Mozilla als Explorer-Ersatz

Von am 19.01.2006

Fast hätte es keiner gemerkt: Im Sommer kam endlich der Mozilla-Browser heraus. Und der eben so verspätete wie verspottete Browser stellt sich als echter Explorer-Ersatz heraus.

(erschienen in Internet Professionell 11/2002)

Wann saßen Sie zuletzt wie elektrisiert vor einer Software? Mit diesem unwiderstehlichen Drang, alles auszuprobieren und nachzuforschen, ob nicht doch irgendwo der ebenso dicke wie berühmte Hund begraben liegt? Dann nichts zu finden, sich noch länger mit dem Programm zu beschäftigen und immer höhere Erwartungen zu stellen. Und zu sehen, dass auch die nicht enttäuscht werden? Wenn es einmal so weit gekommen ist, ist es klar. Dann haben wir mal wieder einen richtigen Software-Knaller gefunden.

Leider hat's kaum einer gemerkt: Mozilla ist der beste Browser, der mir je untergekommen ist. Sorry, Microsoft. Aber mit dem Explorer habt Ihr zu lange geschlafen, Euch zu lange auf anderes konzentriert. Und nun geht's Euch wie einst Netscape: Zu lange gepennt und nicht einmal aufgewacht, als einer mit viel Karacho an Euch vorbeigedonnert ist.

Es gibt keinen Grund, den Internet Explorer noch zu verwenden. Außer, dass er immer bei Windows dabei ist und als Einstiegsbrowser dient, bis man Mozilla heruntergeladen hat. Selbst Outlook Express hat ausgedient. Bis dato war das für mich noch der einzige, brauchbare Mail-Client mit IMAP-Unterstützung. Doch auch hier schlägt Mozilla das Microsoft-Programm locker.

Ich rechne den Entwicklern von Mozilla hoch an, dass sie sich wirklich die Zeit genommen haben, den Browser zu Ende zu entwickeln, dass sie mit Liebe und Hingabe an einem Programme so lange gefeilt haben, bis es gepasst hat. Das klingt pathetisch, kommt aber inzwischen so selten vor, dass hier etwas Pathos angebracht ist.

Man denke nur an AOL/Netscape und deren gruselige 6er-Navigator Release. Die zusätzliche Entwicklungszeit gegenüber dem Schwesterprodukt hat Mozilla gut getan. Das Programm funktioniert, ist schnell und hat gute Ideen eingebaut: individuelle Kennwortverwaltung, Popup-Killer oder die Tabs sind für mich Umsteige-Kriterien.

Mozilla ist keine politische Revolution, die nun dem bösen Microsoft-Browser den Garaus macht. Denn Software, speziell ein Browser, ist kein Politikum -- auch wenn es einige missionarisch eifernde Betonköpfe nicht wahrhaben wollen. Wem der IE nicht passt, der konnte und kann immer einen anderen Browser verwenden. Sei's Netscapes Navigator 6 und seine nachgebesserten Nachfolger. Oder der kostenpflichtige Opera. Oder für Puristen der Netscape 4.7x. Ob's technisch sinnvoll ist, ist eine andere Geschichte. Aber immer steht es jedem frei, seine Information durch das Fenster zu betrachten, das er gerne haben möchte.

Ohnehin sind die Auseinandersetzungen um "Wer hat den besten Browser" nicht mehr aktuell. Jeder hat sich arrangiert oder akzeptiert, dass der Internet Explorer Standard ist. Das ist auch nicht so schlimm -- denn Microsoft hat nicht viel von seinem Marktanteil. Oder? Hat Microsoft die Browser-Herrschaft irgendetwas gebracht? Eine engere Bindung an Microsoft-Server kann es nicht sein -- dagegen spricht die Apache-Vorherrschaft mit von Netcraft gemeldeten 63 Prozent (August 2002) bei den Web-Servern.

Es geht schlicht und einfach um eines: Mozilla ist die bessere Software, so wie der Internet Explorer ab der Version 4 immer besser war als der Navigator. Aber wird das noch jemand wahrnehmen? Werden sich irgendwelche Unternehmen für Mozilla begeistern und sich strategisch dafür entscheiden, nur diesen Browser einzusetzen?

AOL wird derweil seinen Nestcape Navigator weiter an den Surfer bringen wollen. Der hat zwar die gleiche technische Basis wie Mozilla. Aber dafür gibt es keinen Popup-Killer. Und mit dem Navigator holt man sich immer auch ein Stück AOL auf seinen Rechner -- das macht sich vor allem in Megabyte bemerkbar: 26 MByte fett ist der Navigator 7.0 -- gegenüber gut 10 MByte für Mozilla. Mozilla ist in jedem Fall der bessere Navigator. Er ist schlanker und frei vom AOL-Ballast.

Bleibt die Hoffnung, dass Mozilla so viel Zulauf haben wird, dass das Projekt auch weiter geführt wird. Denn das Programm ist gut, gratis und - wenn's denn unbedingt sein muss - auch politisch korrekt. Der Internet-Surfer hat endlich wieder eine Alternative.

Aktualisiert am: 19.01.2006


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