Compiz mit Suse 10.1 nutzen
KDE ist zwar eine hübsche, aber auch eine emotionslose Benutzeroberfläche. Bringen Sie mehr Leben und Feeling in KDE, indem Sie Xgl und Compiz installieren.
(Achtung: Unter Suse 10.2 ist die Installation von Compiz anders - und etwas einfacher.)
Compiz zeigt animierte Fenster auf Ihren Bildschirm und projiziert Arbeitsflächen auf einen spektakulär rotierenden Würfel. Eine Zoom-Funktion vergrößert Bildschirmausschnitte und per Maus dürfen Sie die Transparenz der Fenster verstellen. Außerdem hat Compiz eine Funktion, die alle Fenster auf dem Desktop verkleinert und übersichtlich anordnet.
Compiz an sich ist aber nur der "Composition Manager", zu Deutsch etwa Gestaltungs- oder Anordnungs-Manager. Das Programm fasst die vorhanden Fenster und grafischen Elemente zusammen und zeigt sie - hardwarebeschleunigt - als Komplettbild. Compiz setzt auf Xgl auf. Hierbei handelt es sich um einen X-Window-Server mit eingebauter Open-GL-Maschine. Compiz und Xgl sind bei Suse 10.1 im Lieferumfang dabei. Momentan befindet sich die Software noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium. Deswegen ist bei der Installation auch ein wenig Handarbeit angesagt - aber es lohnt sich.
Voraussetzungen
Compiz ist nichts für Altrechner, die unter Linux ihr Gnadenbrot fristen. Compiz will einen Rechenboliden - zumindest was die Grafikkarte betrifft. Optimal laufen Xgl und Compiz mit Nvidia-Karten der neueren Generation, sprich der 6000er- und 7000er-Reihe. Auch mit älteren 4000er und 5000er-Modellen kommt Xgl nach Angaben der Xgl-Infoseiten von Suse zurecht. Allerdings gebe es hier Probleme mit der Wiedergabe unter XVideo.
Für diesen Beitrag verwendet die Redaktion eine Karte mit dem Nvidia-6200-Chipsatz und 512 MByte Speicher. Damit läuft alles flüssig.
Nvidia-Treiber installieren
Als Besitzer einer Nvidia-Grafikkarte müssen Sie Treiber installieren, bevor Sie das 3D-Desktop nutzen können. Denn die mit Suse 10.1 ausgelieferten Treiber unterstützen nur 2D-Darstellung.
Achtung: Falls der Treiber neu kompiliert werden muss, brauchen Sie das Linux-Entwicklungspaket für den Kernel. Um das zu installieren, starten Sie Yast und klicken Sie darin auf Software installieren oder löschen. Wählen Sie in Filter den Eintrag Selektionen und setzen Sie je ein Häkchen vor C/C++ Compiler und Werkzeuge sowie vor Kernel Entwicklung. Starten Sie danach die Installation per Klick auf Übernehmen.
Die Treiber selbst gibt es bei Nvidia unter www.nvidia.com. Klicken Sie auf Download Drivers und wählen sie in den drei Auswahlboxen Graphics Driver, Ihren Kartentyp und die Linux-Plattform.
Mit einem Klick auf Go geht es zu einer weiteren Seite, auf der Sie unter Step 2 einen Download-Link finden. Speichern Sie die Datei in Ihrem Heimatverzeichnis.
Ist der Download beendet, müssen Sie KDE beenden. Dazu melden Sie sich zunächst mit Abmelden - Aktuelle Sitzung beenden im KDE-Menü ab. Erscheint dann der Dialog zur Kennworteingabe, wählen Sie dort System - Text-Konsolen-Modus.
Melden Sie sich auf der Konsole als root an und wechseln Sie in das Verzeichnis mit der Nvidia-Datei. Danach starten Sie die Installation mit
sh NVIDIA-Linux-x86-1.0-8762-pkg1.run
Der Dateiname kann je nach Treiberversion auch anders lauten.
Danach beginnt der Installationsvorgang. Falls Sie eine ältere Nvidia-Karte besitzen, meldet sich der Treiber und verweist Sie auf die Seite www.nvidia.com/object/unix.html. Dort suchen Sie für Ihre Linux-Plattform den entsprechenden Latest Legacy-Treiber heraus und laden den herunter. Installieren Sie diesen wie hier beschrieben.
Akzeptieren Sie die Lizenzvereinbarungen und bestätigen Sie danach gegebenenfalls die Frage, ob der Treiber Dateien nachladen soll. Falls das nicht klappt, muss der Treiber kompiliert werden - keine Angst, das erledigt das Installationsprogramm für Sie.
Je nach Treiber bietet Ihnen die Installationsroutine an, gleich die Konfigurationsdateien für den Grafikserver anzupassen. Falls diese Meldung erscheint, bestätigen Sie mit Yes.
Kurze Zeit später meldet das Installationsprogramm Vollzug. Bestätigen Sie die Meldung und rufen Sie gleich danach
sax2 -r -m 0=nvidia
auf. Klicken Sie im anschließend erscheinenden Dialog auf Ok. Danach starten Sie mit
reboot
den Computer neu.
Ist KDE wieder geladen, rufen Sie das Programm nvidia-settings auf. Hier sehen Sie, ob die Karte korrekt installiert ist und finden Optionen zum Einrichten der Karte.
Compiz installieren
Xgl und Compiz sind noch nicht ausgereift. Deshalb sollten Sie immer nur die aktuellsten Versionen installieren. Die finden Sie unter
http://download.opensuse.org/distribution/SL-OSS-factory/inst-source/suse/i586/
Suchen Sie nach den Paketen Xgl und Compiz. Klicken Sie jeweils auf die CVS-Versionen und laden Sie die Pakete herunter. Die Dateien mit dem debuginfo im Namen brauchen Sie nicht.
Sind die Pakete auf der Platte geht es weiter auf der Kommandozeile. Geben Sie hier ein:
gnome-xgl-settings
Daraufhin überprüft Xgl die in Ihren Computer eingebaute Grafikkarte auf Tauglichkeit für Xgl. Geht alles gut, sehen Sie eine Meldung, dass die Grafikkarte unterstützt wird. Neben 3D-Acceleration steht dann wahrscheinlich ein Disabled. Diese Erkennung ist allerdings nicht sehr zuverlässig. Falls Sie sicher sind, dass die 3D-Funktionen dennoch eingeschaltet sind, halten Sie die Umschalten-Taste gedrückt und klicken Sie doppelt auf Disabled. Das aktiviert die 3D-Unterstützung auf jeden Fall.
Anschließend klicken Sie auf Enable 3D Desktop und geben das Root-Kennwort ein. Damit wird der Server eingerichtet und Ihr Linux-Computer sollte neu starten. Klappt das nicht, beenden Sie gnome-xgl-settings und starten Sie den Computer von Hand neu.
Compiz mit KDE verwenden
Nachdem die Installationshürden genommen sind, folgt das Einbinden des Compiz-Desktop in KDE. Melden Sie sich bei KDE als normaler Benutzer an. Danach öffnen Sie im KDE-Menü nach Persönliche Einstellungen - Arbeitsfläche - Fensterleiste. Stellen Sie sicher, dass vor Die Fenster sämtlicher Arbeitsflächen anzeigen ein Häkchen gesetzt ist.
Starten Sie als nächstes einen Editor. Am besten nehmen Sie aus dem K-Menü Dienstprogramme - Editor - Kate. Wählen Sie Standardsitzung wählen und geben Sie dann folgende Zeilen ein:
[Desktop Entry]
Encoding=UTF-8
Exec=compiz --replace gconf & gnome-window-decorator &
GenericName[en_US]=
StartupNotify=false
Terminal=false
TerminalOptions=
Type=Application
X-KDE-autostart-after=kdesktop
Achten Sie darauf, dass sich kein Tippfehler einschleicht. Dann speichern Sie Datei mit Datei - Speichern unter im Ordner /home/username/.kde/Autostart. Geben Sie den Ordnernamen am besten oben im Speicher-Fenster direkt ein und drücken dann die Return-Taste. Denn bei .kde handelt es sich um ein verstecktes Verzeichnis, das im normalen Speicherdialog nicht angezeigt wird. Statt username schreiben Sie Ihren eigenen Benutzernamen.
Ist das richtige Verzeichnis gefunden, geben Sie als Dateinamen compiz.deskop ein und klicken auf Speichern.
Schließen Sie alle Fenster und melden Sie sich mit Abmelden aus dem K-Menü ab und dann wieder erneut an. Danach sollte Compiz aktiv sein.
Das Schließen der Fenster ist sinnvoll, weil sich die Fenstergeometrie unter Compiz geringfügig ändert. Das kann dazu führen, dass die Fensterleisten einiger Fenster nicht mehr mit der Maus erreichbar sind. In diesem Fall behelfen Sie sich, indem Sie die Alt-Taste gedrückt halten, auf eine beliebige Stelle des Fensters klicken und dann das Fenster in die richtige Position ziehen.
Compiz ausprobieren
KDE neu gestartet? Dann wundern Sie sich nicht - die Optik hat sich kaum geändert. Aber öffnen Sie einmal ein Fenster und ziehen Sie es über den Bildschirm. Hoppla! Plötzlich hat das Fenster physikalische Eigenschaften. Es verhält sich wie zweidimensionales Gelee, verformt sich beim Ziehen und wubbelt beim Loslassen an seinen neuen Platz. Ebenso wubbelig wird's, wenn Sie ein Fenster maximal vergrößern und dann wieder verkleinern.
Oder ziehen Sie ein Fenster mal ganz an den rechten Bildschirmrand und darüber hinaus. Nach kurzer Verzögerung rotiert der Desktop und das Fenster landet auf einer zweiten Arbeitsfläche. Und wenn Sie nach einem verlorenen Fenster suchen, halten Sie die Tasten Strg und Alt gedrückt. Drücken Sie die linke Maustaste und ziehen die Maus nach links oder rechts. Damit lassen Sie den Arbeitsflächenwürfel rotieren und finden zu Ihrem Fenster.
Noch ein Effekt gefällig? Dann drücken Sie [Umschalten - F9]. Schon regnet es auf Ihrem Bildschirm. Mit derselben Tastenkombination schalten Sie den Regen auch wieder ab. Und wenn Sie mehr Transparenz wollen, aktivieren Sie ein Fenster, halten die Alt-Taste gedrückt und drehen das Scrollrad nach hinten. Schon wird das Fenster durchsichtig.
Zu guter Letzt noch die Vergrößerungsfunktion: Halten Sie die Windows-Taste (bei Compiz heißt sie "Super"-Taste") gedrückt und drehen Sie am Scrollrad. Schon wird der Abschnitt unter dem Mauszeiger vergrößert.
Compiz konfigurieren
Um festzulegen, wie sich Compiz verhalten soll, starten Sie wieder das Konfigurationsprogramm mit der Eingabe von
gnome-xgl-settings
auf der Kommandozeile. Im Setup-Fenster sind drei neue Registerreiter aktiviert: Windows-Effects, Desktop Cube und Other Features. Unter Windows Effects stellen Sie ein, wie die Fenster beim Ziehen, Vergrößern und Verkleinern reagieren. Recht ansehnlich ist die von Haus aus nicht eingeschaltete Option Make windows translucent while they're being moved. Sobald Sie die aktivieren erscheinen die Fenster beim Ziehen durchsichtig.
Unter Desktop Cube bestimmen Sie unter anderem, wie viele Seiten der Würfel hat, auf den Compiz die Arbeitsflächen projiziert. Hier dürfen Sie bis zu 100 Seiten einstellen. Aber mit vier bis acht sollten Sie auch zurecht kommen.
Noch einen weiteren Blick sollten Sie auf die Other Features werfen. Hier finden Sie die Optionen für den Windows Picker. Das ist die Funktion, die alle Fenster vekleinert und übersichtlich anordnet. Per Default passiert das, sobald Sie den Mauszeiger in die rechte obere Ecke bewegen oder die Taste Pause drücken. Tipp: Ändern Sie die Einstellung auf Bottom Right, also unten Rechts. Anderenfalls werden Sie den Picker oft versehentlich aktivieren, sobald Sie ein auf die ganze Bildschirmfläche vergrößertes Fenster schließen wollen.
Achtung: Je nach Version sind Änderungen in den Konfigurationsdialogen möglich.





