Google offline

Ein gruseliger Gedanke, wie das ist, wenn Google mal zwei Stunden oder einen Tag vom Netz sein sollte.

Keine Suchmaschine ist so selbstverständlich wie Google. Sie ist immer da, kein Webmaster kommt an ihr vorbei, wenn er gefunden werden möchte. Doch was, wenn Google einmal nicht verfügbar ist – ganz so wie am 9. März 2003?

Irgendwie hat es in Deutschland kaum einer mit bekommen. Am Sonntag, den 9. März Nachmittags war Google platt und nicht mehr erreichbar. Zuerst gab es seltsame Verzögerungen, dann ging gar nichts mehr. Google meldete einen Serverfehler. Das ganze Internet hielt den Atem an.

Im Google-Forum auf www.webmasterworld.com brach binnen Minuten eine Posting-Flut los. Die in diesem Forum untergebrachten Webmaster – viele Google-abhängig – überschlugen sich in Meldungen: Atlanta platt, Seattle platt, UK platt, Italien platt und hier in Germany ist auch nichts mehr zu holen. Fast konnte man meinen, eine düstere Stille hätte sich über das Netz gelegt.

Doch mehr als Panik regierten im Forum Mitgefühl und leiser, liebevoller Spott. Immerhin war es Sonntag und man konnte dem weltweiten Spektakel mit einiger Gelassenheit zusehen. Ein grafisch begabter Webmaster gestaltete denn auch sofort ein “Gute-Besserung”-Logo für Google. Ein anderer forderte die Google-Mitarbeiter auf, doch endlich wieder den Stecker in die Dose zu stecken, damit Google wieder anspringt.

Die Situation war einmalig. Erstmals konnte man live erleben, wie sich ein Ausfall auf die eigene Website auswirkt. Der zugegeben nicht sehr exakte Besucherzähler unserer Tipp-Site brach einige Minuten nach dem Google-Powerdown um rund 60 Prozent ein. Starker Tobak – obwohl ich zunächst befürchtet hatte, dass der Verlust deutlich stärker ausfallen würde. Beim Blick in die Log-Dateien am nächsten Morgen war der Ausfall kaum noch zu sehen.

Denn schon nach rund 50 Minuten hatte der Spuk ein Ende. Google zeigte sich wieder – zunächst stockend, dann zuverlässig. Das Netz hatte seinen inhaltlichen Mittelpunkt zurück.

Ein gruseliger Gedanke, was passieren wird, wenn Google einmal nicht nur 50 Minuten am Wochenende, sondern zwei Stunden oder einen Arbeitstag lang platt sein sollte. Ein solcher Google-Zusammenbruch würde sich viel stärker auswirken als ein aufgebaggertes Backbone-Kabel oder ein vom Netz genommener Netzwerkknoten. Denn die zentrale, logische Schaltstelle des Netzwerks fehlt dann.

Die erste Folge des Powerdown: der weltweite Traffic geht kurzzeitig kräftig in die Knie. Nach ein paar Schrecksekunden wird ein Run auf alternative Suchseiten einsetzen. Denen kann nichts Besseres passieren. Denn wenn sie ihren Index gut gepflegt haben, können sie sich in der kurzen Zeit als Alternative zu Google präsentieren und vielleicht ein paar neue Stammkunden gewinnen. Bleibt nur zu hoffen, dass Altavista und Co. auf den Ansturm der Googleianer vorbereitet sind. Nicht dass deren Server auch noch unter der Last der neuen Besucher zusammenbrechen. Dann hätten wir wieder ein Netz wie vor zehn Jahren – unendlich ruhig und nur gesteuert von ein paar Bookmark-Sammlungen.

Meine ebenso persönliche wie logische Schlussfolgerung aus dem Google-Aussetzer: Google ist nicht ausfallsicher. Wenn die Google-Server – warum auch immer – einmal länger vom Netz sein sollten, wäre es prima, auch bei anderen Suchmaschinen gut aufgestellt zu sein. Ich werde in nächster Zeit jedenfalls zusehen, wie ich meine Seiten auch für Altavista, Fireball oder Alltheweb optimiere. Denn man kann ja nie wissen, wann der nächste Google-Ausfall kommt.

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