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Fassungslos vor dem Web

Manchmal sitzt man fassungslos vor dem Computer. Etwa dann, wenn er gerade abgestürzt ist, wenn ein Virus an der Platte nagt oder wenn eine Webseite so schlecht ist, dass man vor Schreck erstarrt ist.

Wir Schreiber sind ein wenig privilegiert. Stets wühlen wir in Neuem herum, freuen uns über Ajax hier, XML da und Web 2.0 überall. Doch wehe, wir steigen von unserer hohen Warte herab und begeben uns ins Internet, um dort mal nicht nach dem neuesten Trend zu forschen. Wehe wir gehen ins Internet, um etwas zu suchen oder zu bestellen.

Da trifft uns die volle Härte des Web 0.1 beta. Es ist nicht zu fassen, wie viele professionelle Dilettanten immer noch das Netz bevölkern und bei Unternehmensseiten Duftmarken des Schwachsinns hinterlassen.

Neulich habe ich mich nach einem Fitness-Gerät im Netz umgesehen. Als ich mich schon fast für ein Gerät entschieden habe, wollte ich noch eben mal den Preis wissen.

Nicht genug, dass die Preise gut hinter einer nicht leicht zu findenden Produktansichtseite versteckt waren, erschien beim Klick auf die Preisinfo noch ein Formular, das meine Adresse wissen wolle. Wenn ich mich schon für den Preis interessiere, so der Tenor, würde man mir gerne doch auch einen Prospekt schicken.

Ich war fassungslos. So ein benutzerunfreundlicher Unsinn ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. Was haben sich die Leute dabei gedacht? Ein kindisches "Hehe, den legen wir rein, so kommen wir an Adressen" oder ein falsch verstandenes Sendungsbewusstsein, das glaubt, jeder, der nur einen Preis wissen will, gibt auch gerne seine persönlichen Daten preis.

Nächstes Mal auf dem Flohmarkt stelle ich mich auch hin und beantworte jede Frage nach dem Preis mit "zeigen Sie mir erstmal Ihren Personalausweis".

Und es sind ja nicht nur die datengierigen Formularpfuscher, die Unternehmensseiten gestalten. Da gibt es auch noch Soundklimperer und Animationsartisten, die es schaffen, jegliche relevante Information tief im selbstverliebten Gewurbel zu verstecken. Und es gibt all die, die es noch nicht geschafft haben, ihre Seiten an das neue Jahrtausend anzupassen. All die, deren Seiten immer noch mit grausam detaillierten, Augenflimmern verursachenden Hintergrundbildern übersät sind und deren dominante Farben blau, gelb und grau sind.

Unter die schiere Fassungslosigkeit über den Schrott im Web mischt sich ein Funken Hoffnung. Denn im Web ist noch viel Potenzial für professionelle Profis, Web-Designer und Programmierer, die etwas von ihrem Handwerk verstehen. Wenn Sie auf so eine schlecht gemachte Seite stoßen, haben Sie einen potenziellen Kunden. Halten Sie ihm aber nicht diese Kolumne unter die Nase, sondern bieten Sie ihm Konstruktives. Helfen Sie diesen Unternehmen, zumindest im Web 1.0 anzukommen. Damit helfen Sie auch mir, wenn ich das nächste Mal nach einem Preis suche.

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Aktualisiert am: 18.04.2007




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