Hintergrundbild gestalten

Eigentlich sollte computerfoto-Kolumnist Martin Goldmann einen produktiven Arbeitsnachmittag hinter sich bringen und fleißig schreiben. Doch daraus wurde nichts. Schuld ist nur ein Hintergrundbild.

Kolumne erschienen in Computerfoto 8/2004.

Es ist ja nicht so, als würde unsereiner stets mit der Digitalkamera durch die Gegend laufen, immer auf der Hatz nach dem nächsten Motiv, dem goldenen Schnitt und dem letzten Megabyte Speicher auf der CF-Karte.

Schade eigentlich. Aber Ihnen wird es gehen wie mir: Irgendwie müssen wir alle die Groschen für die nächste Kamera zusammensparen. Und das geht bei mir nur, indem ich etwas arbeite.

Schwierig wird es, wenn die Arbeit auch immer wieder mit der Kamera zu tun hat. Denn dann liegt dieses kleine schwarze Kästchen auch immer am oder in der Nähe des Arbeitsplatzes.

Bei mir setzt typisches Suchtverhalten ein, wenn ich die Kamera in die Finger bekomme. Nur ein kleines Bildchen – nur mal knipsen und gucken, wie es wird. Ich kann jederzeit aufhören und die Kamera ausschalten. Schon ist die Kamera eingeschaltet, stellt sich scharf und ich darf den Auslöser drücken. Hach. Das ist ein Gefühl. Vielleicht noch ein Bild? Ich könnte mal meinen halb vertrockneten Bürobambus auf dem Fensterbrett gegen das Licht fotografieren. Oder diese andere Pflanze, deren Namen ich nicht weiß. Franziska hat sie von Ikea mitgebracht.

Knips.

Ich glaube, ich nenne die Pflanze „Trocken“…

Aber eigentlich habe ich gar keine Zeit, Pflanzen zu fotografieren. Ich muss weiter arbeiten und setze mich wieder an meinen Computer. Noch ehe das Word-Icon auch nur in mein Blickfeld gerät, ist Photoshop geöffnet.

Warum habe ich das jetzt gemacht? Will mir mein Unterbewusstsein etwas sagen?

„Schau Dir das Bild doch mal an,“ flüstert es. „Der Text hat noch Zeit.“

Ich gebe nach. Schließlich bin ich sicher viel motivierter, wenn ich heute noch etwas künstlerisches getan habe.

Und so schiebe ich die Compact-Flash-Karte aus der Kamera in das Lesegerät, kopiere das Bild auf die Festplatte und mache es auf. Gar nicht schlecht für einen Schnappschuss, denke ich, während ich routinegemäß die kleinen Schieber im Histogramm verschiebe.

Es wird wirklich Zeit, etwas zu tun und endlich diesen Text fertig zu schreiben.

Vielleicht noch ein wenig an der Schärfe drehen. Ja, besser.

Ob mir die Redaktion bis morgen Abend Zeit gibt?

Eigentlich sieht das ganz nett aus. Ich muss nur noch ein wenig den Kontrast senken, das Grün vielleicht ein wenig grüner machen und… Ach, am besten mache ich das Bild noch einmal. Morgen.

Denn langsam wird es Zeit, meine Arbeit zu erledigen. Brav öffne ich Word und fange an zu tippen. Zwei Zeilen sind schon geschafft, da sehe ich, wie ein Teil des Bildes neben dem Word-Fenster hervorlugt.

Eigentlich ein prima Hintergrundbild, stellt mein Unterbewusstsein fest und meldet diese Erkenntnis sofort meiner Hand, die Zehntelsekunden später auf der Maus liegt und Photoshop in den Vordergrund holt.

Ich muss das Bild eigentlich nur noch auf die richtige Größe zurechtbosseln – 1280 mal 1024 wären ideal. Den unteren Teil lasse ich einfach weg, der ist eh zu dunkel. Gedacht, getan — leider hat es wieder eine halbe Stunde gedauert, bis ich die Funktion „Arbeitsfläche“ und ihre lustigen Pfeile verstanden habe. Eine halbe Stunde, bis das Bild wirklich zugeschnitten war. Und ein paar Sekunden später habe ich alles rückgängig gemacht. Denn der Hintergrund ist links oben zu hell. Ich experimentiere noch ein Stündchen herum und einige mich dann mit meinem Unterbewusstsein, darauf, das Bild einfach zu stauchen. Fertig.

Jetzt sieht mein Hintergrund prima aus. Und der Nachmittag ist auch vorbei. Zeit für den Feierabend. Ich muss mich entspannen, denn morgen früh heißt es: um sechs Uhr aufstehen und den Text fertig machen, damit ich ihn morgen Vormittag abliefern kann.

Immer diese Hektik.

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