Geschichten aus Fürth: Mundart-Schluckauf
Der Umsturz kam im Dezember 2004. Die VGN und die Infra haben die Busnummern geändert. Und dabei sind sie mit wenig Feingefühl vorgegangen.
Der 74er fährt nach Vach! Plötzlich verwandelt sich der klassische 73er-Ort zum 74er-Ort. Aus Vach wird ein gefühltes Oberfürberg.
Buslinien sind von herausragender soziodemografischer Bedeutung: Sage mir Deinen Bus und ich sage Dir wer Du bist. Der 76er kommt von der Hard, der 74er aus dem Wald hinter Oberfürberg und der 83er aus dem fernen Großgründlach. Da ist doch alles klar. Und nun müssen wir uns umgewöhnen: Der 76er kommt erst aus dem Wald und dann von der Hard. Wie soll das funktionieren?
Aber am schlimmsten trifft es die Linie 74 – es ist, als würden sich Nordpol und Südpol plötzlich verkehren. Ob das gut geht? Wie viele Oberfürberger werden sich versehentlich in Vach wieder finden? Doch keine Angst. Auch hier sind die Einwohner nett – und vielleicht richtet die Infra für eine Zeit lang einen Pendelverkehr Vach – Oberfürberg ein.
Die Sensibiliät der Verkehrsplaner im Umgang mit Fürth war nie sehr groß. Warum mussten die damals vor jede Buslinie eine 1 klemmen. Eine jämmerlich schmale eins, die den Liniennamen unaussprechlich macht. Aus dem „vierasibbzger“ wurde ein „hundertvierasibbzger“. Das klingt doch wie Mundart-Schluckauf.
Aber da sind die Fahrgäste machtlos. Sie können nur zusehen, wie sich die U-Bahn weiter frisst – nach der Hard kommen die Haltepunkt Unterfürberg, Weiherhof und Ammerndorf. Dann wird der 74er über Großhabersdorf, Markt Erlbach, Veitsbronn und Kalkutta nach Vach fahren – und der 76er fährt zum Mond. Bloß nach Erlangen kommt man weiterhin nur mit dem Zug.




