Print to Online Shift - der Wandel von Druckerzeugnissen hin zum elektronischen Publizieren im weltweiten Datennetz schockiert Verleger und Qualitätsjournalisten. Geistiger Verfall droht, Informationskloake ergießt sich über das unwissende Volk. Retten können uns nur Verlage, indem sie den Informationsfluss regulieren.
Doch die Verfechter des mit Farbe bedruckten Holzes sind nicht die ersten, die sich auf einen rabiaten Wandel der Verhältnisse einstellen mussten.
Schon die Umstellung von Höhlenmalerei auf Hieroglyphen hatte die Informationsbranche früher Kulturen vor einen historischen Wandel gestellt. Plötzlich war es möglich, die Informationen komprimiert und schnell lesbar darzustellen.
Jahrelang haben sich die Qualitätshöhlenmaler gegen die schludrig hingemeißelten Symbole gewehrt. "So eine Hieroglyphe sagt lange nicht so viel aus, wie ein von Qualitätswandmalern entworfenes Bild", argumentierte die Wandbildlobby auf den Mediatagen, 13.220 vor Christus. "Das sind zu viele Informationen auf zu wenig Platz. Das kann keiner verstehen."
Doch bald kam es noch schlimmer. Kaum hatten sich die frühen Verlage an gemeißelte Texte gewöhnt, erschien eine neue Geißel der Informationsbranche: Papyrus.
"Papyrus ist das Toilettenpapier für Informationen", stellte der Chefredakteur der Cheops-Pyramide Ran-Tan-Wahun in seinem Essay "Torwächter als Gatekeeper der Präantiken Gesellschaft" fest.
Weitere wichtige Zitate aus seinem Essay:
- "Es darf nicht sein, dass unsere Qualitätsinhalte plötzlich jedem verfügbar sind, der das Papyrus in die Hand bekommt."
- "Wer gute, hochwertige Information will, kommt auch in eine Höhle oder in eine Pyramide."
- "Papier ist hirnlos. Jeder kann Papier beschreiben. Wer stellt denn dann noch sicher, ob Nachrichten von einem Qualitäts-Steinmetz kommen oder von einem Sklaven-Schmierer im Nildeltamatsch?"
Ma-Tas-Def-Nah, Pharao zweiten Grades und Eigentümer der "Daily Pyramid" nahe Kairo bringt es auf den Punkt: "Wir müssen sicher stellen, dass die Kontrolle über die Information in unseren Händen bleibt."
"Papyrus ist kein rechtsfreier Raum. Was ist, wenn ein Leser das Papier mitnimmt und es einer dritten, nicht autorisierten Person gibt? Wie stellen wir in diesem Fall sicher, dass der andere Leser unsere Informationen überhaupt versteht. Hier muss ein neues Urheberrecht her - wer das Papyrus eines anderen unrechtmäßig dreimal ansieht, dem stechen wir die Augen aus."
Hat die Verlagsbranche in den letzten 15.000 Jahren gelernt? Nicht viel, denke ich.
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Wie shiften wir eigentlich von Print nach Online?
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