Film im Netzwerk ansehen mit dem VLC Media Player

Einen Film auf allen Computern im Netzwerk gleichzeitig anzeigen? Kein Problem. Hierfür gibt es den VLC Media Player.

Nahezu jeder Computer kann Filme zeigen. Dazu brauchen Sie nichts weiter als einen modernen Windows-PC, die Videodatei und ein passendes Anzeigeprogramm. Das funktioniert auch mit Film-DVDs prima. Einfach einschieben und los geht der Filmspaß.

Noch mehr Spaß gibt es, wenn Sie ein Netzwerk haben. Dann nämlich können Sie die Filme im Netz an jeden Computer ausstrahlen. Genau: Jeder Computer empfängt den Videofilm und zeigt ihn. Das ist toll für jede Party. Oder sie sehen sich mit dem Notebook einen Film an, der auf dem PC im Arbeitszimmer gespeichert ist und lassen den Film auch im Arbeitszimmer gleich mitlaufen.

Übrigens funktioniert der VLC Media Player nicht nur mit Filmdateien und DVDs, sondern auch mit TV-Übertragungen: Speisen Sie das Signal von einem Computer in Netzwerk ein und sehen Sie das Live-Programm auf allen anderen PCs. Und wenn Sie eine eigene Sendung übertragen wollen, speisen Sie das Signal einer Videokamera ins Netz ein. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Voraussetzungen

Alles, was Sie für den Filmgenuss brauchen ist ein Netzwerk und ein Programm namens VLC Media Player. Das Programm gibt es gratis im Internet unter www.videolan.org und es läuft auf praktisch allen Plattformen: Windows, Mac OS X oder Linux. In diesem Artikel lesen Sie, wie Sie den VLC Media Player unter Windows nutzen.

Damit der Filmgenuss ungetrübt bleibt, sollte Ihr Netzwerk leistungsfähig sein. Alte Netzwerke mit 10 MBit Übertragungsleistung reichen in der Regel für Videoübertragungen nicht aus. Auch ein Funknetzwerk mit 11 MBit/s wird nicht genug Leistung bringen. Denn Videodaten brauchen viel Platz.

Am besten klappt die Übertragung in einem 100-MBit-Netzwerk. Solche Netzwerke sind inzwischen Standard. Auch mit einem Funknetz, das 54 MBit/s Übertragungsgeschwindigkeit bringt kommen Sie noch zurecht. Falls Sie eine neue Funknetzausrüstung kaufen, achten Sie darauf, dass die den Standard 802.11g erfüllt.

Damit Server und Netzwerk nicht überlastet werden, kann der VLC Media Player im Multicast-Verfahren senden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verbindungen wird dazu nicht zwischen Server und jedem Empfänger eine eigene Verbindung hergestellt. Vielmehr wird der Film einmal gesendet und jeder Empfänger greift den Datenstrom ab.

Als Sendecomputer sollten Sie den stärksten Rechner in Ihrem Netzwerk verwenden. Der muss nämlich unter Umständen Filmdaten umrechnen – und das braucht Leistung. Ein Prozessor mit 1,5 GHz sollte es schon sein. Die Computer zum empfangen der Filme dürfen etwas langsamer sein – hier tun es zur Not auch Maschinen mit 800 oder 900 MHz.

Installation

Los geht’s. Holen Sie sich den VLC Media Player unter www.videolan.org. Klicken Sie oben im Fenster auf VLC media player und wählen Sie dann unter Download VLC die Version für Ihr Betriebssystem – in der Regel ist das Windows.

Nach dem Download einfach die Installation starten und die einzelnen Schritte befolgen. Der VLC Media Player installiert schließlich ein eigenes Icon auf den Desktop.

Einen Film lokal ansehen

Der VLC Media Player eignet sich hervorragend zum Abspielen von Videofilmen auf dem eigenen PC. Dieses lokale Abspielen ist ideal, um die Funktionsfähigkeit des Programms, die Leistung des Rechners und das Filmmaterial zu überprüfen, bevor Sie auf Sendung gehen.

Als erstes das Programm starten und die Tastenkombination Strg-F drücken. Dann unter Datei auf Durchsuchen klicken und die Datei auswählen, beispielsweise ein Mpeg-2-File. Nach einem Klick auf Ok startet die Wiedergabe.

In vielen Fällen fehlt der Ton bei der Wiedergabe. Den schalten Sie mit Klicks auf Audio – Audiospur ein. Wählen Sie dort die gewünschte Tonspur.

Genauso einfach funktioniert das Abspielen einer DVD. Die Scheibe in das DVD-Laufwerk einlegen und nach dem Start des VLC Media Player Strg-F drücken. Dann Volume wählen und dort den Laufwerksbuchstaben des DVD-Laufwerkes eingeben. Damit das Abspielen gleich losgehen kann, die Option DVD wählen (ohne Menüs) und auf Ok klicken. Soll das Abspielen direkt bei einem Kapitel starten, so lässt sich dieses ebenso wie der Titel oder die Untertitelspur einstellen. Mit einem Klick auf Ok startet das Abspielen. Über das Menü Navigation können Sie einzelne Kapitel anwählen.

Falls eine TV-Karte in den Sende-PC eingebaut ist, kann auch deren Signal über das Netz gehen. Dazu die Option Directshow wählen und unter Video-Devicename den Namen der Fernsehkarte auswählen. Falls vorhanden, sind hier auch Videokameras oder Webcams verzeichnet. Auf diese Weise lassen sich sogar eigene Live-Sendungen per Stream ins Netz bringen.

Einen Film an einen anderen Computer senden

Sind die ersten Tests beendet und lässt sich ein Video lokal abspielen, kann es auf Sendung gehen. Dazu muss zunächst der VLC Media Player auch auf dem Empfänger-Computer installiert werden. Dann dort das Programm starten und mit Strg – F den Öffnen-Dialog aufrufen. Darin auf Netzwerk klicken und sicher stellen, dass die Option UDP/RTP aktiviert ist. Jetzt noch auf Ok klicken und der Empfänger ist bereit. Zu erkennen ist das an der Einblendung udp/ im Abspielfenster des Clients.

Auf dem Sende-Computer ebenfalls das Programm starten und wieder Strg – F wählen. Als nächstes die gewünschte Quelle auswählen – Filmdatei oder DVD – und dann die Option Streamausgabe aktivieren. Danach auf Einstellungen klicken. Im jetzt erscheinenden Fenster ist unter Ausgabemethoden die Option UDP zu aktivieren. Gleich daneben geben Sie die IP-Adresse des Computers ein, der den Videostream empfangen soll. Nach einem Klick auf Ok geht die Sendung über das Netz und wird auf dem Empfänger-Computer angezeigt.

Falls dort kein Ton ankommt, wählen Sie auf dem Sende-Computer das Menü Audio – Audiospur und aktivieren die richtige Audiospur.

Einen Film an mehrere Computer senden

Auf zum nächsten Schritt. Strahlen Sie einen Film in Ihrem gesamten Netzwerk aus. Dazu müssen Sie allerdings eine andere Art der Adressierung verwenden.

Starten Sie den VLC Media Player und öffnen Sie mit Strg – F einen Film oder eine DVD, die Sie ausstrahlen wollen. Danach aktivieren Sie die Streamausgabe und klicken auf Einstellungen.

Als nächstes die Option UDP aktivieren. Rechts daneben als Adresse 239.255.1.1 eintippen. Der Adressbereich 239.255 ist speziell für Multicast-Übertragungen reserviert. Sie können alle Adressen bis 239.255.255.255 verwenden.

Ist die Adresse eingetragen, klicken Sie auf Ok und starten danach die Übertragung mit einem weiteren Klick auf Ok. Soll die Übertragung nicht sofort starten, klicken Sie auf das Pause-Symbol in der Abspielleiste des Programms.

Danach starten Sie die Empfänger auf den anderen Computern. Dazu jeweils den VLC Media Player starten und wieder auf Strg – F drücken. Danach Netzwerk wählen und die Option UDP/RTP Multicast aktivieren. Rechts daneben geben Sie die wieder die zuvor gewählte IP-Adresse ein: 239.255.1.1. Nach einem Klick auf Ok ist auch der Empfänger bereit. Falls zuvor die Übertragung angehalten wurde, jetzt einfach auf den Abspiel-Knopf klicken und schon sind Sie auf Sendung.

Übrigens geschieht der Empfang auf allen Rechnern gleichzeitig. Bild und Ton kommen synchron an. Sie können also auch auf einem PC Ton und Bild eingeschaltet lassen, während auf einem anderen Rechner im selben Zimmer nur das Bild mitläuft. Auf diese Weise haben Sie Ihren Lieblingsfilm immer im Blick.

Die Playlist nutzen

Sollen mehrere Filme nacheinander gezeigt werden, öffnen Sie die Playlist mit der Tastenkombination Strg-P. In die Liste tragen Sie die Filmdateien ein, die angezeigt werden sollen. Auch Musikstücke dürfen dabei sein. Allerdings eignet sich der VLC Media Player nur bedingt für Netzwerk-Radio. Da ist der Shoutcast-Server besser. Zwischen den Einträgen der Playliste können sie vom Player aus hin und her springen.

Filme beim Versand umcodieren

Trotz Multicast kann es passieren, dass ein Film beim Übertragen zu viel Bandbreite braucht. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie mehrere Filme auf einmal senden wollen oder wenn nebenher größere Datenmengen über das Netz gehen.

Sinnvoll ist eine Umcodierung der Daten auch dann, wenn ein oder mehrere Empfänger nur per Funknetzwerk angeschlossen sind. Durch das Mindern Bitrate verschlechtert sich zwar die Bildanzeige, dafür aber läuft der Film flüssig.

Um einen Film beim Versand umzucodieren, öffnen Sie die Einstellungen der Streamausgabe. Dort stellen Sie wie beschrieben die Parameter für die Multicast-Übertragung ein.

Danach aktivieren Sie die Option Videocodec und belassen es bei der Voreinstellung mp4v. Im Feld daneben können Sie eine Bitrate auswählen. Das voreingestellte 1024 ist ein guter Anfang – die Qualität leidet allerdings schon ein wenig darunter. Actionfilme werden damit nicht mehr sehr gut aussehen. Probieren Sie es dafür mit 2048 kb/s.

Gleich darunter können Sie auch ein Audiocodec und die zugehörige Bitrate einstellen. 128 kb/s sollten reichen. Allerdings darf der Wert hier ruhig großzügig gewählt werden. Denn der Sound verbraucht im Gegensatz zu den Videodaten nur einen Bruchteil der Bandbreite.

Sind die Einstellungen erledigt, gehen Sie auf Sendung. Sehen Sie sich das Ergebnis gleich an. Falls das Bild zu schlecht ist, erhöhen Sie die Bitrate ein wenig. Ist die Bildqualität sehr gut, spricht nichts gegen einen Versuch mit der nächst niedrigeren Bitrate.

Ein PC als Sender und Empfänger

Soll ein Film auf dem Server und auf allen Empfängern gleichzeitig abgespielt werden, so muss auch auf dem Server noch ein zusätzlicher Client gestartet werden. Denn nur dann ist gewährleistet, dass Bild und Ton synchron laufen. Also einfach den VLC Media Player zweimal starten. Einmal als Server mit den beschriebenen Einstellungen und einmal als Client. Auch hier gelten die für den Multicast-Betrieb beschriebenen Einstellungen.

Videofilter verwenden

Die Videofilter im VLC Media Player haben teils experimentellen Charakter, teils sind es brauchbare Features. Am besten probieren Sie es einmal aus. Wählen Sie nach dem Start des Programms Einstellungen – Einstellungen – Allgemeine Einstellungen – Video. Suchen Sie hier einen Filter aus, beispielsweise Videoverzerrungsfilter. Nach einem Klick auf Ok den Film starten. Nun wandert das Bild wabernd über den Schirm. Probieren Sie sich durch die Filter hindurch und testen Sie zum Beispiel einmal den Bildklon-Filter, der einen Film in mehreren Fenstern gleichzeitig anzeigt — ideal für Computer mit mehreren Bildschirmen. Wie viele Fenster der Klonfilter anzeigt, regeln Sie im Einstellungen-Dialog unter Module – video filter – clone.

Den VLC über das Web steuern

Falls Sie nicht direkt am Server sitzen, probieren Sie es mit der Fernsteuerung über das Web-Interface. Dazu zunächst im VLC Media Player den Menübefehl Einstellungen – Interface hinzufügen – Web Interface wählen.

Danach einen Browser öffnen und die IP-Adresse des Computers eingeben, auf dem der Server läuft. Hinter der Adresse müssen ein Doppelpunkt und die Nummer 8080 stehen. Läuft der Server zum Beispiel auf dem Computer mit der IP-Adresse 192.168.0.5, geben Sie ein:

http://192.168.0.5:8080/

Dort erwartet Sie ein einfaches Web-Interface, mit dem Sie unter anderem den Film vorspulen oder die Lautstärke verändern können. Auch die Playlist ist hier zu finden.

Zusätzlich gibt es noch ein einfaches Verwaltungsmodul. Das erlaubt, den VLC Media Player zu beenden. Dazu brauchen Sie allerdings einen Benutzernamen und ein Kennwort. Voreingestellt sind als Benutzername und Kennwort jeweils admin. Um das Kennwort zu ändern, in das Programmverzeichnis des VLC Media Player wechseln, normalerweise ist das

c:\Programme\VideoLAN\VLC

Dort den Unterordner httpadmin öffnen und die Datei .access editieren. Dort nach dem Schema

benutzername:passwort

die Daten eingeben, zum Beispiel

heinz:geheim

Übrigens: Programmierer können sich ihr eigenes Web-Interface basteln. Alles, was dazu notwendig ist, steht in der Online-Dokumentation unter

http://www.videolan.org/doc/vlc-user-guide/de/ch05.html

Fehlern auf die Spur kommen

Aller Anfang ist schwer, auch mit dem VLC Media Player. Falls es einmal mit dem Film ansehen nicht klappt, helfen die Debug-Meldungen des Programms. Die erscheinen, sobald Sie Strg-M drücken. Die Meldungen laufen ständig mit. Häufen sich bestimmte Fehler, lohnt es sich, in den Videolan-Foren unter http://forum.videolan.org/search.php die Fehlermeldung einzutippen und dann nach Ursachen und Lösungen zu suchen.

Wenn das Bild ruckelt

Ruckelt das Bild, kann das zwei Ursachen haben: Möglicherweise ist der Prozessor zu schwach, um die Bilder aufzubauen oder die Festplatte macht nicht mit.

In diesem Fall können Sie es probieren, den Buffer hochzusetzen. Dazu beim Öffnen der Datei rechts unten im Fenster die Option Caching aktivieren und den Wert heraufsetzen, beispielsweise auf 1000.

In weit mehr Fällen aber liegt das Problem am Ausgangsmaterial. Mit einer digitalen Satelliten-TV-Karte aufgenommene Mpeg-Dateien haben oft eine andere Bitrate, als im Datei-Header angegeben wurde. Oder der bei der Komprimierung verwendete Parameter GOP (Group of Pictures) ist zu hoch. In beiden Fällen kann es helfen, das Programm mit dem Programm „PVAStrumento“ zu öffnen und umrechnen zu lassen. Das Programm gibt es im Internet unter www.offeryn.de.

Verbrauchte Netzwerk-Bandbreite messen

Um festzustellen, wie viel Bandbreite das Ausstrahlen einer Sendung über den VLC Media Player wirklich braucht, bemüht man am besten die Netzwerküberwachung. Dazu die Tastenkombination Strg – Alt – Esc drücken und anschließend auf Netzwerk klicken. Danach die Übertragung starten und den Verlauf der Netzwerkauslastung beobachten. Falls Filme vor dem Ausstrahlen umcodiert werden, lohnt übrigens auch ein Blick auf Systemleistung. Da erkennen Sie schnell, ob der PC schon an seine Leistungsgrenze kommt.

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4 Gedanken zu „Film im Netzwerk ansehen mit dem VLC Media Player“

  1. Vielen Dank für die Anleitung. Ich versuche den VLC-Player dazu zu bringen das er einfach ein Video auf einem als zweites Display angeschlossenen Monitor mit HDMI-Anschluss anzeigt. Ist nicht möglich das so einzurichten das ich das Video nicht rüberschieben und auf Vollbild klicken muss. Das kann es doch nicht sein. Selbst bei einer einfachen Powerpoint Presentation klappt es das auf dem zweiten Monitor keine Mausaktionen sichtbar sind. Wie erreiche ich das beim VLC-Player.
    Hat Jemand eine Idee.

    Viele Grüße.
    Uwe

  2. @frankieboy:
    Hab’s gerade mit der Version 0.99 getestet, allerdings ist mein Streamserver auf Linux-Basis, was lediglich die Optik und Bezeichnungen auf dem Sender etwas verändert.
    Ich musste das „Timeshifting“ erlauben, damit der Stream nicht bei jedem Client von vorne beginnt und somit asynchron abgespielt wird.

    Wenn du es synchron auf Server und Client haben möchtest, so steht es auch in der Beschreibung, musst du einen weiteren VLC auf dem Server starten und dich exakt wie beim Client über das Netzwerk (im 0.99er VLC heißt das unter „Medien“ dann „Netzwerk öffnen…“) an der Multicast-IP (also im Beispiel und bei mir die 239.155.1.1) anmelden und das Timeshifting ankreuzen nicht vergessen, sonst fängt er von vorne an und läuft wieder nicht synchron. 😉

  3. tolle anleitung , aber so wirklich klappt das leider nicht bei mir. das von einem rechner zum anderen senden geht . aber es soll auf beiden rechnern gleichzeitig synchron laufen . und das geht nicht . da über die multitask adresse nur der sendene computer das bild /ton empfangen kann und der andere nicht . liegt das vielleicht am router? siemens sl2-141-l unter vista .

  4. Ich möchte mich ebenfalls für diese tolle Anleitung zu VLC bedanken.

    Das Programm ist für mich das Non-Plus-Ultra, wenn es um die Übertragung von Filmen über das Netzwerk geht. Was ich bisher nicht wusste: Dass man auch Streams mit VLC über ein Web-Interface auf dem Client-PC steuern kann. Jetzt ist auch der letzte Wehrmutstropfen aufgelöst. „Gewusst wie“, heißt die Devise!

    Gruß,
    Christoph

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