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Bücher schreiben im Trend?

Die Bayerische Akademie der Presse hat einen Newsletter – elektronisch freilich. Und der hat ein Editorial.

Das Editorial macht den lesenden Journalistinnen und Journalisten einen erstaunlichen Vorschlag. Man möge doch einmal ein Buch schreiben. So nebenbei, schließlich sei es ein Trend in der Verlagsbranche, dass Journalisten nun auch Bücher schreiben würden.

Nichts gegen das Schreiben von Büchern. Ich mache das selbst gelegentlich. Aber zur Zeit wirkt der Vorschlag daneben.

Vielen Kolleginnen und Kollegen steht das Wasser bis zum Hals. Die Aufträge werden weniger oder fallen ganz weg. Die Honorare stagnieren oder sinken und viele suchen in der Krise nach einem neuen Weg.

Bücher schreiben als neuer Weg? Nein. Denn die Honorare für Bücher sind nur dann einigermaßen brauchbar, wenn man für Buch B schon möglichst viel aus Buch A oder aus eigenen Artikeln zweitverwerten kann. Vom Honorar für Sachbücher zu leben, erfordert hohen Arbeitsaufwand und es macht nicht sonderlich Spaß.

Ganz abgesehen davon gehe ich nicht davon aus, dass die Buchverlage gerade eine Blütezeit erleben und händeringend nach neuem Material suchen.

Nein, ich möchte niemandem empfehlen, ein Buch zu schreiben – außer es ist ein Hobby.

Investiert lieber die Zeit und schreibt online.

Google ausschließen ist nicht genug – weitere geheime Pläne der Verlage aufgedeckt

Murdochs Pläne inspirieren die Verlagsbranche. Der Medienmogul möchte Google künftig daran hindern, seine Angebote zu durchsuchen und in der Suchmaschine darzustellen.

Das inspiriert.

Schon sind erste Ideen zu hören, das Konzept von Murdoch noch weiter zu tragen. Vorschläge wie die Folgenden kursieren in handgeschriebenen Briefen, die Verleger einander zusenden.

Künftig wird demnach nicht nur Google von den Internet-Angeboten ausgeschlossen, sondern auch der Passant vom Blick auf die Titelblätter am Kiosk. Schließlich begeht jeder vorübergehende Mensch Informationsdiebstahl, sobald er eine Schlagzeile liest oder ein Aufmacherphoto sieht.

Man möge sich das mal klar machen: Der Schmarotzer im Regenmantel mit seiner speckigen Aktentasche, der sich im Berufsverkehrstrubel an der Zeitungsauslage vorbeidrückt, bekommt umsonst wichtige Information geliefert, ohne dafür auch nur einen Cent zu bezahlen.

Was also tun? Ganz klar. Es wird nur noch weiße Titelblätter geben. Wer Information haben möchte, soll gefälligst zahlen und keine Schlagzeilen schnorren. Erst nach der Zahlung wird das Heft ausgehändigt und darf betrachtet werden.

Ein weiteres Modell der Verleger: Sie werden Kioske künftig zur Kasse bitten. Wer eine Zeitung oder Zeitschrift weiterverkauft, soll zusätzlich zum Copypreis der Zeitschrift noch einen Obulus an den Verlag abführen. Schließlich sei eine ausgelegte Zeitschrift pure Werbung für den Kiosk. Und die Kioskbesitzer bekommen die Informationen schließlich praktisch gratis geliefert.

Ein weiterer innovativer Vorschlag: Die Konsumenten müssen die Informationen künftig direkt an der Stätte des Kaufs aufnehmen, nach der Lektüre gehen die Blätter zurück an den Verkäufer. So verhindern die Verlage, dass unbefugte Zweitleser aufspringen und sich umsonst Informationen holen.

Sensible Branchenvertreter mahnen allerdings: dieses Vorgehen könnte zu Protesten führen.

Für den Fall gibt es aber noch eine andere, technisch aufwändigere Version: Selbstzerstörendes Papier. Nach dem Öffnen der schwarzen, lichtdichten Verpackung hat der Leser rund 40 Minuten Zeit, die Informationen zu konsumieren. Danach löst sich das Papier auf. Nicht geklärt ist allerdings, wie man effektiv verhindern kann, dass ein Leser seinen Freunden und Bekannten die Informationen weitererzählt. Schließlich ist auch das eine Form von Wissensdiebstahl. An geeigneten Drogen, die das Sprachzentrum etwa zwei Stunden lang nach der Lektüre einer Zeitung lähmen, wird noch gearbeitet.

Aus dem Internet wolle man bald ganz verschwinden, wenn den geheimen Briefen zu glauben ist. Zu viele Menschen, zu viele Wege, unbefugt Informationen zu verbreiten. Das Netz wird sich noch wundern, wenn die Verlage plötzlich draußen sind. Jawohl!

Wie shiften wir eigentlich von Print nach Online?

Wenn es um den Print to online Shift geht, also den Wandel vom bedruckten Papier zum Publizieren im Internet, ist meist die Rede von Verlagen.

Die Verlage haben es recht schwer, sich aus dem Printmarkt hin zum Netz zu entwickeln. Aber noch viel schwerer haben es die Kolleginnen und Kollegen, die bislang für die papierne Presse gearbeitet haben.

Denn mit den Zeitschriften sind erst einmal auch die Aufträge weg.

Nehmen wir mal ein naheliegendes Beispiel. Mich. Ich bin so frei.

Seit 1993 bin ich als selbständiger freier Journalist in der IT-Fachpresse unterwegs. Die Zeiten waren paradiesisch. Zwar stagnierten die Seitenhonorare, dennoch war es im Verhältnis zu heute gesehen, wirklich traumhaft.

Besonders Ende der Neunziger Jahre ging es rund. Die Internet-Blase keimte und es kamen mehr und mehr Zeitschriften auf den Markt, getragen auch von den Werbeeinnahmen, die der Neue Internetmarkt brachte.

Es gab um die Jahrtausendwende herum traumhafte Tagessätze für minimale Arbeit. Eigentlich hätte mir das schon komisch vorkommen sollen. Kam es mir auch – nie zuvor und nie danach gab es so gutes Honorar für so wenig Arbeit.

Das erste Beben kam mit dem Platzen der Internet-Blase. Reihenweise Zeitschriften wurden eingestellt, der Markt für IT-Fachblätter erlebte eine bittere Marktbereinigung. Schon damals gab es Entlassungen, viele Kolleginnen und Kollegen sind in die Online-Redaktionen gewandert.

Doch das war nichts im Vergleich zu den Erschütterungen, die in den letzten zwei Jahren kamen. Die Auflagen sind dermaßen in den Keller gegangen, dass die Verlage nur noch sparen. Für freie Autoren heißt das: ebenfalls sparen. Die Auftragslage derzeit geht gegen null. Und ich erwarte nicht, dass sich das noch jemals ändern wird.

Denn um die wenigen, verbliebenen Aufträge kämpfen immer mehr freie Journalisten. Genau die, die einst als fest angestellte Redakteurinnen und Redakteure in den Zeitschriften saßen.

Unser Shift mit Tippscout

Richard Joerges hat mir schon vor vier oder fünf Jahren gesagt “Print ist tot”. Damals habe ich das noch nicht gesehen, aber seit ein, zwei Jahren weiß ich, was er gemeint hat. Print liegt im Sterben.

Schade.

Schwamm drüber.

Jetzt müssen wir sehen, wie wir ohne Print zurecht kommen.

Mein großes Glück war eine kleine Idee vor zehn Jahren. Einfach eine Datenbank ins Internet stellen, die nichts als Tipps und Tricks enthält. Der Tippscout war geboren. Heute können der Kollege Markus Schraudolph und ich von den Werbeeinnahmen des Tippscout gut leben.

Unser Shift von Print nach Online hat also schon sehr früh begonnen. Freilich ohne konkrete Absicht. Wir wollten uns damals zu Zeiten der Internet-Bubble möglichst bald mit Venture Capital ausstatten und ebenso reich wie berühmt werden.

Doch damals war nicht die Zeit für Content im Internet – B2B beherrschte die Gedankenwelt. Schnelle Geschäfte der Firmen untereinander. Consumer? Bjäch. Inhalt? Bloß nicht! Was ist das überhaupt für ein Business Modell? Inhalt…

Aber wir haben den Tippscout weiter ausgebaut. Heute hat er über 3.800 Tipps. Und irgendwann im September 2004 haben wir Google Adsense entdeckt. Das Business Modell war da.

Geht online!

Mein Tipp an alle, die jetzt noch um Print-Aufträge kämpfen und vielleicht auch noch bekommen: Geht online. Jetzt!

Stone to Paper Shift schockiert Verleger im alten Ägypten

Print to Online Shift – der Wandel von Druckerzeugnissen hin zum elektronischen Publizieren im weltweiten Datennetz schockiert Verleger und Qualitätsjournalisten. Geistiger Verfall droht, Informationskloake ergießt sich über das unwissende Volk. Retten können uns nur Verlage, indem sie den Informationsfluss regulieren.

Doch die Verfechter des mit Farbe bedruckten Holzes sind nicht die ersten, die sich auf einen rabiaten Wandel der Verhältnisse einstellen mussten.

Schon die Umstellung von Höhlenmalerei auf Hieroglyphen hatte die Informationsbranche früher Kulturen vor einen historischen Wandel gestellt. Plötzlich war es möglich, die Informationen komprimiert und schnell lesbar darzustellen.

Jahrelang haben sich die Qualitätshöhlenmaler gegen die schludrig hingemeißelten Symbole gewehrt. “So eine Hieroglyphe sagt lange nicht so viel aus, wie ein von Qualitätswandmalern entworfenes Bild”, argumentierte die Wandbildlobby auf den Mediatagen, 13.220 vor Christus. “Das sind zu viele Informationen auf zu wenig Platz. Das kann keiner verstehen.”

Doch bald kam es noch schlimmer. Kaum hatten sich die frühen Verlage an gemeißelte Texte gewöhnt, erschien eine neue Geißel der Informationsbranche: Papyrus.

“Papyrus ist das Toilettenpapier für Informationen”, stellte der Chefredakteur der Cheops-Pyramide Ran-Tan-Wahun in seinem Essay “Torwächter als Gatekeeper der Präantiken Gesellschaft” fest.

Weitere wichtige Zitate aus seinem Essay:

- “Es darf nicht sein, dass unsere Qualitätsinhalte plötzlich jedem verfügbar sind, der das Papyrus in die Hand bekommt.”

- “Wer gute, hochwertige Information will, kommt auch in eine Höhle oder in eine Pyramide.”

- “Papier ist hirnlos. Jeder kann Papier beschreiben. Wer stellt denn dann noch sicher, ob Nachrichten von einem Qualitäts-Steinmetz kommen oder von einem Sklaven-Schmierer im Nildeltamatsch?”

Ma-Tas-Def-Nah, Pharao zweiten Grades und Eigentümer der “Daily Pyramid” nahe Kairo bringt es auf den Punkt: “Wir müssen sicher stellen, dass die Kontrolle über die Information in unseren Händen bleibt.”

“Papyrus ist kein rechtsfreier Raum. Was ist, wenn ein Leser das Papier mitnimmt und es einer dritten, nicht autorisierten Person gibt? Wie stellen wir in diesem Fall sicher, dass der andere Leser unsere Informationen überhaupt versteht. Hier muss ein neues Urheberrecht her – wer das Papyrus eines anderen unrechtmäßig dreimal ansieht, dem stechen wir die Augen aus.”

Hat die Verlagsbranche in den letzten 15.000 Jahren gelernt? Nicht viel, denke ich.

Eindrücke vom Webmontag Franken am 9. November 2009

Schön war es, voll war es und ein bischen zu lang – das ist mein Fazit des Webmontag am 9. November 2009 bei Stayfriends in Erlangen.

Rund 80 Leute waren dabei. Der L-förmige Raum war reichlich voll, als es auf die Vorträge zu ging.

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Im Gedächtnis blieben mir vor allem die Präsentationen von Florian Bailey zum Thema Usability: in wenigen Minuten gab es reihenweise Denkanstöße. Mein zweites, persönliches Highlight war die Vorstellung von Komparable.com, einer Plattform zum Aufstellen von Vergleichen.

Komparable.com ist mir sympathisch

Vielleicht liegt meine Sympathie darin begründet, dass ich selbst als altes Print-Wesen jahrelang solche Tabellen für Vergleichstests in IT-Magazinen geschrieben habe. Aber sicher lag sie auch in der Art der Gründer begründet: Die Seite entsteht nebenbei, ohne Venture-Kapital. Und man werde sehen, ob und wie das Ganze funktioniert. So eine Einstellung finde ich klasse und ich finde darin unsere Einstellung zu Tippscout.de wieder – vor zehn Jahren haben wir die Site nebenbei aufgebaut und erst Jahre später kam dann das passende Geschäftsmodell hinzu.

Hinten raus wurde es zu lang

So spannend es war – hinten raus wurde es mir zu lang. Um 22 Uhr schwand dann doch die Aufmerksamkeit. Meiner Ansicht nach waren es ein paar Vorträge zu viel. Zumal ein Vortrag wirklich ermüdend überzogen war.  Aber auch das gehört zum Webmontag. Beim nächsten Mal vielleicht einfach zwei Vorträge weniger einplanen oder nebenher eine große Uhr mitlaufen lassen.

Klasse Veranstaltung

Beeindruckend, wie sich der Webmontag in Franken entwickelt hat. Mit 80 Teilnehmern ist er inzwischen richtig groß. Ich sage Danke für einen schönen und spannenden Abend – zumal ich einen Haufen netter Leute endlich mal wieder getroffen habe.

Noch ein paar Bilder vom Webmontag Franken, inklusive des #twecho-Projekts von @pixelmechanics und mir ;)

Der nächste Webmontag Franken findet statt am am 25. Januar 2010 in der Zentrifuge in Nürnberg.