Warum wir mit Anzeigen Geld einnehmen und warum Adblocker nicht so schlimm sind

Noch ein paar Gedanken zur aktuell laufenden Adblocker-Diskussion. Ich möchte die Diskussion damit versachlichen. Alle anderen Argumente sind ja bereits ausgetauscht.

Anzeigen pro Klick?

Ein paarmal ist mir die folgende Argumentationskette sinngemäß begegnet: “Der Anbieter verdient pro Klick auf eine Anzeige. Ich würde eh nicht klicken. Also verliert der Content-Anbieter auch nichts.”

Das stimmt so nicht: Immer noch werden sehr viele Anzeigenkampagnen per TKP abgerechnet. Das ist der “Tausender Kontakt Preis” und er bezieht sich auf eine bestimmte Summe pro 1.000 Einblendungen eines Werbemittels.

Übrigens bietet selbst Google Adwords/Adsense Werbeeinblendungen zum TKP-Modell an.

Anbieter verlieren n% Ihrer Einnahmen wegen Adblockern

Dieses Argument der Content-Anbieter zieht nur dann, wenn sie wirklich bis oben hin mit Anzeigen ausgebucht sind. Das ist sicher ein erstrebenswerter Zustand, allerdings ist das meiner Erfahrung nach höchstens mal in der Zeit um Weihnachten herum möglich. (Bei anderen Websites mag das anders sein).

Wenn eine Seite also zum Beispiel 50.000 PI pro Tag hat, heißt das nicht, dass auch 50.000 mal das tolle Werbemittel ausgeliefert wird. Oft sind nur – jetzt als Beispiel – nur 20.000 PI ausgebucht. Der Rest ist anzeigenfrei.

Die Werbeblocker richten in dem Fall also keinen bezifferbaren Schaden an. Der blockierende Besucher bekommt dann keine Anzeigeneinblendung, die erhält dann der nächste Besucher, der ohne Blocker auf die Seite kommt.

Insofern sehe ich die Adblocker-Benutzer eher gelassen.

Kein Mensch will Anzeigen – doch

Zum Glück interessieren sich Menschen für Anzeigen. Die Klickzahlen von Layern sind ok, wenn auch nicht berauschend – 1,5 bis 2 Prozent. Also muss es da immer mal wieder jemanden geben, der sich tatsächlich für ein Angebot interessiert (gut, ein halbes Prozent sind die, die den “Schließen”-Knopf nicht finden). Voraussetzung ist, dass das Angebot eben attraktiv ist. Die 1.000.000. Einblendung einer 1&1-Anzeige fällt da leider nicht darunter 🙁

Die Klickraten auf Adsense-Anzeigen sind noch deutlich höher. Je nach Platzierung der Anzeigen und nach Thema kann das eine Klickrate von 5 oder mehr Prozent ergeben. Da ist also Interesse vorhanden.

Hier liegt der Ansatz: Genauer, relevanter Werbung schalten.

Jede Website ist anders

Was auf die Vermarktung von Website A zutrifft muss noch lange nicht auf Website B zutreffen. IT-lastige Themen zum Beispiel haben meiner Erfahrung nach zwar mehr Abrufe, bringen aber weniger Einnahmen pro Anzeige.

Insofern ist es schwierig, Zahlen einfach auf andere Websites anzuwenden. Ich vermute mal, je spezieller das Thema ist, desto höher sind die potenziellen Anzeigeneinnahmen pro Besucher. Allerdings haben diese Seiten halt auch weniger Besucher.

Speziell News-lastige Seiten haben natürlich das Problem, dass es zu Nachrichten-Themen nicht immer gut passende Kontext-Werbung gibt. Denen bleibt nichts anderes übrig, als auf Verbraucher-Themen zu gehen: Autos, Kosmetik, Nahrung. Damit sind sie meiner Ansicht nach noch stärker auf Display-Werbung angewiesen, also Banner und Layer.

Wie ich die Diskussion um Adblocker erlebe – von der anderen Seite

Die Diskussion rund um die Adblocker-Bitte gestern und heute hat mich ironischerweise auf eine Seite gebracht, auf die ich nie wieder wollte. Auf die Seite der Verleger. Denn die Print-Verlage wollen ihr Geschäftsmodell Print wahren, ich will mein Geschäftsmodell “Finanzierung über Werbung” wahren. Wir haben plötzlich und ungewollt etwas gemeinsam. Das ist mir fast ein wenig unangenehm.

Da kommt eine empörte Menge, die einem sagt, dass a) alles Scheiße ist und dass man b) doch einfach etwas anderes machen soll. Das Motto der aktuellen Diskussion: Macht einfach andere Werbung, dann schalten wir die Blocker ab – vielleicht.

Oder macht am besten gar keine Werbung. Denn Werbung ist Teufelszeug und frisst unser Gehirn. Dass Werbung besser, sensibler und intelligenter sein könnte, sehe ich ein. Angesichts der Empörung und des blanken Hasses, der einem entgegenschlägt, halte ich eine Diskussion zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht für sinnvoll und möglich. 

Print und den Verlagen schlägt die gleiche Empörung entgegen: geht einfach online, dann schauen wir vielleicht Eure Informationen an.

Print stirbt und ich spüre Euren Schmerz

In Sachen Print-Verlage war ich bislang auf der Seite der wütenden Netz-Menge: “Print stirbt. Tut mir leid, sucht Euch etwas anderes.”

Was ich gestern aber gelernt habe ist, wie stark der Schmerz derer sein muss, die solche Sätze vor den Latz geknallt kriegen. Und wie es denen geht, deren Geschäftsmodell eine Empörungswelle entgegenschlägt.

Die Angriffe sind so heftig, als hätte man gerade bei einer Trunkenheitsfahrt Bambi überrollt und anschließend behauptet, es sei Notwehr gewesen. Leute, es ist nur Werbung.

Nochmal für das Protokoll: Der Spiegel und andere Medien haben lediglich darum gebeten, die Blocker abzuschalten. Mehr nicht. Sie haben eine Bitte an die Leser gerichtet, die ihren Content lesen. Mehr nicht. Eine BITTE! Keine Drohung, keine Abmahnung, keine Sperre. Eine Bitte.

Nur mal ein Gedanke: Nicht nur die “Content-Industrie” oder die “Content-Mafia” lebt von Anzeigen. Es leben auch jede Menge kleiner Publikationen im Netz von Werbung.

Wer sagt, dass es anders gehen muss, hat weder Ahnung von diesem Geschäftsmodell noch von den Zahlen, die tatsächlich dahinter stecken.

Ich verstehe jetzt die Print-Verlage besser. Auch wenn ich nicht auf ihrer Seite bin. Ich werde mich künftig gegenüber Print-Leuten sensibler verhalten. 

Links zum Thema

Netzwertig zur Diskussion um die Adblocker

Julian Heck mit einer differenzierten Meinung

Adblocker blocken – ist das sinnvoll? Ich probiere es mal aus.

Frei nach Leroy Jethro Gibbs: “Meine Website, meine Regeln”. Ich lasse mal ein paar Tage diesen Hinweis für jeden Nutzer einblenden, der einen Adblocker verwendet:

Hinweis Adblocker

Benutzen kann man die Seite trotzdem.

Klar, rennen mir die Leser hier ohnehin nicht die Bude ein. Aber ich bin einfach neugierig, was passiert.

Macht Werbung dezenter!

Vielleicht werden sich bald mehrere Publisher besinnen und eine Adblock-Wall einführen? Dann allerdings sollten sie auch eine Gegenleistung anbieten und die Werbung dezenter machen. 

Und da sind auch die Werbetreibenden gefragt. Es muss ja nicht immer der Layer sein, der sich über den Inhalt legt. Kreativität ist gefragt, die a) interessante und relevante und b) nicht zu störende Werbung einblendet.

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4 Gedanken zu “Warum wir mit Anzeigen Geld einnehmen und warum Adblocker nicht so schlimm sind

  1. Danke für das Feedback. Das Ding, das sich da rechts unten hereinschiebt ist allerdings keine Werbung, sondern ein Verweis auf einen anderen Text auf dieser Seite.
    Aber das ist ein guter Hinweis. Das Ding sieht vielleicht zu sehr nach Werbung aus. Ich hab das mal deaktiviert und schaue, wie sich das auf die Seitenabrufzahlen auswirkt.

  2. Ich habe den Adblocker für Goldmann.de aufgrund des Hinweises deaktiviert, nachdem ich feststellte, dass keine übermäßige, oder aufdringliche Blinki-Blinki-Werbung auftauchte.
    Lediglich jezt gerade beim runtersscrollen nervte die bewegliche Werbung (“Top-Tipp zum Thema ‘Internet und Werbung’Kinder im Internet. Weiterlesen…”), die sich von rechts in den Bildschirm reinschiebt und vom Lesen des Textes ablenkt.

  3. Ja, für diesen Artikel habe ich Anzeigeneinblendungen abgeschaltet. Auf den meisten anderen Seiten in Goldmann.de siehst eine Anzeige in der rechten Spalte. Auf unserem Tippscout haben wir mehr Anzeigen. Unter anderem auch Layer.

  4. Also irgendwie sehe ich auf deiner Seite überhaupt keine Werbung und ich habe keinen Blocker geschaltet. Ich hab mehrfach aktualisiert aber da kam nix.

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