Netscape gegen Explorer und Mosaic
Netscape dominiert die Browser-Szene. Doch Microsoft schickt sich mit dem neuen Internet-Explorer an, diese Vorherrschaft zu brechen. Auch Compuserve präsentiert einen neuen Mosaic-Browser, der sich direkt aus dem Wincim heraus aufrufen läßt. Doch was können die beiden Neulinge wirklich?
Das ist doch Nostalgie pur. Ein Beitrag für einen Newsletter aus dem Jahr 1996.
Lange mußte sich Microsoft für seinen Internet Explorer harsche Kritik gefallen lassen. Die mit Windows 95 ausgelieferte Version war zu schwachbrüstig, um es mit den raffiniert gestalteten WWW-Seiten aufzunehmen. Tabellen etwa waren ein Fremdwort. Netscape prägte die Quasistandards des World Wide Web und Microsoft hatte das Nachsehen.
Das konnte sich der Gigant aus Redmont freilich nicht gefallen lassen und brachte Anfang Dezember den Internet Explorer 2.0. Und ein Update lohnt sich. Denn mit dem neuen Microsoft-Browser können Sie all die multimedialen Feinheiten genießen, die das Web bietet.
Das Neueste: VRML
Die herausragendste Neuerung des Explorers ist noch garnicht fertig: Mit dem VRML-Add-In, das derzeit nur in einer Betaversion vorliegt, können Sie in die Virtual Reality eintauchen. Die Virtual Reality Modeling Language beschreibt dreidimensionale Modelle, welche der Netz-Surfer beliebig drehen und wenden kann. Auf wissenschaftlichen WWW-Seiten dient das beispielsweise der Darstellung komplexer Molekularstrukturen. Viele sehen in VRML einen ersten Schritt in das Cyberspace. Allerdings müßten dafür noch andere Netzbandbreiten geschaffen werden.
Die erste Erfahrung, die Sie mit VRML machen werden ist, wie langsam ein PC werden kann, wenn man ihm nur die entsprechende Software verpaßt. Erst dauert es eine halbe Ewigkeit, bis die VRML-Daten übertragen sind, dann ruckeln Sie durch eine virtuelle Welt. Bleibt zu hoffen, daß die endgültige Version des VRML-Add-Ins deutlich flotter arbeitet.
Multimediale Untertöne
Hintergrundgeräusche beim Laden von WWW-Seiten gibt der Explorer dank dem neuen <bgsound>-Bodytag von sich. Dieser Ton erklingt dann beim Laden der WWW-Seite. Welchen Sinn das haben soll, außer den User aus dem Internet-Dämmerschlaf zu reißen, bleibt allerdings offen.
Attraktiver sind da schon die Fontcolors. Wie der Navigator 2.0 vermag auch der Explorer, Textabschnitte zu färben. Dabei versteht das Microsoft-Produkt auch Konstanten anstelle der Hexcodes als Farbbezeichnungen. Mit color=#RED etwa erzielen Sie das gleiche Ergebnis wie mit color=FF0000. Weiterhin als einziger Web-Browser vermag der Explorer zudem mit mehreren Schriftarten umzugehen. Das Face-Attribut erlaubt auch Arial oder andere Fonts als Schriftschnitte einzubinden.
Bewegt wird es, wenn der Explorer AVI-Videos zeigt. Diese werden per img-Tag übermittelt. Allerdings ist AVI nicht gerade das ressourcenschonendste Video-Format. Ebenso animiert zeigen sich Texte, die mit dem <marquee>-Tag durch die WWW-Seite scrollen.
Tabellen sind ebenfalls hinzugekommen. Und Microsoft hat den Tabellen-Tags gleich noch ein paar Parameter zugeordnet. Hier läßt sich die Farbe der Umrandung ebenso festlegen wie der Hintergrund einzelner Zellen.
Client Side Image Maps und Sicherheit
Einige Entlastung für Programmierer bringt die Client Side Image Map. Jeder kennt die Bilder im Internet, bei denen ein Klick auf bestimmte Bereiche zu einem Hyperlink führt. Die Intelligenz zur Verarbeitung der Mausklicks und der Ausführung entsprechender Aktionen sitzt in Form eines CGI-Skripts auf dem WWW-Server. Mit den Client-Side-Image Maps wandert diese Intelligenz schnurstracks in den Internet-Browser. Im HTML-Sourcecode wird festgelegt, wohin welcher Mausklick auf dem Bild führt. Das erlaubt Web-Autoren das Einbinden von Imagemaps, auch wenn sie keinen Zugriff auf CGI-Skripts haben oder wenn sie sich nicht mit Perl, C oder anderen Sprachen herumplagen wollen. Übrigens kommt auch der Netscape Navigator 2.0 mit dieser Fähigkeit.
Schließlich bauten die Microsoft-Programmierer noch Sicherheitsfunktionen in den Explorer ein. Damit dürfen Sie sich beim Online-Shopping und beim Übertragen persönlicher Daten sicherer fühlen.
Alter Hut Mosaic
Die zweite Neuerscheinung Ende 1995 war der Compuserve-Client Wincim 2.0. Dieser kam denn auch mit einer überarbeiteten Fassung von Mosaic. Diese allerdings vermag nicht zu überzeugen. Immerhin beherrscht der Browser inzwischen die beliebten Background-Bodytags für Hintergrundgrafiken und farbige Schriften. Doch bei Tabellen sieht es immer noch düster aus. Ebensowenig kann Mosaic mit dem center-Tag umgehen. Texte und Bilder bleiben also weiterhin linksbündig. Auch mit modernen Featurers wie Java-Skriptverarbeitung, VRML, Datenverschlüsselung oder Plug-In-Technologien hat der Web-Oldie nichts am Hut.
Weiterer Nachteil: Mosaic ist eine 16-Bit-Software. Und das macht sich gegenüber 32-Bit-Boliden wie Netscape durchaus in der Arbeitsgeschwindigkeit bemerkbar. Bewährte Features wie die Hotlist bieten zwar allen Komfort, doch diese Leistung bringen andere Browser mittlerweile auch. Das einzige interessante Feature ist die Möglichkeit, Hotlist-Rubriken in das Menü von Mosaic aufzunehmen.
Compuserve hat wohl eingesehen, daß mit Mosaic kein Staat mehr zu machen ist und hat sich kurzerhand zu einer Kooperation mit Microsoft entschlossen. So darf man sicher bald erwarten, daß Mosaic zumindest von 32-Bit-Plattformen verschwindet und dem Explorer Platz macht. Wer kann, sollte sich mit einer Winsock-Verbindung und dem Explorer Zugang zum World Wide Web via Compuserve schaffen.
Der Explorer erweist sich als ernster Konkurrent für den Navigator 1.2. Die 2.0er-Version des Netscape-Browsers aber wird dem Microsoft-Produkt wieder eine Nasenlänge voraus sein.




