Speicherkarte für Digitalkamera vergessen

Kennen Sie den dümmsten Witz, den ein Digital-Fotograf machen kann? Nein? Dann nehmen Sie den: “Schatz, hast Du den Film eingelegt?” Ich gebe zu, ich habe diesen Witz gemacht. Und die Strafe folgte sofort.

(erschienen als “Der dümmste Witz” in Computerfoto 7/2003)

Doch von Anfang an: Ostern in Italien, Urlaub, Regen. Wir entschließen wir uns, einen Ausflug nach Maranello ins Ferrari-Museum zu unternehmen. Da ist es wenigstens trocken. Mein Freund Markus fährt uns in das Ferrari-Mekka. Und als wir vor dem Fabriktor wenden, wende ich mich zu Franzsika und komme mir ungemein witzig vor: “Schatz, hast Du den Film eingelegt?”

Das war wohl ein Witz zu viel.

Wir stehen vor dem Tor, ich nehme meine Nikon aus der Tasche und schalte sie ein. Das Objektiv fährt aus, aber irgendetwas stimmt nicht.

Auf dem Display blinkt “card”. Das ist das absolut sichere Zeichen, dass keine Compact-Flash-Karte in der Kamera steckt. Mir fällt siedend heiß ein: die Karte steckt im Notebook. Und das liegt 60 Kilometer weit weg von Maranello in der Ferienwohnung.

Da sitze ich nun, mit einer 1500-Euro-Kamera vor dem Ferrari-Museum und es fehlt mir eine kleine Karte, um ein paar schöne Fotos zu machen.

Ich sage: “Verdammt, ich habe meine Speicherkarte vergessen.”

Den Witz finden Markus und Franziska wirklich gut.

Immerhin hat Markus seine Kamera dabei. Nix besonderes, drei Megapixel, eingebauter Blitz. Ich darf, um mich zu beruhigen, damit zwei Bilder vom Eingang machen, bevor wir ins Museum gehen. Dort, die Treppe hinunter, gleich links steht der Nachbau einer Box. Mittendrin die Tankanlage.

Technikfreund Markus hält seine Kamera hoch und drückt ab. Einfach so. Ohne Engagement, ohne Arrangement ohne das Licht zu beachten. Er hat geknipst, einfach nur geknipst.

Ich zittere kurz vor künstlerischer Erregung. Und zwei Zehntel Sekunden später winde ich Markus die Kamera aus der Hand. “Das kannst Du doch nicht blitzen”, zische ich ihn an.

Er wollte eigentlich nur die Tankanlage fotografieren. (Sie wissen schon, die Tankanlage, die manchmal nicht funktioniert und von denen jedes Team eine zweite hat). Aber so ein Motiv kann man doch nicht blitzen. Schon gar nicht mit Markus Taschenkamera. Ich schleiche vor der Anlage herum, überlege mir den Blickwinkel, achte auf den Hintergrund und doziere über Licht, Schatten und Hintergrund, während ich durch den Sucher gucke.

Als ich abdrücke, mich zu Markus umdrehe, ihm den Kameramonitor vor das Gesicht halte und sage “siehst Du”, kommt als Antwort nur ein sehr höfliches italieniesches Lächeln. Das Lächeln sagt mir in etwa folgendes: “scusi, nehmen Sie die Kamera aus meinem Gesicht. Und wenn Sie mit dem affigen Rumhampeln vor der – nicht immer zuverlässigen – Tankanlage fertig sind, würden wir sie uns auch gerne mal ansehen. Und überhaupt: wenn Sie schon so tun, als könnten Sie fotografieren – warum nehmen Sie nicht eine größere Kamera?”

Ich stammle ein “scusi” zurück und fühle mich ein wenig verloren. Markus hat sich inzwischen abgesetzt und erklärt Franziska die Benzineinspritzung eines Zehnzylinders. Das finden die beiden interessanter als die Tatsache, dass ich soeben eine Tankanlage vor dem Blitzpfusch gerettet habe.

Und so bin ich verurteilt, hinter beiden herzutrotten, die nichts als Formel-1-Technik ohne künstlerischen Anspruch im Kopf haben. Das ist schon eine harte Strafe für einen kleinen dummen Witz.

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