Wenn es um den Print to online Shift geht, also den Wandel vom bedruckten Papier zum Publizieren im Internet, ist meist die Rede von Verlagen.
Die Verlage haben es recht schwer, sich aus dem Printmarkt hin zum Netz zu entwickeln. Aber noch viel schwerer haben es die Kolleginnen und Kollegen, die bislang für die papierne Presse gearbeitet haben.
Denn mit den Zeitschriften sind erst einmal auch die Aufträge weg.
Nehmen wir mal ein naheliegendes Beispiel. Mich. Ich bin so frei.
Seit 1993 bin ich als selbständiger freier Journalist in der IT-Fachpresse unterwegs. Die Zeiten waren paradiesisch. Zwar stagnierten die Seitenhonorare, dennoch war es im Verhältnis zu heute gesehen, wirklich traumhaft.
Besonders Ende der Neunziger Jahre ging es rund. Die Internet-Blase keimte und es kamen mehr und mehr Zeitschriften auf den Markt, getragen auch von den Werbeeinnahmen, die der Neue Internetmarkt brachte.
Es gab um die Jahrtausendwende herum traumhafte Tagessätze für minimale Arbeit. Eigentlich hätte mir das schon komisch vorkommen sollen. Kam es mir auch – nie zuvor und nie danach gab es so gutes Honorar für so wenig Arbeit.
Das erste Beben kam mit dem Platzen der Internet-Blase. Reihenweise Zeitschriften wurden eingestellt, der Markt für IT-Fachblätter erlebte eine bittere Marktbereinigung. Schon damals gab es Entlassungen, viele Kolleginnen und Kollegen sind in die Online-Redaktionen gewandert.
Doch das war nichts im Vergleich zu den Erschütterungen, die in den letzten zwei Jahren kamen. Die Auflagen sind dermaßen in den Keller gegangen, dass die Verlage nur noch sparen. Für freie Autoren heißt das: ebenfalls sparen. Die Auftragslage derzeit geht gegen null. Und ich erwarte nicht, dass sich das noch jemals ändern wird.
Denn um die wenigen, verbliebenen Aufträge kämpfen immer mehr freie Journalisten. Genau die, die einst als fest angestellte Redakteurinnen und Redakteure in den Zeitschriften saßen.
Unser Shift mit Tippscout
Richard Joerges hat mir schon vor vier oder fünf Jahren gesagt “Print ist tot”. Damals habe ich das noch nicht gesehen, aber seit ein, zwei Jahren weiß ich, was er gemeint hat. Print liegt im Sterben.
Schade.
Schwamm drüber.
Jetzt müssen wir sehen, wie wir ohne Print zurecht kommen.
Mein großes Glück war eine kleine Idee vor zehn Jahren. Einfach eine Datenbank ins Internet stellen, die nichts als Tipps und Tricks enthält. Der Tippscout war geboren. Heute können der Kollege Markus Schraudolph und ich von den Werbeeinnahmen des Tippscout gut leben.
Unser Shift von Print nach Online hat also schon sehr früh begonnen. Freilich ohne konkrete Absicht. Wir wollten uns damals zu Zeiten der Internet-Bubble möglichst bald mit Venture Capital ausstatten und ebenso reich wie berühmt werden.
Doch damals war nicht die Zeit für Content im Internet – B2B beherrschte die Gedankenwelt. Schnelle Geschäfte der Firmen untereinander. Consumer? Bjäch. Inhalt? Bloß nicht! Was ist das überhaupt für ein Business Modell? Inhalt…
Aber wir haben den Tippscout weiter ausgebaut. Heute hat er über 3.800 Tipps. Und irgendwann im September 2004 haben wir Google Adsense entdeckt. Das Business Modell war da.
Geht online!
Mein Tipp an alle, die jetzt noch um Print-Aufträge kämpfen und vielleicht auch noch bekommen: Geht online. Jetzt!
Tags: Autor, Print to Online by Martin
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