Die Blitzautomatik meiner Nikon D70

Eine Automatik ist dazu da, dem Menschen Entscheidungen abzunehmen. ComputerFoto-Kolumnist Martin Goldmann kann sich aber mit der Automatik seiner Kamera nicht so recht anfreunden.

(erschienen in Computerfoto 3/2005)

Normalerweise bin ich nicht der Mensch, der unbeseelten Gegenständen einen Namen gibt. Mein Auto heißt einfach Golf und nicht “Mucki”, “Nucki” oder “Tucki”. Auch meine Kamera hat keinen besonderen Namen. Es wäre ja auch ein wenig seltsam.

Aber diesmal mache ich eine Ausnahme. Denn die Kamera hat einen eigenen Willen. Und den drückt sie über ein Blitzgerät aus. Diesen kleinen, vorlauten Blitz nenne ich “Schlack”.

Der Name kommt vom Geräusch, mit dem sich der Blitz öffnet. “Schlack” – nicht etwa “Plöck” oder “Klonk”. Nein, “Schlack”. Und ich bin sicher, die Nikon-Sounddesigner haben lange an diesem Geräusch getüftelt. Schließlich passiert das ja auch bei Autos, damit sich die Türen eines unendlich teuren Mercedes auch satt und teuer anhören, wenn sie zuschlagen.

Zu “Schlack” habe ich ein zwiespältiges Verhältnis. Denn der kleine Blitz ist ausgesprochen vorlaut. Neulich beim Spaziergang mit Hund und Pferd zum Beispiel. Es war ein herrlicher Januar-Nachmittag, die Sonne stand tief und ihre Strahlen dürfte auch der wenig romantische Mensch als gülden bezeichnen. Ich halte auf einen Stapel Baumstämme, achte darauf, dass nur ein Drittel Horizont bleibt, drücke den Auslöser sanft…

“Schlack”

Der Blitz geht auf, als würde er sagen “Hallo, hier bin ich” und schickt sich an zu blitzen. Ich versuche Schlack zu erklären, dass der Holzstapel etwa 100 Meter entfernt liegt und dass der sich vermutlich über das bisschen Blitz-Gefunzel schief lacht.

Abgesehen davon sei es helllichter Tag, die Sonne streue ihr Licht von der Seite und ich könne ihn im Moment einfach nicht brauchen. Mit ruhigen Worten klappe ich den Blitz wieder ein und schalte ihn manuell ab. Aus dem Holzstapel ist dennoch etwas geworden.

Ein paar Minuten später kommt unser Hund auf mich zu gelaufen. Ich wittere den ersten dynamischen Schnappschuss des angehenden Jahres, schalte ein und drücke ab – “Schlack – Blitz”. Zum Glück ist unser Hund mit Blitzen wenig zu beeindrucken. Wohl aber ist das Bild für die (entschuldigung) Katz. Denn unser Hund ist ziemlich weiß – und wenn da so ein Blitz draufleuchtet, wirkt unser Hund einigermaßen überstrahlt.

Ich erkläre Schlack geduldig, dass der Hund nicht strahlend weiß sein muss und dass diese seltsame Aura um ihn herum auch nicht zwingend notwendig sei. Der Blitz scheint das einzusehen, lässt sich widerstandslos einklappen und abschalten.

Ein paar Schritte weiter wartet der Wald, abgelichtet zu werden. Die Sonne steht im Rücken, ich will abdrücken und… Den Rest kennen Sie ja.

Ich weiß, was Sie jetzt denken und Sie haben Recht. Natürlich könnte ich den Automatikmodus ausschalten. Ich weiß eh nicht, warum ich ihn nutze. Meine Nikon 5700 konnte ich im Schlaf bedienen und ich kannte jede Option beim Vornamen. Doch seit der D70 hat sich der Automatikmodus in mein Leben geschlichen und mit ihm “Schlack”, der Blitz.

Ab morgen wird das anders. Da heißt der Blitz einfach wieder Blitz und ich setze mich endlich mal mit den manuellen Modi und der Halbautomatik meiner Kamera auseinander. Dann hat Schlack ausgedient und ich kann vielleicht endlich wieder Bilder so schießen, wie ich möchte.

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