„Ich komme aus der IT und wüsste gerne, wohin sie ist“

Die „IAA-Nutzfahrzeuge“ ist so ziemlich die letzte Messe, von der ich gedacht hätte, sie würde mich interessieren. Doch der Besuch dort hatte außer einem Haufen Redaktionsarbeit eines zu bieten: Jede Menge IT, Computer und eine Erkenntnis.

Ich bin auf den Spuren der Digitalisierung über die Messe gestreift. Mein Eröffnungsspruch an den Ständen war „Ich komme aus der IT und möchte wissen, wohin sie gegangen ist“. Klingt doof, gell? „Wo ist die IT hin?“ Aber dahinter steckt ein grundsätzliches Problem meiner Branche, der Branche der IT-Journalisten.

Computer um ihrer Selbst willen

Als wir alle vor 25 bis 30 Jahren anfingen, drehte sich der IT-Journalismus um Computer und um Programme. Die Rechner waren faszinierend um ihrer Selbst willen. Sie waren etwas Besonderes und die Leserschaft war begeistert von jedem Text, den wir schrieben. Wir waren selbst begeisterte Leser – Nerds, die sich für die Bits und Bytes interessierten, für Schaltkreise und Schnittstellen.

Interessiert heute kaum noch jemanden. Ein Computer ist ein Alltagsgegenstand -und das Computerding auf dem Schreibtisch reißt schon lange niemanden mehr vom Hocker. Wen schert es, welcher Prozessor darin genau steckt? Hauptsache der Computer erledigt seine Arbeit.

Ich erinnere mich daran, wie wir früher Tipps und Tricks oder Praxisartikel geschrieben haben: Oft genug war das Thema ohne konkreten Nutzen und löste kein konkretes Problem. Es ging um eine Idee, die wir deswegen beschrieben, weil sie funktionierte. Es ging um das Thema seiner Selbst willen. „Ich schreibe das, weil das funktioniert und witzig ist.“

Das war nicht schlecht – schließlich konnten wir so Ideen vermitteln, was man mit dem Computer so alles anstellen konnte. Für unsere Klientel damals war das auch ok. Sie kauften die Hefte.

Und heute? Heute reißt so eine Technickverliebtheit kaum jemanden vom Hocker.

Der IT hinterher

Was also tun als IT-Autor? Auf die IAA-Nutzfahrzeuge gehen. Denn hier ist die ganze IT hin verschwunden. Auch hierhin. Auf der Messe gibt es Anwendungen und Ideen, was man mit IT anstellen kann. Zum Beispiel ein WLAN auf einen Anhänger pflanzen, das dem Fahrer Informationen über Ladung und Zustand des Hängers liefert. Oder Daten aus dem Fahrzeug mit Serverdaten des Herstellers abgleichen und Service-Empfehlungen abgeben. Und, und, und.

WLAN eingebaut. Dieser Sattelkipper von Schmitz-Cargobull kommuniziert mit dem Smartphone des Fahrers.
WLAN eingebaut. Dieser Sattelkipper von Schmitz-Cargobull kommuniziert mit dem Smartphone des Fahrers.

Da waren bestimmt auch Ideen dabei, die um ihrer selbst willen ausprobiert werden, nach dem Motto „wir machen das, weil das geht“. Warum auch nicht. Denn wer sich mal in der IT selbst umsieht, findet eine Branche vor, die um Anwendungsbeispiele ringt. Auf der IAA haben wir gefunden, was wir auf der CeBit oft vermissen. Hier ist die IT also hin gegangen.

„Ich komme aus der IT und möchte wissen, wohin sie gegangen ist“ – vielleicht doch kein so dummer Spruch.

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