücken Sie nacheinander [Esc] und [r]. Damit werden alle Eingaben in der Zeile rückgängig gemacht, also gelöscht.
Verzeichnis- und Dateinamen automatisch ergänzen lassen
Viel Kommandozeilenpower steckt in der Taste [Tab]. Sobald Sie darauf drücken, versucht die Shell anhand der bisherigen Angaben einen Datei- oder Verzeichnisnamen zu ermitteln und bietet diesen an. Auf diese Weise kommen Sie schnell durch Verzeichnisse. Probieren Sie es aus: Tippen Sie cd /v, drücken Sie [Tab] und schon verwandelt sich die Eingabe in
cd /var/
Tippen Sie dann ein l und wieder auf [Tab] - und es rührt sich nichts. Das ist das Zeichen dafür, dass die Shell in diesem Fall zu viele Verzeichnis- oder Dateinamen findet, die mit dem Buchstaben l beginnen. Drücken Sie in diesem Fall noch einmal auf [Tab] und die Shell zeigt Ihnen alle passenden Einträge an.
Nach Fehlern suchen
Wenn in Linux etwas nicht funktioniert, sollten Sie immer zunächst die Fehlerprotokolle untersuchen. Die liegen in den meisten Fällen im Verzeichnis /var/log. Um die Protokolle anzusehen, müssen Sie als root angemeldet sein. Meist sind nur die letzten Meldungen interessant. Die bekommen Sie mit Hilfe des Befehls tail, zum Beispiel:
tail /var/log/messages
Dieser Befehl gibt die letzten 10 Zeilen der Datei /var/log/messages aus, in der viele Fehlermeldungen erscheinen. Falls die 10 Zeilen nicht ausreichen, können Sie tail mit dem Parameter -n auch mehr Zeilen gönnen, etwa
tail -n20 /var/log/messages
Sehen Sie sich im Verzeichnis /var/log und dessen Unterverzeichnissen ein wenig um. Falls es Probleme mit Ihrem Linux gibt, findet sich meist in einer der Dateien eine passende Fehlermeldung und damit der erste Ansatzpunkt, um das Problem zu beheben.
Status überwachen
Das im Tipp »Nach Fehlern suchen« beschriebene Programm tail hat noch einen Vorteil: Sie können damit Log-Dateien überwachen: Probieren Sie es damit:
tail -f /var/log/messages
Sobald in messages eine neue Zeile gespeichert wird, erscheint diese auch sofort auf Ihrem Bildschirm. Ideal ist so ein Überwachungsfenster auf der grafischen Benutzeroberfläche aufgehoben, wo Sie die Information immer im Blick haben.
Dateiverwaltung mit Komfort
Veteranen aus der DOS-Zeit kennen und vermissen den Norton Commander. Für sie gibt es mit dem Midnight-Commander, kurz MC, einen gleichwertigen, teils sogar besseren Dateimanager für die Linux-Shell.
Das Programm zeigt den Inhalt zweier Verzeichnisse nebeneinander an. Darunter steht eine Eingabezeile zur Verfügung. Mit der Tab-Taste wechseln Sie von einem Verzeichnisfenster zum anderen. Mit [Einfügen] markieren Sie einzelne Dateien, um sie dann per Knopfdruck auf eine Funktionstaste zu kopieren, verschieben oder zu löschen. Mit an Bord ist auch ein Text-Editor, der mit Syntax-Highlighting beim Programmieren von Scripts hilft.
Der Midnight-Commander ist bei jeder größeren Linux-Distribution als installierbares Paket dabei. Die jeweils neueste Version gibt es im Netz unter http://www.ibiblio.org/mc/
Kommandozeilen-History im MC
Auch der Midnight Commander speichert einmal eingegebene Befehle in einer Liste. An diese Liste kommen Sie, indem Sie nacheinander auf [Esc] und [h] tippen.
Dateinamen suchen im MC
Sind Sie in einem umfangreichen Verzeichnis auf der Suche nach einem bestimmten Dateinamen? Dann drücken Sie im Midnight-Commander die Tastenkombination [Strg - S] und tippen Sie die Anfangsbuchstaben der Datei ein. Der Commander springt dann zum ersten passenden Dateinamen. Mit der Eingabe weiterer Buchstaben verfeinern Sie die Suche.
Dateinamen in Kommandozeile übernehmen
Der Midnight Commander hilft auch bei der Eingabe langer Dateinamen für Kommandozeilenbefehle. Suchen Sie die gewünschte Datei aus, drücken Sie [Alt - Return] und der aktuell markierte Dateiname wird in die Kommandozeile übernommen.
Den FTP-Client nutzen
Sehr nützlich ist der im Midnight-Commander eingebaute FTP-Client. Die Dateien und Verzeichnisse des FTP-Servers werden in einem der beiden Dateifenster angezeigt und Sie können wie vom Midnight-Commander gewohnt durch die Dateien navigieren. Selbst das Editieren von Dateien mit dem eingebauten Editor ist möglich - sofern Sie die entsprechenden Rechte besitzen.
Eine FTP-Verbindung öffnen Sie über die Kommandozeile des MC zum Beispiel mit
cd ftp://user@ftp.foo.bar
Danach baut der Commander die Verbindung auf und fragt nach einem Kennwort. Sobald dieses korrekt eingegeben wurde, erscheinen die Inhalte. Alternativ dürfen Sie das Kennwort auch gleich mit eingeben:
cd ftp://user:pw@ftp.foo.bar
Dann erscheint sofort der Inhalt des FTP-Servers.
Der Midnight Commander achtet übrigens auf Sicherheit und speichert das Kennwort nicht in seiner Kommandozeilen-History.
Bildergalerie in KDE erzeugen
KDE ist hervorragend zum sortieren und sichten von Bildern geeignet. So zeigt der File-Manager und Browser Konqueror an Stelle von Symbolen kleine Vorschaubilder. Wem das nicht reicht, für den gibt es noch die Bildergalerie. Hierfür holt sich der Konqueror alle Bilder aus einem Verzeichnis, rechnet sie in Thumbnails um, erzeugt eine HTML-Datei namens »images.html« und zeigt diese an. Um diese Galerie herzustellen wählen Sie zunächst das Verzeichnis mit den Bildern an. Dann geht es weiter mit dem Menü Extras - Bildergalerie erstellen. Die danach angezeigten Voreinstellungen lassen Sie für den Anfang unberührt. Klicken Sie auf Ok und sehen Sie sich die Galerie an. Deren Aufbau kann je nach Anzahl der Bilder und Rechnergeschwindigkeit eine Weile dauern.
Ein Kommando auf die Schnelle eingeben
Wollen Sie ein einzelnes Kommando eingeben, beispielsweise um ein Programm zu starten? Dann müssen Sie in KDE nicht extra eine Shell öffnen. Schneller geht's mit der Tastenkombination [Alt - F2]. Dann öffnet sich eine Eingabezeile, in der sich der Befehl unterbringen lässt.
NumLock immer einschalten
Verwenden Sie bei der Arbeit immer den Ziffernblock der Tastatur? Dann sorgen Sie dafür, dass der immer beim Start von KDE automatisch eingeschaltet wird.
Drücken Sie [Alt -F2] und geben Sie kcontrol ein. Im Kontrollzentrum klicken Sie auf Angeschlossene Geräte und auf Tastatur. Dann fehlt nur noch ein Klick auf Einschalten unter Zahlenblocksperre bei KDE-Start und der Ziffernblock steht künftig immer bereit.
Prozesse anzeigen und abschießen
Wer Linux kennt, kennt auch die Befehle ps, um die aktuell laufenden Programme anzuzeigen und kill, den Befehl, der Programme beendet. Eine komfortable Version dieser beiden Befehle bietet KDE mit ksysguard. Tippen Sie diesen Programmaufruf nach einem [Alt -F2] ein und klicken Sie im Programmfenster auf Prozesstabelle. Hier sehen Sie alle laufenden Programme und können sie bequem beenden.
Verknüpfung zu einem Programm auf dem Desktop herstellen
Mit wenigen Mausklicks erzeugen Sie eine Programm-Verknüpfung auf dem KDE-Desktop. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Desktop und wählen Sie Neu erstellen - Verknüpfung mit Programm. Tragen Sie dann den Namen der Verknüpfung ein. Klicken Sie auf das Zahnrad-Symbol. Suchen Sie anschließend ein passendes Symbol für das Programm heraus - falls es eine KDE-Anwendung ist, finden Sie das passende Symbol höchstwahrscheinlich unter Programme. Nach der Bildauswahl tragen Sie unter Ausführen den Programmbefehl ein oder suchen das Programm mit Durchsuchen auf der Festplatte. Dann fehlt nur noch ein Klick auf Ok und die Programmverknüpfung erscheint auf dem Desktop.
Kwrite als Editor für Web-Spezialisten
Kwrite in der Version 4.1 ist ein sehr guter Editor für Web-Programmierer. Das in KDE mitgelieferte Programm beherrscht Syntax-Highlighting, zeigt Zeilennummern und kann Funktionsblöcke per Mausklick ein- und ausblenden. Dazu liefert Kwrite ein Leckerli für Web-Administratoren: Für das schnelle Editieren einer Datei auf dem Server kann diese direkt per FTP geöffnet und gespeichert werden.
Um eine Datei vom FTP-Server zu öffnen, klicken Sie auf Datei - Öffnen und geben in Adresse Ihren FTP-Benutzernamen und die Adresse ein, zum Beispiel:
ftp://user@ftp.foo.bar/
Daraufhin fragt Kwrite nach einem Kennwort und zeigt anschließend eine Liste der Dateien auf dem FTP-Server, aus der Sie Ihr File heraus suchen können.
Eventuell fragt das Programm dann noch einmal nach einem Kennwort und lädt dann die Datei. Nach den Änderungen speichern Sie die Datei einfach mit [Strg - S] wieder auf dem FTP-Server.
Mehr dazu:
Sehr gute Tipps die ohne lange Erklärungen auf den Punkt kommt .
Gratulation , es sollte noch mehr solche Tipps geben die mann über ein
Suchkriterum hervorholen kann.
[peter Vogt | 12.08.2004]
Antworten




