Bei der Standard-Installation von Opensuse 10.2 holt man jede Menge Software auf den PC, die man gar nicht braucht. Lesen Sie hier, wie Sie bei der Linux-Einrichtung Platz sparen und genau das Opensuse 10.2 bekommen, das Sie brauchen.
>>> Siehe auch: Drucken mit Suse Linux.
Wer Linux in der Standard-Version installiert, holt sich rund drei GByte Daten auf seine Festplatte - neben dem Grundsystem kommen noch die grafische Benutzeroberfläche KDE, Anwendungen wie Openoffice und sogar eine Handvoll Spiele auf den Rechner. Für den normalen Gebrauch von Linux ist das auch ok. In vielen Fällen aber lohnt es sich, die Linux-Installation selbst in die Hand zu nehmen und genau festzulegen, welche Programme und Pakete den Weg auf die Festplatte finden.
Ansatzpunkte
>>> Mehr: Opensuse 10.2: Partitionierung anpassen.
Zwei Ansätze gibt es, zur optimalen Konfiguration zu kommen. Falls Sie bereits Opensuse 10.2 installiert haben und nachträglich ein paar MByte Platz freiräumen möchten, deinstallieren Sie einfach die Pakete, die Sie nicht brauchen. Nachteil dieser Methode: Mit dem Räumen der Festplatte werden Sie eine Weile beschäftigt sein. Denn sie müssen jedes einzelne zu löschende Paket heraussuchen und es entfernen.
Weiterer Nachteil. Beim Löschen von Paketen müssen Sie auf Abhängigkeiten achten. Viele Programme nutzen gemeinsam bestimmte Software-Bibliotheken. Zwar zeigt Yast die Abhängigkeiten bei der Deinstallation in einer Warnmeldung an. Aber die Entscheidung, ob die Bibliothek auf dem Computer bleibt, liegt bei Ihnen. Falls Sie vorsichtshalber alle Libraries auf der Festplatte lassen, verschwenden Sie unter Umständen Platz, löschen Sie eine zu viel, kann es Probleme geben.
>>> Weiterlesen: Suse 10: C-Compiler installieren.
Der zweite Ansatz: Sie fangen von vorne an, installieren das Suse-Grundsystem und bauen dann nach und nach Ihr Linux auf. Das hat zwei Vorteile: Sie sparen Platz, da Sie nur die absolut notwendigen Pakete einrichten. Und Sie gewinnen an Sicherheit - besonders dann, wenn Opensuse 10.2 als Server dienen soll. Denn je weniger Programme installiert sind, desto weniger Angriffspunkte gibt es.
Nachträglich löschen
Um nachträglich Programme und Pakete zu löschen, verwenden Sie am besten Yast. Starten Sie das Konfigurationsprogramm im Suse-Startmenü unter Computer - Systemeinstellungen. Danach wählen Sie Software - Software installieren oder löschen.
Wählen Sie unter Filter den Eintrag Pakete. Damit sehen Sie die verfügbare und installierte Software in einer Baumansicht, sortiert nach Themengebieten. Die erste Hauptgruppe Dokumentation enthält Anleitungen und man-Pages. Falls Sie Platz sparen wollen, finden Sie hier bereits ein paar MByte, die Sie löschen können. Die Pakete opensuse-manual_en und opensuse-quickstart_en dürfen Sie gleich von der Platte putzen. Das spart schon einmal gut 23 MByte. Beide Pakete sind in der deutschsprachigen Version ohnehin noch einmal vorhanden. Natürlich dürfen Sie auch die verschwinden lassen - das spart weitere rund 29 MByte. Nicht viel - aber wenn es auf das MByte ankommt, sollten Sie hier anfangen. Falls Sie die Hilfedateien dann doch einmal vermissen, können Sie die wieder per Yast auf den Rechner holen. Übrigens gibt es auch im Netz unter de.opensuse.org/Dokumentation Hilfe zu Opensuse 10.2.
Um ein Paket zu löschen, markieren Sie das Paket, im Beispiel opensuse-manual_en und drücken auf die - ((Minus))-Taste. Vor dem Eintrag erscheint dann ein kleiner Mülleimer, das Symbol dafür, dass das Paket später gelöscht wird. Anschließend dürfen Sie weitere Pakete zum Löschen markieren, bevor Sie die Daten endgültig entfernen.
Die Paketgruppen Entwicklung und Hardware sollten Sie bei den Löscharbeiten verschonen. Zu groß ist die Gefahr, dass Sie hier wichtige Pakete entfernen, die Sie später noch einmal für den reibungslosen Betrieb des Systems brauchen.
Mehr Löschmaterial finden Sie in Produktivität. Hier stecken all die Anwendungsprogramme, die Opensuse installiert hat. Falls Sie zum Beispiel auf eine Bildbearbeitung verzichten können, öffnen Sie Grafik und löschen dort wie beschrieben die Pakete gimp und gimp-help. Platzersparnis: rund 60 MByte.
Platzsparende Alternativen zu Openoffice
Der dickste Anwendungsbrocken ist Openoffice. Das macht sich mit rund 300 MByte auf der Platte breit. Falls Sie die Office-Programme nicht brauchen - weg damit. Wollen Sie nicht ganz auf Textverarbeitung und Tabellenkalkulation verzichten, probieren Sie Koffice aus, das ebenfalls Bestandteil von Opensuse ist. Zusammengerechnet brauchen die Koffice-Pakete nur rund 91 MByte. Falls Sie auf das Grafikprogramm koffice-illustration verzichten, kommen Sie sogar mit rund 45 MByte hin.
Eine weitere, platzsparende Alternative zu Openoffice ist die Kombination aus Textmaker und der Tabellenkalkulation Planmaker. Beide Pakete brauchen installiert zusammen nur rund 57 MByte.
Beim Löschen von Openoffice sollten Sie darauf achten, dass Sie alle Pakete erwischen. Das geht am besten, indem Sie in den Paketgruppen Produktivität markieren und dann in der Paketübersicht rechts mit der Eingabe von op bis zu den Paketen springen, die mit diesen Buchstaben beginnen. Dort finden Sie alle Open-Office-Pakete. Markieren Sie die nacheinander mit dem Mülleimer-Symbol und drücken Sie jeweils die -((Minus))-Taste.
Endgültig löschen
Haben Sie alle Löschkandidaten beieinander, klicken Sie auf Übernehmen. Falls Sie Openoffice löschen, erscheint in der zu Redaktionsschluss aktuellen Opensuse-Version 10.2 allerdings die Warnung "Fehlende Abhängigkeiten von pattern:kde-10.2-145.i586". Wer weitermachen möchte, klickt hier auf Anforderung generell ignorieren und danach nochmals auf Ok - Neu prüfen. Danach macht sich Yast ans Löschen der Anwendung.
Die Fehlermeldung hängt mit dem neuen Pattern-System von Suse 10.2 zusammen, das vorgefertigte Installations-Schemata anbietet. Die sollen das Installieren von Programmen erleichten - beim Deinstallieren allerdings sorgen die erzeugten Meldungen für Verwirrung.
Neu installieren
Der vorherige Abschnitt zeigt: das nachträgliche Löschen von Programmen ist nicht ganz ohne. Der elegantere und sichere Weg ist, ein neues System von Grund auf zu installieren und dabei nur die Pakete zu verwenden, die Sie wirklich brauchen. Im folgenden lernen Sie zwei typische Installationen kennen - als Server und für den Büroeinsatz.
Allen Installationsvarianten gemeinsam ist der Start der Installation von DVD aus. Arbeiten Sie sich durch die Dialoge vor bis zu Desktop auswählen. Danach geht es weiter in einem der folgenden Abschnitte "Opensuse 10.2 als Dateiserver" oder "Opensuse 10.2 als Büro-Computer" weiter unten in diesem Artikel.
In Yast stellen Sie ein, welche Schemata (Paketsammlungen) installiert werden sollen.
Opensuse 10.2 als Dateiserver
Sie brauchen Ihr Linux-System als Server? Gut, denn in kleinen Unternehmen oder zu Hause können Sie mit Linux sehr schnell einen sicheren Server an den Start bringen - und das bei relativ geringen Hardware-Anforderungen. Ein PC ab 800 MHz, eine 80 GByte-Platte und 256 MByte RAM reichen für den Hausgebrauch.
Ein Server kann auf grafischen Schnickschnack verzichten - grafische Benutzeroberfläche kostet nur wertvollen Speicher. Um die Grafik abzuwählen klicken Sie in Desktop auswählen auf den Eintrag Andere und danach jeweils auf Wählen und Textmodus. Mit Ok und Weiter geht es zum nächsten Schritt. In den Installationseinstellungen schlägt Opensuse eine Root-Partition mit fünf GByte Größe vor. Hier dürfen Sie - wenn der Platz knapp ist - ein paar Gigabyte abziehen. Mit zwei GByte sollten Sie einen passablen Server auf die Reihe bekommen. Wie Sie die Partitionsgröße einstellen, lesen Sie in Opensuse 10.2: Partitionierung anpassen.
Suse hat bereits ein Minimalpaket vorgewählt. Klicken Sie auf Software, um die Auswahl zu verfeinern und Ihren Server aufzusetzen. Danach sehen Sie die von Opensuse vorgeschlagenen Schemata. Da Sie Platz sparen wollen, specken Sie an dieser Stelle noch ein wenig ab. Am besten klicken Sie auf Details, dann sehen Sie auch, welche Programmpakete sich hinter den von Opensuse vorgeschlagenen Gruppen verbergen.
Für den Server daheim brauchen Sie in der Regel weder "Apparmor" noch das "Enterprise Software Management" von Opensuse. Klicken Sie zunächst zwei Mal auf das Kästchen neben Novell AppArmor um das Schutzprogramm abzuwählen. Bei der aktuell vorliegenden Opensuse 10.2, Stand 4. Januar 2007, geschieht beim Abwählen von AppArmor allerdings seltsames: Plötzlich aktiviert das System automatisch unter Grafische Umgebungen die Einträge X Window System und Schriften. Das geschieht übrigens auch bei anderen Änderungen.
Die Gegenmaßnahme: Klicken Sie auf das Kästchen vor X Window System, so dass das Symbol Tabu - niemals installieren erscheint. Anschließend entfernen Sie noch das Häkchen vor Enterprise Software Management. openSUSE Software Management sollten Sie mit installieren - in der gewählten Konfiguration gelangt damit nur das Tool zypper auf den Computer, das sich um das Paket-Management kümmert.
Jetzt kommen die Serverkomponenten an die Reihe. Im Beispiel gehen wir davon aus, dass Ihr Linux-Computer als Dateiserver arbeiten soll. Der speichert Dateien zentral im Netzwerk und stellt Sie Ihrem sowie anderen Computern zur Verfügung. Das erleichtert das gemeinsame Arbeiten an Dateien und ist ein gutes Werkzeug, um Sicherungskopien anzulegen.
Zuständig für den Dateiserver unter Opensuse 10.2 ist das Paket Samba. Das installieren Sie, indem Sie unter Serverfunktionen auf den Eintrag Dateiserver klicken. In der Liste aktivieren Sie die Paketnamen samba, samba-client, samba-pdb und samba-winbind. Das ebenfalls notwendige Modul yast2-samba-server sollte bereits aktiviert sein.
Sind alle Pakete markiert, klicken Sie auf Übernehmen. Das Installationsprogramm zeigt Ihnen danach noch eine Reihe weiterer Pakete, die mit installiert werden müssen, damit Samba einwandfrei funktioniert. Akzeptieren Sie die Zusatzpakete und setzen Sie die Installation fort. Da kein grafisches System installiert wird, müssen Sie sich dabei mit der Textversion von Yast begnügen.
Kurze Zeit später haben Sie Ihren Server. Nach dem Start zeigt sich natürlich nur der Textbildschirm. Melden Sie sich hier mit Ihrem Root-Kennwort an und rufen Sie erneut Yast auf, um den Samba-Server unter Netzwerkdienste - Samba-Server zu konfigurieren.
Opensuse 10.2 als Büro-Computer
Für den Büroeinsatz bringt Suse-Linux einen dicken Packen an Programmen mit - allen voran Openoffice. Verzichten können Sie in dieser Konfiguration aber auf viele andere Pakete, vor allem auf Spiele und Multimedia.
In Desktop auswählen aktivieren Sie KDE und machen gleich Weiter. Danach schlägt Opensuse sein Standardpaket zur Installation vor.
Klicken Sie in den Installationseinstellungen auf Software und gleich danach auf Details. Novell AppArmor dürfen Sie abwählen. Auf das Enterprise Software Management können Sie ebenfalls verzichten.
Weiter geht's unter Grafische Umgebungen und KDE Desktop-Umgebung. Hier wählen Sie Programme wie amarok oder kaffeine ab. Durchforsten Sie die Liste und streichen Sie großzügig - sollte Opensuse beim Installieren doch noch eines der Programme benötigen, damit ein anderes funktioniert, wird sich das Installationssystem melden. In KDE Desktop-Umgebung haben Sie auch die Wahl zwischen Openoffice und Koffice. Falls Sie das schlankere Koffice bevorzugen, wählen Sie alle Openoffice-Pakete ab und aktivieren Sie Koffice.
Weiter geht's unter Desktopfunktionen. Hier verzichten Sie komplett auf Desktop-Effekte und Spiele. Falls Sie keine Bildbearbitung brauchen, dürfen Sie auch Grafik abwählen.
Danach ist ihr Office-System vorbereitet. Klicken Sie auf Übernehmen und fahren Sie mit der Installation fort. Weitere Pakete können Sie später bequem mit Yast nachinstallieren.
Tipp: Schnell nachinstallieren
Falls Sie Opensuse 10.2 in der Minimal-Ausstattung konfigurieren, kommt sicher bald der Wunsch auf, Programme nachzuinstallieren. Sofern Sie den Namen der Anwendung oder des Pakets kennen, können Sie eine schnelle Abkürzung nehmen: Öffnen Sie die Eingabekonsole und geben Sie als Benutzer Root yast, gefolgt von -i und dem Paketnamen ein. Um beispielsweise den Midnight Commander zu installieren, genügt ein
yast -i mc
Wenige Sekunden später ist der Kommander installiert.

