Jetzt, da das Strategiespiel Civilization IV erschienen ist (Test Civilization IV: Erster Eindruck), kann man ja noch einmal ein paar Jahre zurück gehen - genauer gesagt: 12 Jahre. Da ist die erste Version des Spiels Civilization erschienen. In der PC DIREKT 5/1992 habe ich damals einen kurzen Test über dieses Kult-Computerspiel schreiben dürfen.
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Das Rad auf's neue erfinden? Die komplexe Simulation Civilization gibt Gelegenheit dazu. Sie vereint in sich wirtschaftliche strategische und politische Elemente.
Bei Civilization gilt es, eine kleine Bevölkerungsgruppe technologisch so weit fortzuentwickeln, daß sie aus eigener Kraft ein Raumschiff bauen kann. Sieben vom Computer gesteuerte Nationen haben dasselbe Ziel. Darunter sind Chinesen, Mongolen, Deutsche, Amerikaner, Franzosen und Briten. Weiter kann man unter fünf Schwierigkeitsgraden wählen. Gut für Einsteiger: In der leichtesten Stufe erklärt sich das Spiel selbst und gibt wertvolle Tips.
Der Weg in den Weltraum ist schwierig. Denn der Spieler beginnt lediglich mit einem kleinen Haufen Siedler. Diese müssen zuerst eine Stadt bauen. Dort kann sich die Bevölkerung weiterentwickeln. Abhängig von den Gegebenheiten des Umlands produziert eine Siedlung Rohstoffe sowie Nahrung und bringt natürlich Geld ins Staatssäckel. Durch Handel läßt sich dieser Reichtum mehren.
Auch die Wissenschaft spielt eine große Rolle. Je nachdem, wieviel Ressourcen man der Forschung zur Verfügung stellt, entwickelt sich die Kultur. Da muß das Rad ebenso noch erfunden werden wie die Maurerkunst. Auch die Staatsformen entwickeln sich je nach Wissenstand weiter: Was als despotische Alleinherrschaft beginnt, mündet später in der Demokratie. Während der Spieler im feudalen System noch das Sagen hat, funkt in der Demokratie oft der Senat dazwischen.
Bei der Entwicklung des Staates muß man die Schwerpunkte richtig verteilen: Jedes Bauwerk in einer Stadt hat Auswirkungen auf die Entwicklung. Ein Tempel etwa oder religiöse Einrichtungen steigern die Moral des Volkes, wogegen sich zu hohe Steuern und zuviel Militär negativ auswirken. Befestigungen sind ebenso wichtig wie Wasserleitungen, öffentlicher Nahverkehr oder Müllverwertungsanlagen. Fabriken und Kraftwerke steigern die Rohstoffausbeute. Allerdings verschmutzen sie auch die Umwelt. Es gilt, in den ländlichen Gebieten möglichst viel Wald anzulegen und in der Stadt Umweltschutzeinrichtungen zu bauen.
Eine Stadt kann auch neue Siedler produzieren. Diese Einheiten ziehen dann weiter, sorgen für eine Verbesserung der Infrastruktur und gründen neue Städte. Militäreinheiten sorgen für die Verteidigung der Städte und können sich über das Land bewegen.
Das Zusammenspiel mit den Nachbarn nimmt eine weitere wichtige Rolle ein: Entweder schließt man mit ihnen einen Friedensvertrag und tauscht Wissen aus. Oder es kommt zum Krieg. Auch hier ist es wichtig, wie weit ein Staat entwickelt ist. Im fortgeschrittenen Spiel kommt es denn schon einmal vor, daß sich eine alte römische Legion erfolgreich gegen gepanzerte Einheiten verteidigt.
Eine Spielrunde kann zehn oder mehr Stunden dauern. Glücklicherweise läßt sich der Spielstand speichern. Angenehmes Detail: Wenn ein gespeicherter Spielstand geladen wird, unterbleibt die sonst übliche Kopierschutzabfrage aus dem Handbuch.
Um Civilization vernünftig spielen zu können, sollte man einen flotten Rechner besitzen. Schon auf einem 386-SX mit 20 Mhz braucht ein weiter fortgeschrittenes Spiel lange Sekunden, um den aktuellen Stand zu errechnen. Auch sollte man eine schnelle Festplatte besitzen. Denn Civilization lädt oft nach. Abstriche sind an der Benutzerführung zu machen. Der Vorspann des Spiels läßt sich zu spät abbrechen. Auch gibt es keine Gelegenheit in den Auswahlmenüs rückwärts zu gehen: Wenn dem Spieler bei der Auswahl der Spielparameter auffällt, daß er einen Fehler gemacht hat, aber schon ein Menü weiter ist, kann er das Spiel neu starten.
Civilization ist eine Simulation, die lehrreich und unterhaltsam ist. Nur selten vermag ein Spiel Zusammenhänge und Wirkungsgefüge in der Bevölkerungsentwicklung so gut zu vermitteln. Wer sich gerne mit der Städtebausimulation Sim City beschäftigt hat, wird an Civilization noch mehr Spaß haben.
Kurzgefasst
Anspruchsvolle Simulation: Mit Civilization läßt sich die Entwicklung einer Bevölkerung vom Stamm bis zum Industriestaat der Zukunft nachvollziehen
Nutzwert: ++
Installation: +
Bedienung: o
Handbuch: +
+ anspruchsvoll * lang anhaltender Spielspaß * Viele Schwierigkeitsstufen * Hilfe für Einsteiger
- nur für einen Spieler * Verbesserungswürdige Benutzerführung
Empfohlene Konfiguration:
80386/25MHz * 4 MByte RAM * 120 MByte Festplatte * VGA * Maus * Soundkarte
Test Civilization IV: Erster Eindruck
Civilization IV: Weitere erste Eindrücke
Civilization IV: Ansicht von Einheiten ändern

