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Rückblick auf das Jahr-2000-Problem

Kaum zu glauben. Die Jahr-2000-Hysterie ist vorbei. Jetzt ist allen langweilig. PC-Online-Kolumnist wagt einen Rückblick und stellt die nächsten potentiellen Katastrophen vor.

(erschienen in PC-Online 3/2000)

So, da sitzen wir nun. Das langweiligste und ruhigste aller Sylvesterfeste liegt schon einen guten Monat zurück. Und langsam müsste selbst der schlimmste Kater vergangen sein. Da wird es Zeit, sich rückzubesinnen. War da nicht etwas? Ach ja. Es hatten zu Neujahr vermutlich deutlich weniger Menschen einen Kater als in den anderen Jahren. Denn Hunderte saßen an Meldepunkten für die Bevölkerung und warteten bis Kommunikation und Strom zusammenbrechen. Tausende verbrachten die Nacht vor Computern und warteten auf den Cobol-GAU. Und selbst daheim war es nicht sicher, drohten doch Rückhaltemechanismen für das Abwasser den Geist aufzugeben.

Aber nix GAU. Es war eine stocklangweilige Nacht für jeden, der auf den Kollaps um Punkt 0 Uhr wartete. Und vor lauter Langeweile hätte man fast noch den Datumswechsel verpennt.

Aber wenigstens müssen wir nicht über diese Langeweile berichten. Da ging es den paar Dutzend Kollegen schlechter, die eifrig mit an der Y2K-Panik gearbeitet haben. Einer Panik, der selbst arglose Computer-Nutzer nicht entkamen und endlich das erste Backup ihres Lebens anfertigten.

Die Ernüchterung war nüchtern. Die Nachrichten hörten sich am nächsten Tag etwa so an: "Nichts passiert ist in Sydney und Tokio, nichts passierte auch in München, Stockholm und in Hinteroberau. Erstaunlich wenig passierte in Washington, New York und Los Angeles. Eine kleine Sensation: Die Bevölkerung von Kleinkleckersdorf verbrachte die langweiligste Jahrtausendwende seit dem Paläozoikum."

Das war es also.

Und was kommt jetzt? Es kann ja nicht sein, dass wir nach drei Jahren Panik und Hysterie nun plötzlich ohne Weltuntergangsahnung dastehen, ohne die Angst vor zwei Nullen. Was sollen wir denn jetzt mit den ganzen teuren Jahr-2000-Prüfprogrammen, was machen jetzt all die EDV-Spezialisten, die sich mit der Jahr-2000-Beratung die Frühstücksbrötchen des nächsten Tages gesichert hatten?

Klar, ein wenig können wir uns ja noch vor dem 29. Februar fürchten, der nun kommt oder auch nicht. Aber das hat doch lediglich Placebo-Effekt. Da kann sich keiner mehr richtig darauf freuen.

Ich jedenfalls bin Y2K-Turkey und ich brauche dringend Ersatzstoff. So ganz angstlos kann das Jahr mit der Doppel-Nullnummer doch nun auch wieder nicht vergehen.

Ein Freund machte mir ein wenig Hoffnung. Es gebe in diesem Jahr ein Sonnenfleckenmaximum, lächelte er mich an. In mir keimt Hoffnung. Sind alle unsere Computer denn Sonnenfleckenmaximum-fest? Oder steht ob der steigenden Strahlung nun ein Crash ungeahnten Ausmaßes fest?

Ich hatte ohnehin schon immer den Verdacht, dass Astrostrahlung für meine Windows-Abstürze verantwortlich ist. Am Betriebssystem kann es schließlich nicht liegen. Wie wird das jetzt in diesem Sommer, wenn uns die Sonne mit ihren Flecken in die Quere kommt: Sonne scheint, Rechner an, klatsch, Absturz.

Tausende von Unternehmen werden die Arbeit in die Nachtstunden verlegen. Tagsüber müssen dann alle Maschinen ausgeschaltet bleiben. Und einen Kurznamen haben wir auch schon: Das SOFLEMA-Problem. Und zur Freude aller Paranoiker und Apokalyptiker ist das Problem nicht lösbar. Wir können nur abwarten – denn den Meister Proper, der auch hartnäckige Flecken an der Sonne entfernt, den gibt es noch nicht.

Eine andere Katastrophe wäre noch denkbar: SCHUNIXWM -- "Schumacher wird wieder nicht Formel-1-Weltmeister." Die Folgen sind unabsehbar. Abermillionen Fans werden sich nach durchzechten Wochenenden nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz auskennen. Nach jedem Flop wässern tränende Augen die Tastaturen. Sind denn Keyboards und Mäuse überhaupt SCHUNIXWM-fest?

Es wird sich schon eine neue apokalyptische Utopie finden. Vielleicht erahnen wir gemeinsam den Kollaps des Internet. Es könnte ja ob der Inhaltsleere kollabieren. Doch wahrscheinlich werden wir und alle gedulden müssen, bis sich das nächste Jahrtausendproblem auftut: Das Y3K-Problem oder der von allen schon jetzt gefürchtete Datumswechsel auf den 1.1.10000.

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Aktualisiert am: 20.12.2005




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