Suse Linux 10 im Überblick
Im Grunde gleicht ein Linux dem anderen. Alle haben die aktuellen Versionen von KDE oder Gnome an Bord. Und die meisten sind mehr oder weniger gut mit Programmen ausgestattet. Aber bei Suse zählt nicht in erster Linie der Inhalt, sondern die Verpackung. Und die ist genial. Dieser Artikel sagt Ihnen, warum.
(erschienen in der Chip-Linux Sonderheftreihe)
Suse Linux ist ein voll ausgestattetes Betriebssystem für das Büro. Genauso gut eignet es sich für private Anwender und als Server für das lokale Netz oder das Internet. Diese Vielseitigkeit macht Linux allgemein und Suse im speziellen so attraktiv für Einsteiger und Umsteiger von Windows.
Für das Büro und private Anwender kommt Suse mit der aktuellen Version von KDE. Die grafische Benutzeroberfläche erinnert optisch und in vielen Funktionen an Windows. Das erleichtert den Umstieg vom Microsoft-Betriebssystem auf Linux.
Flagschiff der Büroanwendungen ist Open Office. Das aus Staroffice hervorgegangene Büropaket vereint Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm. In der neuen Version 2 ist auch eine Datenbank dabei. Alternativ dazu dürfen Sie sich am KOffice-Paket probieren. Etwas kompakter als Open Office bietet es Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentations-Software und viele Zusatzmodule. Dazu gehören zum Beispiel Kivio zum Zeichen von Diagrammen oder das Bildbearbeitungsprogramm Krita.
Zur Bildbearbeitung allerdings verwendet man am besten Gimp - auch das ist bei Suse an Bord. Gimp bietet Bildbearbeitung auf mehreren Ebenen und verfügt über zahlreiche Filter
Für die Kommunikation mit dem Internet kommen mit Suse Linux gleich zwei Browser: Firefox und Konqueror. Auch für E-Mail, FTP und Chat ist bei Suse Linux gesorgt. Als eine der ersten Linux-Distributionen hatte Suse einst Treiber für ISDN dabei. Und auch heute noch ist das System gut für den Online-Einsatz gerüstet. Über das Konfigurationsprogramm Yast installieren Sie DSL-Geräte, ISDN oder ein Modem. Dabei arbeitet Yast mit automatischer Erkennung der Geräte - im Optimalfall ist die Netzverbindung mit ein paar Klicks eingerichtet.
Spielkinder haben mit Suse 10 ebenfalls viel Freude. Grafische Leckerbissen wie das Rennspiel Tuxracer, das Jump-and-Run-Abenteuer Supertux oder knifflige Geduldsspiele füllen die freien Stunden am PC.
Einfache Konfiguration mit Yast und Sax
Suse Linux hat mit dem Installations- und Konfigurationswerkzeug Yast das bei weitem komfortabelste Werkzeug, um ein Linux einzurichten. Das macht sich schon beim Start bemerkbar: Verständliche Dialoge, klare Abfragen und Anweisungen lassen keine Frage offen.
Ist Suse installiert, steht Yast für alle weiteren Konfigurationsarbeiten zur Verfügung. Sie ändern hier die Netzwerkeinstellungen, sichern Ihren PC mit einer Firewall ab, legen Benutzer und Gruppen an oder tragen Dienste ein - Programme, die im Hintergrund arbeiten. Yast ist größtenteils selbsterklärend und komfortabel.
Ein weiteres Argument für Suse-Linux ist das in Yast eingebaute Grafik-Konfigurations-Tool Sax2. Damit richten Sie interaktiv Ihren Bildschirm und die Grafikkarte ein: Sie legen fest, wie hoch Auflösung und Farbanzahl sein sollen. Daraufhin erscheint ein Testbildschirm, auf dem Sie das Bild genau positionieren und schließlich die Einstellungen bestätigen. Falls Sie eine falsche Auflösung gewählt haben und kein Testbild erscheint, warten Sie einfach ein paar Sekunden - und Sax kehrt zur vorherigen Auflösung zurück. Außerdem nimmt Sax2 Konfigurations-Anweisungen für Maus, Tastatur, Grafiktablett oder einen berührungsempfindlichen Bildschirm entgegen.
Einfach Programmpakete nachinstallieren
Der größte Unterschied zwischen Suse und Debian-basierten Distributionen wie Ubuntu und Knoppix ist das für die Installation von Programmen verwendete Paketformat. Pakete enthalten neben der zu installierenden Software Hinweise auf mögliche Abhängigkeiten, also andere Programme oder Bibliotheken, die ebenfalls installiert werden müssen. In der Anwendung gibt es kaum Unterschiede zwischen dem von Suse verwendeten "rpm" und Debians "deb". Schwierig ist es nur für die Programmierer, die ihre Software in zwei Paketformaten anbieten müssen. Die Folge: manche Programme gibt es nur für eines der beiden Formate.
Das Installieren und Deinstallieren der Pakete übernimmt ebenfalls Yast. Hier können Sie die vorhandenen Pakete nach Stichwörtern durchsuchen und so die gewünschte Software zum Nachinstallieren finden. Weitere notwendige Pakete wählt das Installationprogramm automatisch mit aus. Umgekehrt entfernt Yast nicht mehr benötigte Pakete auch wieder.
Natürlich holt Yast auch Pakete aus dem Internet. Sie müssen nur die richtige Adresse eingeben.
Gute Support-Seiten im Netz
Nicht zu verachten ist der gute Support von Suse im Netz. Eine ausführliche Datenbank steht unter
http://support.novell.com/search/kb_index.jsp
zur Verfügung. Außerdem unterstützen zahlreiche Foren und Mailing-Listen Suse-Nutzer.
Nachteile von Suse 10
So schön und schnell Suse zu installieren ist, so schwer macht es in manchen Fällen die Arbeit. Suse entfaltet seine Kraft und seinen Komfort nur, so lange man sich in den von Suse vorgesehenen Grenzen bewegt. Das bedeutet: alles, was man über die Konfigurationswerkzeuge von Suse ändert, ist gut. Doch wehe, man möchte einmal direkt in den Linux-Konfigurationsdateien arbeiten. Dann gilt es, zunächst einmal muss die zuständigen Konfigurationsdateien zu finden. Oft sind die über mehrere Unterverzeichnisse des /etc-Ordners verstreut. Und es ist nicht immer ersichtlich, wie sich die Dateien gegenseitig beeinflussen. Tipp: Wenn Sie einmal in die Verlegenheit kommen, etwas von Hand zu ändern, suchen Sie zunächst im Verzeichnis /etc/sysconfig/ nach der passenden Konfigurationsdatei.
Auch ist Suse nicht gerade von Kontinuität geprägt: Mal wechselt von Version zu Version der Bootloader, dann wandern Parameter in andere Unterverzeichnisse oder es werden andere Standard-Einstellungen vorausgesetzt. Das bedeutet mit jeder neuen Version neuen Lernbedarf und manch' verlorene Stunde auf der Suche nach dem richtigen Ansatzpunkt.
Fazit:
Suse 10.1 ist das ideale Linux für alle, die nicht zu tief in das System einsteigen wollen. Installation, Konfiguration und Bedienkomfort sind hoch. Der Support und das Software-Angebot erfüllen alle Nutzerwünsche.
Update: Wie oft aktualisieren?
Update-Zyklen bei Suse-Linux sind kurz. Selten dauert es länger als ein halbes Jahr, bis die nächste Version herauskommt. Sie müssen aber nicht jeden Upgrade-Schritt mitmachen. Im Gegenteil: Wenn Ihr System sicher läuft und Sie keine Programme oder Funktionen vermissen, bleiben Sie möglichst lange bei Ihrer Version.
Es gilt das Motto: "never change a running system" - frei übersetzt: "Wenn es funktioniert, ändere nichts daran." Allerdings befreit Sie dieses Motto nicht von der Pflicht, regelmäßig Sicherheits-Updates einzuspielen.





