Thunderbird statt Outlook Express
Outlook Express ist unsicher und nicht komfortabel. Thunderbird ist sicherer, bequemer und bringt mehr Leistung. Steigen Sie um.
Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2005. Einige Angaben und Adressen stimmen möglicherweise nicht mehr.
Frank M. ist Versicherungsmakler und hatte bis vor kurzem ein Problem: Outlook Express. Mehr als einmal wollten sich in der letzten Zeit Viren, Trojaner und Würmer über das Microsoft-Mail-Programm auf den PC schleichen. Das Antiviren-Programm und regelmäßige Updates haben zwar das Schlimmste verhindert - aber irgendwann war es genug mit der Angst.
"Jetzt habe ich meine Versicherung gegen digitales Gewürm", scherzt Frank M. und ahnt gar nicht, wie Recht er damit hat. "Außerdem habe ich keinen Ärger mehr mit Spam," freut sich M.
Der Grund zur Freude heißt "Thunderbird", ist ein E-Mail-Programm und gratis als "Open Source" im Netz erhältlich (http://www.mozilla-europe.org/de/products/thunderbird/). Wer auf das freie Mail-Programm umsteigt, schließt eine gewaltige Lücke auf seinem PC: Thunderbird verhindert die Anzeige von HTML-E-Mail, stoppt das Nachladen von Bildern und lässt heimlich eingeschleusten Programmcode gar nicht erst starten.
Was Thunderbird kann
Thunderbird kann alles, was Outlook Express auch kann:
- E-Mail empfangen, versenden und in Ordnern speichern
- Mit Filtern E-Mail automatisch einsortieren
- Nachrichten aus Newsgroups empfangen und anzeigen
- Adressen speichern und verwalten
Natürlich sind die mit Thunderbird geschickten Mails mit jedem anderen Mail-Programm lesbar. Umgekehrt empfängt der Open-Source-Client einwandfrei E-Mails, die mit Outlook Express, Outlook oder einem anderen Mail-Programm versendet wurden. Auch Anhänge oder in HTML formatierte Nachrichten stellen für Thunderbird kein Problem dar.
Mehr Sicherheit - weniger Werbung
Thunderbird ist sicherer als Outlook Express. Das Plus an Sicherheit beschränkt sich aber nicht allein auf den Schutz gegen Viren und anderes Ungeziefer. Beim Kampf gegen Junk-Mail - unerwünschte Werbung per elektronischer Post - ist Thunderbird eine höchst effektive Waffe. Das Programm verhindert zum Beispiel, dass Werbemails ihre Adresse verifizieren können. Diese Verifizierung funktioniert so: In der E-Mail steckt HTML-Code, der eine Grafik nachlädt. Anhand einer ein in jeder E-Mail eindeutigen Kennung identifiziert der Spam-Server den Mail-Empfänger, sobald das Bild aus dem Internet nachgeladen wird. Die Folge: Ihre Adresse ist noch wertvoller für die Spammer, da ihre Existenz bestätigt wurde. Und Sie bekommen noch mehr Spam.
Aber daraus wird nichts, so lange Thunderbird aufpasst. Das Mail-Programm verhindert das automatische Nachladen der Bilder und dreht Spammern so den Saft ab.
Für alle Spam-Versender, die dennoch Ihr Postfach verstopfen, hält Thunderbird noch eine Überraschung bereit. Einen intelligenten Filter, der Werbepost anhand typischer Phrasen erkennt. Den Filter müssen Sie nur ein wenig trainieren, bis er Sie zuverlässig von Spam befreit.
Doch Achtung: Auch Thunderbird bietet keinen Hundertprozentigen Schutz gegen Viren. Wer einen Dateianhang unbekannter Herkunft öffnet und den Wurm damit aktiviert, dem kann auch Thunderbird nicht helfen. In so einem Fall bietet allein ein aktuelles Antivirenprogramm Schutz.
Mehr Komfort
Thunderbird hat eine Handvoll Funktionen, die den Umgang mit E-Mail wirklich erleichtern. Probieren Sie doch einmal die Schnellsuche aus: Rechts oben über dem Posteingang wartet ein kleines Eingabefeld. Dort den Namen eines Absenders eingeben oder ein Stichwort aus dem Betreff. Und dann staunen: Mit jedem Buchstaben schränkt Thunderbird die Liste auf Mails ein, bis nur noch die zu sehen sind, in denen der Suchbegriff vorkommt.
Oder lernen Sie die virtuellen Ordner kennen - das Mittel gegen Mail-Chaos im Posteingang. Ein virtueller Ordner funktioniert so: Sie legen Suchbedingungen fest, etwa einen Absendernamen oder ein Stichwort. Alle Nachrichten, die zu den Bedingungen passen, finden sich im virtuellen Ordner wieder. Dennoch bleiben die Mails an ihrem ursprünglichen Platz erhalten, zum Beispiel im Posteingang. Auf diese Weise haben Sie eine ständige Suchfunktion und können zum Beispiel Mails zu einem Thema oder eines Absenders bequem zusammenfassen und überblicken.
Ebenfalls für mehr Überblick sorgt ein einfaches aber geniales Feature: Sie dürfen jede Mail in einer von fünf Farben markieren. Dazu drücken Sie eine Zifferntaste von [1] bis [5]. Welche Bedeutung die Farben haben, legen Sie in den Thunderbird-Einstellungen fest. Ist eine Mail farblich hervorgehoben, finden Sie die Nachricht schneller wieder - nichts geht verloren.
Noch mehr Übersicht gefällig? Dann nutzen Sie die Gruppierungsfunktion. Per Tastendruck auf [G] fasst Thunderbird die Nachrichten zusammen - auf Wunsch nach Betreff, Absender oder Datum. So behalten Sie alle Nachrichten eines Tages im Überblick oder verfolgen alle zu einem Thema geschriebenen E-Mails.
Weiteres Highlight: Thunderbird liest RSS-Feeds. Das sind Zusammenfassungen aktueller Nachrichten, die es auf vielen Internet-Seiten gibt. Statt regelmäßig eine Seite zu besuchen, abonnieren Sie deren RSS-Feed. Die aktuellen Schlagzeilen bekommen Sie dann direkt in Ihren Posteingang geliefert - ein Klick darauf lädt die entsprechende Site direkt in Thunderbird.
Mehr Features mit Plugins
Wem das Können von Thunderbird nicht reicht, der peppt das Mailprogramm mit Plugins auf. Das sind kleine Zusatzprogramme, etwa um E-Mails umzuleiten oder um Ordner einfacher zu verwalten. Die besten Plugins stellt Ihnen Tomorrow auf Seite XX vor. Übrigens bieten die Plugin-Entwickler auch was für's Auge. Mit den ebenfalls frei erhältlichen "Themes" verpassen Sie Ihrem Thunderbird genau die Optik, die Ihnen am besten gefällt.
Wer steckt hinter Thunderbird?
Thunderbird ist Open Source. Das bedeutet: Thunderbird ist gratis für jeden erhältlich. Zahlreiche ehrenamtliche Programmierer kümmern sich um die Weiterentwicklung des Mail-Clients. Diese große Entwickler-Gemeinde sorgt für den Fortbestand des Projekts und dafür, dass eventuell auftretende Sicherheitslücken schnell geschlossen werden.
Seinen Ausgang nimmt das Thunderbird-Projekt mit "Mozilla". 1998 gibt Netscape den Quelltext seines "Netscape Communicator" frei. Damals hatte Microsoft die lange Auseinandersetzung um die Vorherrschaft auf dem Browser-Markt gewonnen. Analysten werteten die Freigabe als Eingeständnis der Niederlage. Doch sie haben sich getäuscht.
Sogleich machen sich die Entwickler daran, den Netscape-Browser und das dazu gehörende E-Mail-Programm weiter zu entwickeln. Mit der Browser- und E-Mail-Paket Mozilla 1.01 und dem darauf basierenden Nestcape 7 machen die Entwickler erstmals auf sich aufmerksam. Allerdings finden nur wenige Computer-Experten Gefallen an dem Paket. Trotz guter Qualität und komfortabler Bedienung bleibt Mozilla 1 ein Nischendasein beschieden.
2003 geht die Entwicklung an die Mozilla Foundation über. Die finanziert und unterstützt die Entwicklung. In der Foundation sitzen ausgemachte Microsoft-Gegner: Netscape-Käufer und Online-Dienstleister AOL, Server-Hersteller und Hüter der Programmiersprache Java Sun Microsystems sowie der Linux-Distributor Red Hat. AOL hat der Entwicklergemeinde gleich noch 2 Millionen Dollar mit auf den Weg gegeben.
Ausgestattet mit diesem Budget, geht es schneller voran. Um Mozilla populärer zu machen, teilen die Planer ihr Produkt auf. Ohne Schnickschnack wie einem HTML-Designprogramm oder dem Instant Messenger kommen Firefox und mit ihm das Mail-Programm Thunderbird. Ziel der beiden Produkte: Weniger Zusatzfunktionen, mehr Überblick, angenehme Bedienbarkeit.
Beide Mozilla-Sprösslinge machen seit ihrem Erscheinen Furore: Der im November 2004 frei gegebene Browser Firefox wird in Spitzenzeiten bis zu 800.000mal pro Tag herunter geladen - an normalen Tagen liegt die Downloadrate bei 250.000 bis 350.000. Thunderbird konnte bereits im ersten Monat nach dem Erscheinen Dezember 2004 2.000.000 Downloads verbuchen. Bis Anfang Mai dieses Jahres ist Thunderbird 7 Millionen von den Servern geholt worden.
Übrigens gibt es Thunderbird und Firefox nicht nur für Windows. Freunde des alternativen Betriebssystems Linux bekommen das Programm ebenso wie Mac-User. Das ist ideal für Umsteiger: Sie müssen sich nur einmal in die Bedienung des Programms einarbeiten und können es überall nutzen.
Thunderbird macht weiter
Gegen Microsofts großes Mail-Paket Outlook vermag das Open Source-Programm im Moment noch wenig auszurichten. Denn Outlook hat einen Aufgaben- und Termin-Planer, Thunderbird hat keinen. Noch in diesem Jahr soll sich das ändern. Die Version 2.0 von Thunderbird wird das Kalendermodul "Lightning", zu Deutsch "der Blitz" enthalten. Lightning verwaltet neben Terminen auch Aufgabenlisten und erlaubt, Kalender im Netzwerk zu speichern. Wer schon einmal einen Vorgucker sehen möchte, holt sich das Paket "Sunbird" (http://www.sunbird-kalender.de/).
Bis Kalender und Aufgabenliste in Thunderbird 2.0 eingebaut sind, erscheint voraussichtlich im Juni noch eine Zwischenversion 1.1 mit einer besseren Rechtschreibprüfung. Die prüft ähnlich wie Word gleich bei der Eingabe eines Wortes die korrekte Schreibweise. Außerdem soll es möglich werden, Dateianhänge aus E-Mails zu löschen. Das spart Platz, wenn man den Mail-Text aufbewahrt, den nicht mehr benötigten Anhang aber wegwirft. Außerdem soll die voraussichtlich ab Ende Juni erhältliche 1.1 einen wirksamen Schutz gegen Phishing-Mails bieten.
Jetzt umsteigen
Thunderbird ist der beste Grund, Outlook Express künftig links liegen zu lassen. Thunderbird ist sicherer, bequemer und hilft bei der täglichen Arbeit mit E-Mails. Der Umstieg ist kein Problem. Wie es genau geht, lesen Sie auf Seite NN.
Thunderbird installieren geht ganz schnell
Nur fünf Schritte sind notwendig, bis Thunderbird auch auf Ihrem PC läuft. Natürlich sind dann Ihre alten Mails bereits importiert, und der Junk-Mail-Filter ist aktiv.
1 Thunderbird laden
Holen Sie sich Thunderbird bei http://www.mozilla-europe.org/de/products/thunderbird/. Dort auf "Kostenloser Download" klicken und das Paket auf Festplatte speichern. Nachdem die rund sechs Megabyte übertragen sind, reicht ein Doppelklick auf "Thunderbird Setup", um die Installation zu starten. Folgen Sie den Anweisungen des Installationsassistenten und wählen Sie die Standardinstallation. Fertig.
2 Mails importieren
Beim ersten Start bietet Thunderbird an, Mails und Mail-Konten aus Outlook Express in Thunderbird zu importieren. Falls Sie das wünschen, klicken Sie einfach auf "Weiter" - der Rest geht von alleine. Falls Sie zunächst "Nichts importieren" wollen, wählen Sie diese Option und klicken danach auf "Weiter". Sie können den Import jederzeit nachholen, indem Sie in Thunderbird "Extras - Importieren" wählen. Dort holen Sie nacheinander "Adressbücher", "Nachrichten" und "Einstellungen" aus Outlook Express. Übrigens finden Sie hier auch einen Weg, Mails und Einstellungen aus Outlook oder dem weniger prominenten Mail-Programm Eudora in Thunderbird einzulesen.
3 E-Mail abrufen
Übrigens: Falls Ihnen Thunderbird doch nicht gefällt, können Sie Outlook Express oder Outlook weiter benutzen. Die in Thunderbird importierten Nachrichten bleiben dort weiter erhalten.
Nach dem Import ist Thunderbird einsatzklar und Sie können E-Mail abrufen. Beim ersten Abruf fragt das Programm nach einem Kennwort. Hier tragen Sie das Passwort ein, das Ihnen Ihr Provider für den E-Mail-Zugang gegeben hat. Um nicht bei jedem Abruf das Kennwort neu eintippen zu müssen, aktivieren Sie die Option "Passwort-Manager verwenden...", um das Kennwort dauerhaft zu speichern.
4 Junk-Mail-Ordner einrichten
Damit Thunderbird unerwünschte Werbemail gleich aus dem Weg schafft, braucht er einen speziellen Ordner. Öffnen Sie "Extras - Junk-Filter Einstellungen". Unter "Verhalten bei Junk" schalten Sie die Funktion "Eingehende Nachrichten, die als Junk eingestuft werden, verschieben in:" ein und wählen Sie "Junk-Ordner in Lokale Ordner".
Aktivieren Sie zusätzlich "Manuell als Junk eingestufte Nachrichten - in den Junk Ordner verschieben".
Sehen Sie täglich in den Junk-Ordner hinein. Denn gelegentlich hält Thunderbird auch harmlose, eigentlich erwünschte Mail für Spam und schiebt sie in den Ordner.
5 Spam-Filter trainieren
Ist der Ordner fertig? Dann brauchen Sie nur noch ein wenig Spam-Mail, um den Filter zu trainieren. Sobald so eine Mail auftaucht, klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf und wählen "Markieren - Als Junk". Sofort verschwindet die Nachricht in den Junk-Ordner. Nach rund zehn bis 15 Junk-Mails arbeitet der Filter bereits sehr gut.
Tipps
Falsch erkannte Junk-Mail retten
Hat der Spam-Filter eine erwünschte Mail versehentlich als Spam erkannt und aussortiert? Dann öffnen Sie den Ordner "Junk". Anschließend mit der rechten Maustaste auf den Betreff der Mail klicken und "Markieren - Als kein Junk" wählen. Die Mail ist gerettet. Verschieben Sie die Nachricht in den Posteingang zurück.
Grafik in E-Mail einblenden
Sie haben einen schicken Newsletter bekommen, aber Thunderbird hat einfach die Bilder darin ausgeblendet? Kein Problem: klicken Sie auf die Schaltfläche "Zeige Grafiken" - schon erscheinen alle Bilder in voller Pracht.
Damit Sie nicht jedes Mal diesen Knopf drücken müssen, sobald Ihr Lieblings-Newsletter ankommt, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Absendeadresse neben "Von:" und wählen "Adresse zu Adressbuch hinzufügen...". Steht der Newsletter-Absender im Adressbuch, werden die in seinen Mails enthaltenen Bilder grundsätzlich mit angezeigt.
Schnell durch E-Mail blättern
Um schnell durch eine E-Mail zu blättern, drücken Sie die Leertaste. Ist die Mail zu Ende, führt die Leertaste weiter zur nächsten ungelesenen Nachricht. Das funktioniert auch über mehrere Ordner hinweg. Sprich: Steckt eine noch nicht gelesene Mail in einem Unterordner, so holt sie Thunderbird ebenfalls mit der Leertaste hervor.
Schrift in E-Mail vergrößern
Schrift zu klein? Dann drücken Sie [Strg +], um die Anzeige zu vergrößern. Mit [Strg -] wird die Schrift kleiner, [Strg 0] setzt die Schriftgröße wieder auf den Ausgangeswert.
Rechtschreibprüfung aktivieren
Um die Rechtschreibprüfung in Thunderbird einzuschalten, laden Sie zunächst das passende Wörterbuch von der Thunderbird Homepage (http://www.thunderbird-mail.de/thunderbird/spell.php). Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf "Deutsch - neue Rechtschreibung" und wählen Sie "Ziel speichern unter...", um die Datei zu speichern.
Danach Thunderbird starten, "Extras -Erweiterungen" wählen und "Installieren" anklicken. Wählen Sie unter "Dateityp" den Eintrag "Alle Dateien" und suchen Sie die zuvor herunter geladene Datei aus. Mit "Jetzt installieren" richtet Thunderbird die Rechtschreibkontrolle ein.
Danach geht es weiter in "Extras - Einstellungen -Verfassen". Dort setzen Sie ein Häkchen vor "Rechtschreibung vor dem Senden prüfen" und speichern mit "Ok".
Danach starten Sie Thunderbird neu, schreiben die Mail und klicken auf "Senden". Sofort meldet sich die Rechtschreibprüfung. Wählen Sie unter "Sprache" den Eintrag "Deutsch" und klicken Sie auf "Seite nochmals prüfen". Damit ist die Rechtschreibprüfung in Deutsch aktiv, Ihre Mail wird nochmals geprüft. Thunderbird merkt sich die Spracheinstellung für alle weiteren E-Mails, die Sie absenden.
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