980 Beiträge rss | 54 Nutzer online

Mit Software schneller: Cache-Programme und Defragmentierung im Jahr 1990

Wenn der PC zu träge ist, muß nicht gleich eine neue Hauptplatine her. Mit den richtigen Programmen lassen sich bereits beträchtliche Geschwindigkeitsgewinne erzielen

(erschienen in PC-Welt 9/1990)

Für alle Festplattenbesitzer gehören die sogenannten Organizer zum Handwerkszeug. Diese Programme sorgen dafür, daß aus unzusammenhängenden (fragmentierten) Dateien wieder ein Stück wird. Fragmentierte Dateien entstehen, wenn der Computer Dateien nicht mehr in einem Stück auf die Platte schreiben kann. Immer wenn der Anwender eine Datei löscht, wird der Platz, an dem sie vorher war, freigegeben. Wird danach eine größere Datei auf die Platte geschrieben, so paßt diese nicht genau in den freien Platz. Sie muß zerlegt werden. Keine Angst - sie bleibt weiterhin lesbar. Doch das dauert länger. Der Kopf der Festplatte oder des Diskettenlaufwerks muß einen wesentlich weiteren Weg zurücklegen, um sämtliche Teile zusammenzusuchen. Da ist es besser, wenn das File in einem Stück auf dem Datenträger ist.

Eine Lösung des Problems ist das Backup. Wenn dieses wieder eingespielt wird, liegen alle Dateien schön sortiert in einer Reihe. Doch ein Backup kostet Zeit. Hier setzen die Optimierungsprogramme an: Sie reorganisieren die Diskette oder Festplatte und legen die Daten in der richtigen Reihenfolge und zusammenhängend an. Im allgemeinen dauert das bei einer 40-MB-Festplatte wenige Minuten. Hier gilt die Devise: Je öfter reorganisiert wird, desto kürzer die benötigte Zeit.

In den Utility-Regalen stehen zwei bekannte Produkte: Norton Utilities und PC-Tools. Beide Pakete besitzen Reorganisationsprogramme.

Compress von PC-Tools ist menügeführt und unterstützt die Maus. Aufgerufen wird es entweder von der PC-Shell oder direkt aus DOS. Bevor das Programm die Arbeit aufnimmt, überprüft es, ob überhaupt eine Reorganisation notwendig ist. PC-Compress reorganisiert nicht nur die Festplatte, sondern sortiert auf Wunsch auch noch die Datei- und Verzeichnisnamen nach verschiedenen Kriterien.

Für diese Aufgabe gibt es drei Methoden, die sich in Technik und Zeitaufwand unterscheiden. Die erste fügt nur die zerstückelten Dateien wieder zusammen. Die zweite Option ("Full Compression") fügt zusätzlich alle Dateien so zusammen, daß sie hintereinander stehen, also einen Block bilden. Zusätzlich kann Compress noch die freigewordenen Speicherblöcke (Cluster) physikalisch löschen.

Speed Disk aus den Norton Utilites unterscheidet sich im Funktionsumfang kaum von seinem PC-Tools-Kollegen. Lediglich in der Benutzerführung und den Kompressionstechniken weicht es etwas ab. Hier gibt es neben der vollen Kompression und dem Zusammenfassen der fragmentierten Dateien noch die Möglichkeit, lediglich die Verzeichnisse zu reorganisieren.

Beim Aufruf von Speed Disk lassen sich Parameter eingeben, die Informationen über den Zustand der Festplatte, von Verzeichnissen oder einzelner Dateien geben. Dabei wird unter anderem gezeigt, zu wieviel Prozent diese jeweils fragmentiert sind.

Vopt von Golden Bow Systems kommt mit wenigen Optionen aus. Die Reorganisation einer Festplatte geht sehr schnell, wenn auch nur Dateien defragmentiert und Verzeichnisse geordnet werden.

Auch manche Benutzeroberflächen, wie zum Beispiel der Star-Manager, haben Optimierungsprogramme. Diese können aber in der Leistungsfähigkeit nicht mit Speed Disk und PC-Compress mithalten.

Doch das Reorganisieren hat seine Grenzen. Wenn es jetzt noch schneller gehen soll, müssen Cache-Programme an die Arbeit. Diese Software richtet einen Speicher ein, in dem Festplattenzugriffe zwischengelagert werden. Wurden Daten, einmal aus einer Datei gelesen, sucht das System beim nächsten Zugriff erst einmal im Cache-RAM. Das beschleunigt die Arbeit mit Datenbanken oder ähnlich plattenintensiven Programmen enorm. Die meisten Cache-Programme verwenden, sofern vorhanden, den Erweiterungsspeicher des Computers.

Das einfachste Programm dieser Art gibt es bei MS-DOS ab Version 3.3. Fastopen merkt sich zwar nicht die Inhalte der Dateien, dafür aber die komplette Pfadangabe der verwendeten Dateien. Dadurch wird der nächste Zugriff beschleunigt. Fastopen wird beim ersten Aufruf resident installiert. Dabei kann der Anwender angeben, für welches Laufwerk das Programm wieviele Einträge speichern soll. Der Geschwindigkeitsgewinn ist bei kleinen Festplatten gering, bei großen Speichermedien mit vielen Unterverzeichnissen lohnt es sich eher.

Fastopen kann aber kein richtiges Cache-Programm, wie etwa PC-Cache ersetzen. PC-Cache lagert Lesezugriffe im normalen oder Erweiterungsspeicher zwischen. Wichtig ist, daß die Schreibzugriffe direkt ausgeführt werden. Bei einem Stromausfall kann also nichts verlorengehen. Standardmäßig reserviert das Programm 64 KB Hauptspeicher. Mit Parametern kann der Anwender die Grundeinstellungen ändern. Hier wird festgelegt, ob das Programm Erweiterungsspeicher nutzt und wieviele Sektoren auf einmal in den Speicher gelesen werden sollen. Günstig ist es, das Programm in der AUTOEXEC.BAT aufzurufen.

Das Betriebssystem DR-DOS 5.0 hat im Lieferumfang ein Cacheprogramm. Es wird als Device-Treiber in der CONFIG.SYS installiert und kann sowohl Extended als auch Expanded Memory nutzen.

Auch Windows wird mit einem Cache-Treiber, Smartdrive.sys, ausgeliefert. Dieser wird bei der Installation älterer Windows-Versionen automatisch eingerichtet. Bei Windows 3.0 geschieht das nur noch auf Computern mit dem 80286-Prozessor.

PC-Kwik fällt durch sein gutes Handbuch und die einfache Installation auf. Dieses Programm beschleunigt nicht nur die Lese-, sondern auch die Schreibzugriffe. Im Handbuch wird ausführlich auf die Arbeitsweise von Cachesoftware und die Bedienung von PC-Kwik eingegangen.

Ein weiterer Cache-Kandidat: Vastcache von Dawicontrol. Auch dieses Programm unterstützt erweiterten Speicher. In der neuen Version gibt es ein Utility zum Einstellen des optimalen Interleave-Faktors der Festplatte, ähnlich wie Spinrite II das macht.

Die schönsten Softwarelösungen bringen allerdings nicht viel, wenn die Hardware nicht richtig konfiguriert ist. Eine Festplatte, die mit dem falschen Interleave-Faktor (Anzahl der Plattenumdrehungen zwischen zwei Zugriffen) eingerichtet ist bremst das System erheblich. Viele "Fach-"händler liefern die Festplatten schon falsch formatiert aus. Hier schafft ein Programm wie Spinrite II Abhilfe. Es überprüft die Festplatte und den Interleave-Faktor. Wenn dieser nicht optimal ist, führt es ein Low-Level-Format durch, ohne daß dabei Daten verloren gehen. Spinrite II funktioniert leider nicht bei Festplatten mit ESDI- oder SCSI-Controllern. Doch diese sind bei 80386-Computern meistens korrekt auf Interleave 1:1 eingerichtet. Vor allem bei XTs lassen sich mit Interleave-Prüfsoftware unter Umständen enorme Geschwindigkeitsgewinne erzielen.

Wer hat Angst vor Cache und Defragmentierung?

Viele Anwender scheuen sich vor dem Einsatz von Cache- und Defragmentierungsprogrammen. Und das nicht zu unrecht. Bei falschem Gebrauch kann es zu Schäden in Dateien kommen. Vor allem die Defragmentierung birgt ein Risiko. Gefährlich wird es, wenn der Anwender während der Defragmentierung den Computer ausschaltet oder wenn der Strom ausfällt. Weiter kann es Probleme geben, wenn residente Software geladen ist, die auch auf die Festplatte zugreift. Cache-Programme und Fastopen sollten vor dem Beginn der Defragmentierung aus dem Speicher entfernt werden. Die Ausnahme: PC-Compress und PC-Cache vertragen sich. Die sicherste Methode ist, nach Ausführung einer Festplattenoptimierung den Rechner neu zu booten. Dann kann es nicht passieren, daß irgendwelche verbogenen Zeiger von residenten Programmen auf der Platte Unfug anrichten.

Die modernen Cache-Programme sind ungefährlich. Wichtig ist: Sie sollen nur Lesezugriffe zwischenspeichern. Sobald Schreibzugriffe im Cache zwischengelagert werden, kann es passieren, daß diese bei einem Stromausfall verloren gehen.

Aktualisiert am: 09.02.2006



Ihr Kommentar:


Name:




Hinweis/Disclaimer

Copyright © goldmann.de 1999-2012   | Tippscout 5.0