Handylogos: Fallen und Fakten rund um Logos und Klingeltöne
Ist das langweilig! Ein Handy sieht aus wie das andere. Das muss nicht sein. Mit einem eigenen Handy-Logo verwandeln Sie ihre dröge Sprachbox in eine individuelle Kommunikations-Zentrale. Alles, was Sie dafür brauchen und wie es geht, verrät Chip-Inside.
(erschienen 2004 in Chip Inside)
Das haben wir nun vom High-Tech-Boom und der Kommunikationsgesellschaft. In jeder Tasche schlummert ein Handy. Jeder hat das Gleiche, ein Nokia paarundsechzigzehn oder ein Siemens M-nochirgendwas.
Das ist schade. Einst war das Handy, damals der Motorola-Knochen, ein Statussymbol. Das knallte der Geschäftsfreund zackig auf den Besprechungstisch und machte allen klar: Ich warte auf einen Anruf – er wartete nicht allzu lang. Denn nach ein paar Stunden war der Akku alle.
Dann kam das andere Statussymbol. Das Gegenteil: Ein flaches Nokia 2110, das sich dezent in der Tasche versteckte, das man erst beim Klingeln herauszog, geschickt die Antenne befreite und es so zum Sprechen brachte: "Ja, hallo. Ja, Du, ich bin gerade
[ ] im Cafe
[ ] im Zug zwischen Hamburg und Hannover
[ ] auf der Autobahn."
Zutreffendes bitte ankreuzen.
Mittlerweile sind Handys noch kleiner, aufklappbar und ein Massenphänomen. Und das macht es schwierig. Denn wie soll man sich von all den anderen Telekommunikationsjüngerinnen und –Jüngern abheben, wenn doch immer dieselbe Quatschbox in Hosen- oder Handtasche steckt?
Die Rettung des Individuums
Welch ein Glück. Es gibt Handy-Logos und Handy-Klingeltöne. Sie machen jedes Handy einzigartig – oder begrenzen zumindest die Anzahl der identischen Telefone auf ein erträgliches Maß. Ja, sie erlauben sogar eine Grüppchenbildung – es gibt die Herzchen-Niedlich-Fraktion mit der gemeinsamen Vorliebe für Schnuffelbärchen, die DOS-Prompt-Tekkie-Gilde und natürlich alle nimmermüd-frivolen Zeitgenossen, die sich ein paar rammelnde Hasen auf das Display zaubern.
Wer durch das Web pilgert, findet sie schnell: Sie heißen handy.de, Logoo oder Jamba und platzieren – zur Freude vieler Website-Betreiber – fleißig Werbung im Web. Die Eingabe von "handylogo" fördert bei Google eine Unzahl von weiteren Angeboten hervor. Anscheinend lässt sich mit den Logos eine Menge Geld verdienen. Doch nicht alle Seiten wirken seriös. Die einen kommen nur auf englisch daher, bei den anderen findet man die Allgemeinen Geschäftsbedingungen nur schwer und wiederum andere enden in einem fiesen Dialer – wer dann OK eingibt, holt sich ein Einwählprogramm auf den Computer, das teure Nummern im Netz anruft – nicht nur für den Logo-Download.
Welches Logo?
Welche Art Logo Ihr Handy zieren wird, hängt vom Typ des Geräts ab. Generell gilt: Je älter das Handy, desto schwarzweißer das Logo. Zum Glück lässt sich das leicht herausfinden. Bei Jamba geben Sie gleich am Anfang Ihren Handy-Typen ein und erhalten eine für Ihr Handy gefilterte Auswahl.
Alte Handys aus den Zeiten der Marktsättigung kommen nur mit kleinen, schwarzweißen Bildstreifen zurecht. Auf den paar Pixelchen ist nicht viel zu sehen. Es reicht gerade mal für den Umriss des Haifischs Bruce aus "Findet Nemo" oder für ein paar Buchstaben Text.
Die Anhänger der neuen polyphonen, multimedialen Knips-Spiel-Handy-Generation haben mehr Auswahl. Da warten wabernd animierte Seenlandschaften auf den Download oder lustig wackelnde Figuren. Und natürlich gibt es allerlei aktuellen Schnickschnack rund um Stars und Sternchen. Fast könnte man meinen, die Handyhersteller hätten Farbe und Animation nur für die Logo-Branche gemacht. Für wen eigentlich sonst?
Das Schöne an den Logo-Seiten: Sie dürfen sich in aller Ruhe alle angebotenen Logos ansehen. Sobald Sie sich für ein Logo entschieden haben, dauert es nur noch ein paar Sekunden, bis es auf Ihrem Display prangt.
So kommen Sie an Logos
Zum Logo führen viele Wege. Je nach Anbieter sind die unterschiedlich – allen gemeinsam sind die Gebühren.
Weg 1: Die 0190er-Nummer. Trotz Schmuddel-Image sind die Nummern durchaus nützlich, wenn es um das Logo geht. Sie rufen die auf der Seite des Logoanbieters stehende 0190er-Nummer an, geben – je nach Anbieter – einen Code ein und erhalten einen Freischalt-Code zurück. Die ganze Prozedur wird über die Ihren Festnetzanschluss abgerechnet.
Weg 2: Die SMS. Nach der Auswahl des Wunschlogos erhalten Sie einen Code, den Sie per SMS an eine gebührenpflichtige Nummer schicken. Der Code steht dabei für das ausgewählte Logo. Abgerechnet diese SMS über ihr Handy-Konto.
Weg 3: Anmelden beim Anbieter. Sie geben Ihre Handynummer ein und erhalten vom Anbieter ein Kennwort zugesandt. Mit diesem Kennwort können Sie einkaufen gehen. Das Ergebnis sehen Sie dann auf Ihrer Handy-Rechnung.
Wichtig ist: Vor dem Übertragen des Logos sollten Sie genau die Informationen lesen und peinlich genau darauf achten, die richtigen Codes einzugeben und auch Ihre Rufnummer korrekt zu tippen. Sonst kommt das falsche Logo auf Ihr Handy oder es landet beim einem anderen Mobilfunk-Teilnehmer.
Die Werbe-Flut kommt sicher
Die Freue am neuen Logo hat noch eine Schattenseite. Sie haben mit dem Download des Logos nämlich Ihre Handy-Nummer beim Anbieter hinterlassen. Und das bedeutet: Mehr Werbung auf Ihr Handy. Werfen Sie einmal einen Blick auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Anbieters. Denn hier verbergen sich oft Passagen, die sich zum Beispiel so lesen: "Jamba!, Kooperationspartner von Jamba! oder Werbepartner von Jamba! senden dem Nutzer regelmäßig E-Mails, SMS, MMS, WAP-Push-Mitteilungen, OTA-Konfigurationen oder Briefe über Produkte und Dienste, die nach Meinung von Jamba! für ihn interessant sind". (Quelle: AGB von www.jamba.de, Stand April 2006) Vielen Dank, Jamba!
So verdienen die Betreiber zweimal: Einmal über den Verkauf des Logos und zusätzlich über den Verkauf von Werbung. Denn eine Handynummer ist wertvoll, wenn klar ist: Der Besitzer dieses Handys hat schon einmal ein Logo gekauft und ist anfällig für weitere derartige Angebote. Wer seine Ruhe haben möchte, lässt lieber die Finger von Logo-Anbietern.
Und wenn ein Anbieter in seinen AGB nicht einmal über Datenschutz informiert oder die AGB nur auf Englisch vorhanden sind, sollten Sie es wirklich, ganz und gar sein lassen.
Vorsicht: Abo
Achten Sie beim Durchlesen der Bestellbedingungen und der AGB auch darauf, nicht versehentlich ein Abonnement abzuschließen. Denn damit machen die Anbieter richtig Geld: Der Kunde kauft damit nicht nur einmalig ein Logo oder eine andere Dienstleistung, sondern bestellt ein Abonnement, das regelmäßige Zahlungen nach sich zieht. Das liest sich bei einem Jamba-Klingelton-Angebot so:
"Ja, ich will bis zu 80% sparen und erhalte 7 Klingeltöne für insgesamt nur € 2,99 / Monat im Jamba! Klingelton-Sparabo zum Abruf, also ein Klingelton für € 0,43 bei Abruf von 7 Tönen." Suggeriert da nicht ein "insgesamt" einen einmaligen Betrag? Also: zweimal lesen.
Und wenn Ihre Kinder neue Logos möchten, achten Sie darauf, dass Ihre Sprösslinge nicht auf solche teuren Lockangebote hereinfallen. Wer braucht schon sieben Klingeltöne im Monat?
Logos selber machen?
Wer Freude am Gestalten hat, bastelt seine Logos einfach selbst. Dafür gibt es eine ganze Reihe Programme, zum Beispiel das Handy Pack 5 von Data Becker. Das Programm bringt gleich eine Ladung Logos und Klingeltöne mit. Und wem das nicht reicht, der darf selbst seine Logos malen und – sofern er es kann – melodiöse Klingellaute komponieren. Vielleicht ist das der Schritt zur eigenen Logo-Site?
Neben solchen kreativen Eigenschaften hat das Handy-Pack auch noch Nützliches zu bieten. Das Programm liest auf Ihrem Foto-Handy gespeicherte Bilder, archiviert Telefonbücher, Kalender und SMS. Und auf Wunsch übernimmt sie Termine und Adressen aus Outlook – soweit das Handy diese Daten versteht.
Damit Ihr Handy an diese Daten kommt, benötigen Sie eine eine Verbindung von PC zu Handy. Das geht per Bluetooth, Datenkabel oder Infrarot und hängt von der Ausstattung Ihres PC und des Handys ab. Das Handy Paket von Data Becker kostet 20 Euro oder – als Download bei Data Becker rund 16 Euro.
Klingeltöne für das Handy
Das Handy-Logo ist ja eher etwas für die ruhigen, introvertierten Zeitgenossen. Es gilt: "Mein Logo gehört mir" – und gezeigt wird es allenfalls den den besten Freunden und der Clique. Doch was, wenn es den Menschen zur Selbstdarstellung drängt? Dann hilft nur ein Klingelton.
Sie kennen diesen extrovertierten Ton sicher aus der U-Bahn, der Kneipe oder dem Hörsaal. Statt des einst Genre-prägenden Fiepsen scheppert ein orchestrales Getöse aus der Tasche des Nachbarn. Und was macht der? Statt sich zu schämen, hebt er einfach ab.
Der Nachbar hat sich seinen Ton wahrscheinlich auch aus dem Internet geholt. Denn wo es die Logos gibt, gibt es auch Klingeltöne. Polyphone Taschenorchester klingen nach richtig viel: Mehrspurige Aufnahmen, Rhythmus, Bass – das groovt richtig. Für Besitzer von Retro-Handys bleiben von den Sound-Gebilden nur abgespeckte Varianten. Da muss man schon raten, um welchen Hit es sich beim Quieken des Handys handelt.
Für eine erfolgreiche Suche nach Klingeltönen brauchen Sie einen PC mit Soundkarte und Lautsprechern. Dann können Sie Probehören. Denn die Sound-Anbieter stellen ihre Klingeltöne meist auch als MP3-Dateien bereit. Bedenken Sie aber, dass auch ihr polyphones Handy nicht ganz die Leistung und Klangqualität bringt wie der PC mit Hochtönern und Subwoofer.
Gekauft werden die Töne genauso wie die Logos: Als Abo, per SMS oder 0190er-Nummer. Nach dem Zahlen werden sie auf das Handy gesendet. Auch hier gilt: Lesen Sie die AGB auf den Internet-Seiten der Klingeltonanbieter gut durch. Denn oft folgt auf den guten Ton lästige Werbung.
Logos gratis?
Auch das gibt es: Internet-Anbieter nutzen das Logo für Marketing und Kundenbindung. Bei www.teltarif.de gibt es für eine Anmeldung ein Handy-Logo gratis. Allerdings handelt es sich dabei nur um den Schriftzug – Schnuffelbärchen oder Comic-Figuren gibt es leider nicht. Noch weniger schnuffelig geht es bei Eidos zu. Der Spielehersteller bietet zu seinem Action-Spiel Hitman ein Handy-Logo an: http://www.eidosweb.de/sms/hitman/.




