Linux auf dem iMac G3 mit Mac OS9

Es hat schon etwas Außergewöhnliches: Ein Macintosh, ein iMac mit Power-PC-Prozessor gar, auf dem das Server-Betriebssystem Linux läuft. Internet Professionell hat Linux mit dem hübschen Apple-Rechner gekreuzt – mit gutem Ergebnis.

Für Apple-Puristen mag es ein Sakrileg sein, Linux auf dem iMac zu installieren. Für die Nutzer der bunten Computer jedoch besteht dank Linux für Power PC eine Möglichkeit, das ansprechende Äußere eines iMac mit der Leistungsfähigkeit dieses Server-Betriebssystems zu kombinieren.

Linux auf einem Mac G3 mit Power PC

Die Installation

Die ärgste Hürde bei der Kombination eines Apple iMac mit Linux ist die Installation. Als Testobjekte dienen ein iMac mit 333 MHz und Linux 6.4 für Power PC. Ideal ist, wenn man beim Kauf des iMac noch eine Alternative zur zwar hübschen aber unter Linux unbrauchbaren Ein-Tasten-Maus erworben hat. Wenn nicht, sollten Sie für den Dauereinsatz unter Linux den Kauf eines neuen Modells erwägen. In diesem Test bewährte sich ein Modell mit drei Tasten, das besonders unter dem grafischen KDE eine gute Figur macht.

Vor dem Start der Installation sollten Sie in jedem Fall ausführlich Handbuch und die Readme-Datei auf der Linux-CD studieren. Alle Versuche, anders zu einem Ergebnis zu kommen, scheiterten kläglich.

Der Grund: Ein Macintosh gibt sich gegenüber einem anderen Betriebssystem nicht so leicht geschlagen wie ein Intel-PC. Wer auf dem Mac Linux einrichten will, muss zuerst die Platte neu aufteilen. Dazu starten Sie den Mac mit seiner Betriebssystem-CD. Legen Sie die CD ein und halten Sie beim Start die Taste C gedrückt. Das Booten von der Silberscheibe ist nötig, da MacOS kein Umpartitionieren von Festplatten vorsieht, die gerade in Gebrauch sind.

Nach dem Booten geht es in den Dienstprogramme-Ordner der Mac-CD. Hier finden Sie das Programm Laufwerke konfigurieren. Glücklich schätzen darf sich, wer ein Mac OS 9 sein eigen nennt. Der kann beim partitionieren gleich mit angeben, dass es sich um A/UX-Bereiche handelt. Das erspart späteres umkonfigurieren.

Vier Partitionen also gilt es anzulegen, wenn man weiter auch mit dem Apple-Betriebssystem arbeiten will. Aufgeteilt wird in zwei Volumes mit dem Apple-System HFS. Eines von beiden ist nur etwa 30 Mbyte groß. Sie benötigen es später zum Start des Systems. Das andere Volume darf so umfangreich sein, wie Sie es wünschen.

Zwei weitere Areale gehören Linux, eines für das Dateisystem und eines für die Swap-Partition. Diese Bereiche richten Sie mit A/UX ein oder auf erklären sie auf älteren Apple-Betriebssystemen mit unbelegt. Dabei zeigt sich das Apple-Konfigurations-Werkzeug nicht eben bedienerfreundlich. Aber nach Apple-Denkansatz hat ein Benutzer auch nichts auf dieser Systemebene verloren.

Doppeltes Setup

Sind die Partitionierungs-Hürden genommen, brauchen Sie noch einmal ein wenig Geduld. Denn Sie müssen MacOS nochmals installieren, um später die Installation zu komplettieren.

Nach Installation und Start von MacOS kann es endlich an die Installation gehen. Entweder booten Sie direkt von CD, indem Sie wieder C gedrückt halten oder Sie starten die Installation von MacOS aus, indem Sie auf der ersten SUSE-CD in den Systemordner wechseln und dort Bootx aufrufen — auf dem Testgerät war dies der beste Weg.

Danach finden sich Linux-Kenner wieder in bekannten Gefilden. Yast präsentiert sich installationsfreudig wie immer: Die Festplatten lassen sich wie gewohnt einrichten, Programmpakete bequem auswählen.

Wichtig: Notieren Sie bei der Festplattenaufteilung in Yast auf jeden Fall, auf welcher Partition Sie Linux unterbringen. Beim ersten Start werden Sie diese Angabe brauchen. Wenn Sie den Mac als Server verwenden wollen, installieren Sie den Apache-Server und Samba mit.

Dann kann das Setup losgehen. Auf Seiten der Treiber gibt es keine Probleme. Die USB-Tastatur und die Dreitastenmaus erkannte Suse ohne Probleme, die Netzwerkanbindung über die interne Karte ging ebenfalls problemlos vonstatten.

Nachdem Yast seine Arbeit verrichtet hat und Linux eingerichtet ist, starten Sie wieder MacOS. Jetzt kommt die kleine Boot-Partition zum Einsatz, die Sie vorher beim Einrichten der Festplatte angelegt haben. In diese Partition kopieren Sie den Systemordner von der Linux-Installations-CD. Zweck der Übung: Das Mac-BIOS erwartet eine Partition im Mac-Filesystem, in dem sich ein Systemordner befindet.

Linux schleicht sich über diesen Umweg ein: Aus dem Systemordner startet Bootx und erlaubt, das Betriebssystem auszuwählen. Dabei allerdings geht der Start nicht ganz so schnell, da erst Teile des Mac-Betriebssystems geladen werden. Suse empfiehlt allerdings, auf neueren Power PCs diesen Bootlader nicht mehr zu verwenden. Für den schnellen Start war er allerdings die bessere Alternative. Wenn Sie stattdessen den von Suse empfohlenen Weg gehen wollen, sehen Sie im Kasten „Besser mit Yaboot“ nach.

Vergessen Sie nicht, die kleine Boot-Partition als Startvolume zu deklarieren, damit beim Starten die Auswahl gleich zur Verfügung steht.

Die Ausstattung von Linux für den Mac

Im Vergleich zu Linux für Intel-kompatible Rechner gibt es weniger Anwendungen. Ein Star Office sucht man vergeblich. Immerhin gibt es von Applixware ein kostenpflichtiges Office für den Mac.

Abhilfe ist in Sicht: Im Herbst will Sun den Quellcode von Star Office freigeben. Eventuell könne man den auch für Power PC kompilieren, hofft ein Suse-Mitarbeiter.

Bis auf ein ordentliche Office-Paket ist Suse 6.4 gut ausgestattet. Neben dem Apache-Server und NFS ist das bei Windows-Nutzern beliebte Samba ebenfalls an Bord. Samba simuliert einen Windows NT-Fileserver. Mit zum Paket gehören auch das Grafikprogramm Gimp

Alle wichtigen Programmiersprachen wie C, C++, Java, Pascal, Perl oder — wer es braucht — Fortran sind auf den CDs. Und für den Einsatz als Datenbankserver steht das schnelle und schlanke MySQL bereit, das gemeinsam mit PHP bereits auf zahllosen Webservern und in Intranets seinen Dienst versieht. Und wer seinen Macintosh trotz Linux weiter nutzen will, setzt auf den MOL, auf den Mac on Linux Emulator.

Der erste Versuch

Zeit für den ersten Start. Das Boot-Fenster erscheint. Jetzt lohnt es sich, wenn Sie wissen, auf welcher Partition Sie Linux installiert haben. Denn genau die müssen Sie beim ersten Verwenden der Startauswahl eingeben. Auf dem iMac hat sich das Häkchen bei „No Video Driver“ bewährt. Damit verzichtet Linux auf eigene Bildschirmtreiber und stützt sich auf die Angaben des Macintosh. Damit erscheint zwar die Bildschirmausgabe langsamer, aber dafür stimmen Höhe und Breite. Wer auf das Häkchen verzichtet, läuft Gefahr, dass Buchstaben links aus dem Bildschirm verschwinden.

Doch bevor es so weit kommt, muss erst noch eine andere Klippe umschifft werden: Wenn Sie mit Yast den Start der grafischen Benutzeroberfläche von Linux vereinbart haben, kann es passieren, dass Sie bei der Eingabe von Usernamen und Kennwort nur Buchstabensalat bekommen. Ursache ist ein falscher Tastaturtreiber für Xfree.

Suse schlägt diese Lösung vor: beim Booten mit Xboot geben Sie als Startparameter eine 2 mit ein. Linux fährt dann im Runlevel 2 hoch und verzichtet auf den Start von X. Loggen Sie als root ein und öffnen Sie in Yast das Menü Administration des Systems – Konfigurationsmodus ändern, suchen dort den Eintrag KEYTABLE und ändern den Wert von mac-de-latin1.map.gz auf mac-de-latin1-nodeadkeys.map.gz. Auf dem iMac stellte sich heraus, dass noch ein weiterer Eingriff notwendig ist: Im Verzeichnis /etc editieren Sie die Datei XF86Config und ändern dort in der Section „Keyboard“ den Eintrag XkbModel von powerpcps2 auf macintosh.

Danach geht es noch einmal nach Yast in das Menü Administration des Systems – Konfigurationsdatei verändern. Hier suchen Sie den Wert CREATE_FBCONF und ändern den voreingestellten Wert von yes auf no. Das verhindert, dass Linux bei jedem Neustart die XF86Config neu schreibt und Ihre Änderungen damit wieder rückgängig macht.

Wenn Sie erst einmal auf X verzichten wollen und eine Netzwerkverbindung haben, loggen Sie sich per Telnet ein, verschaffen sich per su die Root-Rechte, starten Yast und wählen unter Administration des Systems – Login-Konfiguration als Login-Oberfläche ASCII. Starten sie dann Linux neu.

Keine weitere Konfiguration

Nach einem Neustart des Systems können Sie prima mit der grafischen Oberfläche arbeiten. Auf dem iMac übrigens wehrte sich diese Oberfläche gegen alle weiteren Konfigurationsversuche. Das auf Intel-Plattformen beliebte Sax ist ohnehin obsolet. Die Frame Buffer Configuration, Mittel der Wahl für den Mac, war von anderen Auflösungen oder Bildwiederholfrequenzen nicht zu überzeugen. Leider hielt zu diesem Problem die sonst so hilfreiche Suse-Online-Datenbank keine Unterstützung bereit. Aber der Status Quo reicht ja auch: Ein KDE in 800 mal 600 Bildpunkten ist allemal genug für den kleinen iMac.

Fans der grafischen Benutzeroberfläche sollten sich möglichst bald Xfree 4.0 holen. Das Paket bietet viele neue Treiber, auch für die in den Macs eingebauten ATI-Karten an. Das neue Xfree wird in Suse 7.0 für den Power PC enthalten sein (siehe Kasten).

Linux Desktop auf Imac G3

Gutes Handbuch

Wer sich bis zu diesem Punkt mit der Konfiguration von Suse Linux für den PowerPC durchgearbeitet hat, stand schon in intensivem Kontakt mit der Suse-Homepage. Zum Glück halten die Nürnberger Distributoren ein aktuelles Support-System bereit. Das Handbuch ist ebenfalls gelungen. Hier handelt es sich nicht wie befürchtet um einen Abklatsch der Intel-Version sondern um ein eigenständiges Werk, das auf die Mac-Bedürfnisse angepasst ist.

Mac als Intranet-Server

Bis Sie den iMac als Intranet-Server einsetzen können, ist noch ein wenig Feinschliff notwendig. Zuerst überprüfen Sie, ob der Apache-Server korrekt läuft. Auf Kommandozeilenebene bemühen Sie für diesen Zweck lynx mit dem Kommando

lynx localhost

Hier sollte die Suse-Willkommensseite erscheinen. Wenn das funktioniert, steht der erste Test via Intranet an: Wählen Sie von einem Browser die IP-Adresse des neuen Servers an. Sofern Sie bei der Installation DHCP eingerichtet haben, kennen Sie möglicherweise die Adresse nicht. In diesem Fall tippen sie ifconfig ein und sehen sie bei eth0 nach. Unter inet addr lesen Sie die aktuelle IP-Adresse des Rechners.

Wenn Sie vorhaben, den Mac dauerhaft als Server einzusetzen, sollten Sie auf DHCP verzichten und dem Rechner eine feste Adresse im Intranet zuweisen. Das erledigen Sie in Yast unter dem Menüpunkt Administration des Systems – Netzwerk konfigurieren – Netzwerk Grundkonfiguration. Wählen Sie den Netzwerkadapter, in den meisten Fällen eth0 und geben Sie ihm die gewünschte IP.

Danach steht alles bereit für den Intranet-Webserver. Die Dateien für den Server finden Sie im Verzeichnis /usr/local/httpd/htdocs.

Von Haus aus ist Apache für Suse so eingestellt, dass die Seite index.html per Default geladen wird. Für das Aufsetzen des eigenen Servers können Sie entweder die bestehende index.html umbenennen und mit einer eigenen index.html ersetzen oder Sie packen den Intranet-Server in ein eigenes Unterverzeichnis.

Fazit

Suse Linux Power PC Edition ist ein prima Server-Betriebssystem. Die Software-Ausstattung mit Anwendungen ist nicht so üppig wie beim Linux-Kollegen für Intel-Rechner. Dennoch verhilft das System auch einem hübschen iMac zu der Power, die ein PC verdient,

 

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1 Gedanke zu “Linux auf dem iMac G3 mit Mac OS9

  1. Hallo aus Wien!
    Ich habe einen alten iMac G3 233hz aus dem Jahr 98 hier mit OS 9.2 drauf, aber ins www habe ich grobe Probleme, da die alten Browser
    heutzutage für nichts mehr zu gebrauchen sind. Das emailen geht aber trotzdem noch wunderbar mit dem G3 iMac und Outlook.
    Würde gerne das Linux installieren ausprobieren – gibt es dafür
    aktuellere Distros als Linux 6.4 für Power PC?
    Bitte ein paar aktuelle downloadlinks senden an friedl.aigner@gmail.com
    Danke
    vielleicht taugt der G3 iMac doch noch zum surfen 🙂
    LG
    Friedl

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