Cannondale Scalpel – ein Wiedersehen nach 15 Jahren

Als ich vor ein paar Wochen mit Komoot los radelte, bin ich ganz schön in den Wald gekommen. An den nassen Wurzeln scheiterte mein Crossrad – ein Rennrad mit Stollenreifen. Wobei: Wahrscheinlich hätte es das Crossrad mit etwas mehr Fahrtechnik auch geschafft.

Weil es eben mit der Technik auf wurzeligen, nassen Singletrails nicht so weit her ist, musste ich an mein altes Cannondale Scalpel denken. Das hatte ich 2001 gekauft und seit 2008 oder 2009 bin ich nicht mehr damit gefahren. Es stand seitdem im Schuppen und vergammelte. Eine Schande für ein Rad, das 2001 mehr als 8000 Mark kostete.

Das Scalpel im Schuppen

Also habe ich das Scalpel im Schuppen besucht und an die frische Luft geholt. Auf dem Rahmen hat sich ein ziemlich ekeliger Belag gebildet, die Hartgummi-Handgriffe haben sich in eine schleimige Masse verwandelt, der Hinterreifen war platt. Der Vorderreifen hatte sogar noch Luft.

So sah es nach Jahren im Schuppen aus - den Belag sieht nur, wer näher hinsieht.
So sah das Scalpel nach Jahren im Schuppen aus – den Belag sieht nur, wer näher hinsieht.
Ekeliger Belag: In den Jahren im Schuppen hat sich einiges auf dem Scalpel abgesetzt.
Ekeliger Belag: In den Jahren im Schuppen hat sich einiges auf dem Scalpel abgesetzt.

Mit dem Hochdruckreiniger bin ich dem Rad zu Leibe gerückt. Schließlich wollte ich es wieder anfassen können.

Danach habe ich die Reifen aufgepumpt. Zu meiner Überraschung hielten beide Reifen gut die Luft. Dann habe ich die Bremsen überprüft – sie griffen noch. Sogar die Dämpfer für Vorder- und Hinterradfederung arbeiteten. Über die Jahre hatten die Luftdämpfer kaum Druck verloren.

Unter dem Schmutz funktionierte er noch: Der Fox-Dämpfer meines Scalpel.
Unter dem Schmutz funktionierte er noch: Der Fox-Dämpfer meines Scalpel.

Die Warnung

Warum also nicht einfach mal los fahren und schauen, ob das Rad noch läuft? Das habe ich auch auf Facebook gefragt. Da bekam ich eine Warnung: Nach all den Jahren kann die Bremsflüssigkeit Wasser gezogen haben. Wenn sich das bei Hitze ausdehnt, kann das schlimmstenfalls die Bremse blockieren.

Gefahr: Nach dem langen Herumstehen konnte sich Wasser in der Bremsflüssigkeit eingelagert haben.
Gefahr: Nach dem langen Herumstehen konnte sich Wasser in der Bremsflüssigkeit eingelagert haben.

Ok, auf einen Abflug hatte ich keine Lust.

Außerdem gab es noch ein anderes Problem. Das Scalpel war auf meinen Bedarf vor 15 Jahren angepasst. Damals war ich 15 Jahre jünger und ebenso viele Kilo leichter. Der Vorbau war nach unten gedreht und der kerzengerade Lenker sorgte dafür, dass ich mehr auf dem Rad lag als saß.

Die Verwandlung

Nach kurzem Überlegen war klar: ich wollte das Scalpel dorthin zurück bringen, wo ich es kaufte. Harald Prandl sollte das Rad prüfen, die Bremsflüssigkeit wechseln und all das reparieren, was kaputt war.

Doch da war noch etwas. Ich konnte auf dem Scalpel nicht mehr bequem sitzen. Also entschied ich mich für einen Umbau. Den Vorbau nach oben drehen und einen Downhill-Lenker anschaffen. Das Ergebnis: der Lenker war nun rund sechs Zentimeter höher. Meine Sitzposition sollte sich verbessern.

Ein Downhill-Lenker sorgt für die bequemere Sitzhaltung.
Ein Downhill-Lenker sorgt für die bequemere Sitzhaltung.

Dazu gab es noch ein paar neue Handgriffe. Das Ergebnis sah nicht schlecht aus – und mit rund 130 Euro war ich auch noch deutlich günstiger dabei, als gedacht. Denn im Kern war und ist das Scalpel noch fit.

Die neuen Handgriffe waren nötig, weil die alten vergammelt waren. Ich habe mich für ganz schlichte Modelle entschieden.
Die neuen Handgriffe waren nötig, weil die alten vergammelt waren. Ich habe mich für ganz schlichte Modelle entschieden.

Die Ausfahrt

Außer einer kleinen Proberunde nach dem Abholen des Rades habe ich nicht viel mit dem Scalpel unternommen. Schließlich stand die #neudig-Radreise mit Christian auf dem Programm.

Aber heute – vier Tage nach Ende der Reise konnte ich endlich auf das Scalpel steigen. Den Hinterreifen musste ich etwas nachpumpen. Der verliert über die Tage hinweg Luft. Aber damit komme ich klar.

Und dann ging es auf die Piste. Es war eine Zeitreise zurück vor 15 Jahren. Das Rad fühlte sich an, als hätte ich es frisch gekauft. Und der höhere Lenker sorgte für – tja – ein altersgerechte, entspannte Sitzhaltung.

Die Schläge und Steine steckte das Rad weg wie zu seinen besten Zeiten. Nur das Blockieren des hinteren Dämpfers funktionierte nicht mehr ganz so gut. Da schaukelt sich die Federung auch dann auf, wenn sie eigentlich blockiert war. Aber das war auszuhalten.

HIer sieht alles so flach aus - aber nur, wenn man nicht weiß, dass da hinten das Zenntal ist.
Hier sieht alles so flach aus – aber nur, wenn man nicht weiß, dass da hinten das Zenntal ist.

Aus der geplanten 25-Kilometer-Runde wurden 38 – über Feld- und Waldwege, Wiesen und hinter Feldern herum. Klasse!

Nur die Wurzeltrails habe ich noch nicht wieder besucht. Aber die sind bei der nächsten Runde dran. Jetzt habe ich ja wieder ein klasse Fully.

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