Die Server-Alternative: Linux
Linux hat gegenüber Windows als Server einen großen Vorteil: Die Kosten liegen bei gerade einmal rund 80 Euro für ein Suse Linux Professional – die Preisersparnis gegenüber einem rund 1050 Euro teuren Windows 2000 Server liegt bei dicken 92 Prozent.
Diesen Artikel habe ich für ein Netzwerk-Sonderheft der Chip geschrieben, das im Sommer 2003 erschienen ist.
Zum weitaus günstigeren Preis als Windows bietet Linux alles, was ein Server braucht: Linux kann als Fileserver auftreten, bietet zentrale Nutzerverwaltung für eine Domäne und eignet sich auch als Datenbankserver oder für das Intranet. Zudem arbeitet Linux auch auf Rechnern älteren Datums. Selbst auf einem Pentium 90 läßt sich noch ein leidlich flotter Fileserver einrichten, mit einem Pentium 266 sind Sie schon gut dabei. Allerdings sollten Sie dem Server mindestens 256 MByte Speicher spendieren, damit er wirklich rund läuft.
Server- und Software-Installation
Linux ist plattformunabängig. Das bedeutet: Linux arbeitet auf Intel-Rechnern und kompatiblen ebenso wie auf anderen Prozessor-Typen, etwa dem PowerPC. Selbst auf einem IMac (Anmerkung: Hier ging es noch um den alten IMac, der mit Mac OS 9 ausgeliefert wurde.) können Sie ein Linux installieren. Alle Programme für Linux – zumindest die frei verfügbaren – sind auch im Quelltext zu haben. So lange auf dem Computer ein Compiler installiert ist, lassen sich die Programme dort auch installieren und verwenden.
Zumindest in der Theorie funktioniert das Kompilieren von Quellcodes prima. In der Praxis allerdings kann dies schnell zur Installationsqual werden: Hier fehlt eine Bibliothek, da ein Zusatzprogramm – manche Compiler-Durchläufe brauchen sehr viel Geduld.
Dieses Problem haben Hersteller von Linux-Distributionen wie Redhat oder Suse erkannt. Sie fassen die Programme in RPM-Paketen zusammen("RPM" steht für "RPM Package Manager"). In diesen Paketen stehen für Intel-basierende Computer vorkompilierte Versionen der Programme zur Verfügung. Neben der einfachen Installation erlauben die RPMs, Programme auch wieder zu entfernen oder ein Update zu veranlassen. Vorteil des Verfahrens: Die Installation ist sehr einfach. Nachteil: Die Programme lassen sich nicht so gut anpassen wie beim Selbst-Kompilieren.
Wer selbst noch den direkten Umgang mit den RPM-Paketen scheut, braucht dennoch nicht auf Linux verzichten. Denn Programme wie Yast von Suse helfen bei der Suche nach den richtigen Programmen, installieren diese und suchen gleich noch die notwendigen Zusatzmodule heraus und spielt diese ebenfalls auf die Platte. So bleiben lange und komplizierte Nachinstallationen erspart. Ein funktionsfähiger Linux Server ist mit Hilfe von Yast innerhalb einer knappen Stunde installiert.
Der Aufbau von Linux
Linux ist modular aufgebaut. Jeder Netzverwalter kann also sein individuelles Linux zusammenstellen und dieses installieren. „Linux“ an sich ist der Betriebssystemkern, um den herum sich zahlreiche Anwendungen scharen. Der Betriebssystemkern, neudeutsch Kernel genannt, enthält die grundlegenden Funktionen des Betriebssystems. Im Kernel fest eingebaut oder als Modul hinzugefügt arbeiten eine Menge Treiber als Schnittstellen zu Peripheriegeräten.
Linux lässt sich mit unterschiedlichen Dateisystemen betreiben. Die derzeit meist verwendeten sind ext3 und ReiserFS, das von Suse als Standard vorgeschlagen wird. Beide Systeme sind so genannte Journaling Filesysteme. Deren Vorteil: Stürzt das System während eines Zugriffs ab, kann anhand dieser Protokolle das System schnell wiederhergestellt werden. Allerdings fehlen ReiserFS und Ext3 gegenüber dem von Windows-Servern verwendeten NTFS Eigenschaften wie die Verschlüsselung oder die Komprimierung von Dateien beim Speichern. Für Server enorm wichtig ist die Unterstützung von RAID-Systemen. Diese bieten mehr Sicherheit, indem sie – je nach RAID-Level – Daten redundant speichern. Beim Ausfall einer Platte gehen damit keine Daten verloren.
Ein weiterer großer Vorteil von Linux: Das System liest auch Daten von NTFS und FAT-Dateisystemen, wie sie auch unter Windows zum Einsatz kommen. Interessant ist dies, um beispielsweise eine zuvor unter Windows bespielte Datenfestplatte in einen Linux-Server einzubauen und die Daten dann auf eine Linux-Partition zu überspielen. Auf FAT-Partitionen kann Linux sogar Dateien speichern. Klassisch gut können Unix- und Linux-Systeme mit Bandlaufwerken umgehen. Der Programmklassiker "Tar" (Tape Archiver) ist ideal zur Datensicherung. Doch auch für ZIP-Laufwerke, DVD und Brenner hat Linux alle Treiber an Bord.
Verwaltung über Kommandozeile
Wer sich einen Linux-Server ins Haus holt, muss eines Wissen: Linux erfordert viel Einarbeitung und Geduld. Am besten bedienen Sie das System über die Kommandozeileneingabe. Grafische Benutzeroberflächen wie KDE haben auf einem Server allenfalls einen Daseinszweck als Fenster-Manager: Sie halten mehrere Kommandozeilenfenster offen.
Der Großteil der Einrichtungs- und Wartungssarbeiten spielt sich in einem Verzeichnis namens /etc und darin in einzelnen Dateien ab. In diesen Konfigurationsdateien setzt der Verwalter Parameter und übergibt ihnen Werte. Hie und da übernehmen auch Hilfsprogramme diese Arbeit. Aber wer sich erst einmal an die Dateien gewöhnt hat, kommt mit denen schneller zurecht als jeder mausklickende Windows-Admin (außer der verwendet auch die Kommandozeilen-Tools von Windows 2000 Server).
Linux als Fileserver in Windows-Netzen: Samba
Mit Hilfe des Programms Samba wird Linux zum vollwertigen Fileserver für Windows-Netzwerke. Samba wirkt dabei als Mittler zwischen den angeschlossenen Netzwerk-Computern und dem Linux-Server. Samba stellt die notwendigen Protokolle bereit, damit Windows-Computer überhaupt Linux als Fileserver erkennen und dort speichern können. Auf dem Server übernimmt Samba das Speichern der Dateien in den zuvor eingerichteten Verzeichnissen und kümmert sich um die Rechtevergabe.
Darüber hinaus aber kann Samba noch viel mehr: Auf Wunsch verhält sich Samba so, als wäre es ein Primärer Domänencontroller, kurz PDC. Das ist ein Computer im Netzwerk, der alle Benutzernamen und Kennwörter verwaltet und diese dem Netzwerk zur Verfügung stellt. Außerdem lassen sich mit so einem PDC wie auf einem Windows-Server Roaming Profiles nutzen: Jeder Benutzer hat ein Profil, in dem sich sein Desktop, seine E-Mail und sein Ordner „Eigene Dateien“ befindet. Dieses Profil wird auf dem Samba-Server gespeichert und kann von jedem Rechner im Netzwerk aus genutzt werden. An welchen Computer der User also auch immer sitzt – er hat seine Arbeitsumgebung dabei.
Nachteil des Ganzen: Die Benutzereinrichtung und –Verwaltung muss parallel mit Samba und Linux erledigt werden. Alle Benutzer und angeschlossenen Computer müssen hier von Hand eingetragen werden. Außerdem gilt es, unter Windows XP einige Schalter umzulegen, bis das wirklich funktioniert. Dieser Aufwand lohnt sich für Netze, in denen Roaming Profiles wirklich genutzt werden, in denen aber nicht zu häufig Benutzer hinzukommen oder wegfallen. Wer sich mit Linux gut auskennt, wird aber auch mit höherem Benutzeraufkommen zurechtkommen, indem er sich ein paar Hilfsprogramme selbst schreibt.
In größeren Netzen übernehmen Linux-Server ebenfalls wichtige und wertvolle Dienste: Sei es als Verzeichnisserver oder als Datenbank-Server, als Firewall, Gateway oder Datenaustausch-Server. Mit Linux ist all das machbar.
Linux als Intranet-Server
Ein Pfund wirft Linux mit Apache in die Waagschale. Das Programm ist laut Netcraft mit über 62 Prozent Anteil der populärste Web-Server im Internet. Dann kann er auf Ihrem Linux-Server auch gute Dienste leisten. Je nach Wunsch eignet sich Apache als Intranet-Server oder als Entwicklungssystem für eigene Internet-Anwendungen.
Alles, was Sie für die Server-Programmierung oder einen leistungsfähigen Intranet-Server benötigen ist bereits an Bord: MySQL oder Postresql als Datenbank, Programmiersprachen wie Perl, PHP oder Python und ausgefeilte Management-Werkzeuge.
Neben dem File- und dem Intranet-Server emfiehlt sich eine Linux-Maschine auch für viele andere Dienstleistungen im Netzwerk. Beispiele: Der FTP-Server stellt Dateien zum Download bereit, als DNS-Caching-Server beschleunigt Linux den Zugriff auf das Internet in großen Unternehmen, ausgeklügelte Firewall-Konzepte lassen sich ebenfalls mit einem Linux-Server umsetzen. Und für umfassende Datenbankanwendungen ist Linux ebenfalls geeignet.
Fazit
Linux ist eine gute Alternative zu Windows-Servern: In allen Netzen verrichtet das System hervorragende Dienste als Fileserver, in kleinen und mittleren Netzwerken verwaltet Linux auch Bentutzer zentral als PDC. In Sachen Intranet, Internet und Datenbank ist Linux als Plattform ebenfalls eine hervorragende und preiswerte Alternative zu Windows. Nur: Auskennen muss man sich mit Linux.




