Das ist die Geschichte von Windows 3.1 bis XP

Windows ist alt. Denn das Programm mit den Fenstern gibt es schon seit 1985. In diesem Beitrag lernen Sie die einzelnen Windows-Fassungen ab der Version 3.1 kennen. Sie erfahren, welches Windows Sie noch mit welchem Computer verwenden können. Außerdem lesen Sie, wie Sie einen Computer mit Windows 98 auf Windows XP aufrüsten.

Windows 3.1

Die Windows-Geschichte beginnt im Jahre 1985 mit der Version 1.0. Doch Windows von 1.0 bis 2.11 war wenig Erfolg beschieden. Erst mit dem Erscheinen der Fassung 3.0 im Jahr 1990 und der um viele Fehler bereinigten Version 3.1 aus dem Jahr 1992 kam der Erfolg. Windows war zur ansehnlichen grafischen Benutzeroberfläche gereift. Und, was noch wichtiger war: Es gab genügend Programme, die mit Windows 3.x zusammenarbeiteten, allen voran Büroprogramme von Microsoft wie Word für Windows oder Excel.

Die Benutzung von Windows 3.1 ist zweigeteilt: Es gab einen Programm-Manager, in dem die Symbole der einzelnen Programmen gespeichert sind. Zusätzlich gab es den Datei-Manager, um Dateien beispielsweise zu kopieren oder zu löschen.

Viele auch heute noch bestehende Eigenschaften von Windows kamen erstmals mit Windows 3.1. Dazu gehören die True-Type-Schriftarten, das “Drag and Drop” genannte Ziehen beispielsweise von Dateisymbolen auf Ordner oder Druckersymbol, um Dateien zu kopieren oder zu drucken. Auch das Einbetten von Teilen eines Dokumentes in ein anderes war neu bei Windows 3.1. Damit kann man damals wie heute beispielsweise eine Tabelle aus Excel in ein Dokument des Textbearbeitungsprogramms Winword einbauen.

Da Windows 3.1 lediglich eine grafische Benutzeroberfläche für das alte DOS-Betriebsprogramm ist, gelten viele Beschränkungen: So dürfen die Dateinamen nur acht Zeichen lang sein und als Dateiendung hinter dem Punkt waren nur drei Zeiten erlaubt. (Dateierweiterungen wie .doc oder .xls stammen noch aus dieser Zeit.)

In einer Hinsicht jedoch sprengt Windows die Begrenzungen von DOS: Windows 3.1 kann mehr als 1 MByte Hauptspeicher verwenden. Und mehrere Programme lassen sich gleichzeitig starten. Allerdings hat dies einen Haken: In Windows 3.1 darf jedes Programm selbst bestimmen, wie stark es den Prozessor beanspruchen will. Im Extremfall nimmt sich ein Programm alle Prozessorleistung und lässt den anderen nichts übrig. Ein Beispiel: Formatiert man in Windows 3.1 eine Diskette, so ist es kaum möglich, derweil andere Programme zu benutzen.

Ein weiteres Problem dieser alten Windows-Version: Stürzt ein Programm ab, kann es passieren, dass das komplette Windows nicht mehr funktioniert. Der Grund dafür sind fehlende Schutzmechanismen, um die von den Programmen genutzten Speicherbereiche untereinander abzugrenzen.

Windows 3.1 ist für Computer mit dem 386-Prozessor gut geeignet. Damit aber auch die Besitzer alter 286-Computer das Programm verwenden können, ist in Windows 3.1 noch der so genannte Standard-Modus eingebaut. Der erlaubt allerdings nur, jeweils ein Programm zu einer Zeit auszuführen.

Das Startmenü von Windows 95

Windows 95

Windows 3.1 wird im Jahr 1995 von Windows 95 abgelöst. Mit diesem Betriebsprogramm kommen zum ersten Mal die Start-Schaltfläche und das dazu gehörende Startmenü. Das Startmenü enthält Listen mit den installierten Programmen und den zuletzt verwendeten Dokumenten. Der alte Programm-Manager aus Windows 3.1 ist damit abgelöst. In der ebenso neuen Taskleiste am unteren Bildschirmrand befinden sich Symbole aller gerade geöffneten Fenster und Programme. Erstmals können Benutzer von Windows 95 auch lange Dateinamen mit mehr als acht Zeichen verwenden. Mit wenigen Mausklicks lassen sich so genannte Verknüpfungen erzeugen. Das sind Querverweise auf Dateien oder Programme, die eigentlich in einem ganz anderen Ordner liegen.

Unter der Oberfläche hat sich bei Windows 95 einiges gegenüber der Vorversion geändert. In Windows 95 ist ein Dienstprogramm für Verbindungen zum weltweiten Datennetz Internet eingebaut. Mit “Plug and Play”, zu Deutsch etwa “Einstecken und loslegen” erkennt Windows 95 beim Installieren die Hardware. Auch beim Hinzufügen neuer Geräte werden diese automatisch erkannt und die passenden Dienstprogramme installiert. Allerdings funktioniert das nur zuverlässig mit Hardware, die so alt wie Windows 95 oder neuer ist.

Windows 95 unterstützt zudem als erstes Windows echte 32-Bit-Programme. Die arbeiten deutlich schneller als ihre Vorgänger, die nur für 16-Bit-Prozessoren gedacht waren.

Eine besondere Variante ist Windows 95B, das nur zusammen mit neuen Computern verkauft wurde. Es unterstützt auch USB und kommt mit einem neuen Speicherverfahren für Daten: Dank “FAT32” können mit Windows 95B auch Festplatten verwendet werden, die größer als 2 GByte sind. Auch mit den heute üblichen so genannten AGP-Grafikkarten arbeitet Windows 95 B zusammen.

Windows 98

Im Sommer 1998 kam Windows 98 auf den Markt. Wie schon Windows 95B kommt es mit USB, großen Festplatten und beispielsweise AGP-Grafikkarten zurecht. Hinzu kommt die Unterstützung für Infrarot-Übertragungen beispielsweise zu entsprechend ausgestatteten Druckern. Außerdem kann Windows 98 mit einem entsprechenden Laufwerk DVDs lesen.

Das Desktop von Windows 98

Um den Benutzern die Arbeit zu erleichtern, hat Microsoft Windows 98 mit Assistenten ausgestattet. Die helfen beispielsweise beim Herstellen einer Verbindung zum Internet. Ein Wartungsassistent überprüft auf Wunsch die Festplatte auf Fehler und löscht nicht mehr benötigte Dateien. Ebenfalls neu in Windows 98: Nach einem Computerabsturz wird bei einem Neustart automatisch die Festplatte auf Fehler untersucht.

Die Benutzeroberfläche hat sich in einigen wichtigen Details geändert. In allen Ordnerfenstern ist eine Adresszeile zu sehen, in die man entweder den Namen eines anderen Ordners oder eine Internet-Adresse eingeben kann. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Windows so umzuschalten, dass sich Ordner und Programme mit einem einzelnen Klick statt des Doppelklick öffnen oder starten lassen. Mit dem so genannten Active Desktop können Internet-Inhalte direkt auf der Windows-Arbeitsoberfläche angezeigt werden.

Eine neuere Variante ist Windows 98 SE. Es enthält eine Vielzahl von Nachbesserungsprogrammen, sowie neuere Programme für die Internet-Nutzung. Beispiel: Ist bei Windows 98 noch der Internet Explorer 4.0 installiert, so ist es bei Windows 98 SE schon die Version 5.0.

Windows ME

Windows ME ist im Jahr 2000 erschienen und eine Art Verlegenheitslösung, um die Wartezeit bis Windows XP zu überbrücken. Das Aussehen von Windows ME ist dem im gleichen Jahr erschienenen Windows 2000 Professional angepasst, das hauptsächlich für den Einsatz in Büros vorgesehen ist. Wirklich neu ist der Assistent zur Systemwiederherstellung. Der speichert auf Wunsch oder automatisch den aktuellen Zustand des Windows-Betriebsprogramms und seiner Steuerungsdateien. Kommt es beispielsweise nach dem Installieren eines neuen Steuerungsprogramms zu einem Problem, können Sie den vorherigen Zustand des Computers schnell wiederherstellen.

Das Desktop von Windows ME

Windows ME ist das letzte Windows, das noch auf der mit Windows 95 eingeführten Technik basiert.

Windows 95 – der neue Standard?

Start-Button von Windows 95Es war eine lange und schwere Geburt. Immer wieder verschob Microsoft den Start von Windows 95 alias Chicago alias Windows 4.0. Doch nun ist das neue Betriebssystem auf dem Markt und muß zeigen, ob es die Erwartungen erfüllt.

Dieser Beitrag ist im Oktober 1995 in der PC DIREKT erschienen.

Ein Aufatmen geht durch die EDV-Szene. Nach einer rund zweijährigen Ankündigungs- und Betaphase kommt Windows 95 endlich auf den Markt. Damit hat es fast den Verzögerungsrekord von Borlands dBase für Windows erreicht.

Wirklich einfach zu installieren ist Windows 95, wenn bereits ein gut konfiguriertes Windows 3.1 oder 3.11 sein Werk auf dem PC verrichtet. Denn wichtige Konfigurationsdaten wie den Interrupt der Sound- oder Netzwerkkarte kann sich das Programm vom Vorgänger besorgen. Mit Plug & Play hat das noch nicht viel zu tun. Von diesem Prinzip merkt man erst etwas bei der Installation von PCI-Komponenten wie Grafikkarte oder SCSI-Controller. Viele alte ISA-Komponenten erkennt Windows 95 zudem anhand einer Treiberdatenbank. In keiner der Testinstallationen vefehlte Windows 95 sein Ziel: Immer wurde der korrekte Grafiktreiber installiert – gleich ob es sich um eine alte Trident-VGA-Karte, eine ATI-Xpression, eine Noname-S3-Karte oder um die Matrox-Impression handelte. Auch bei den Controllern gab es keine Probleme. Bei jedem Testgerät konnte Windows 95 im 32-Bit-Modus auf den Datenträger und seine Files zugreifen. Wer voher unter Windows 3.11 mit einer SCSI-Platte im 16-Bit-Zugriff gearbeitet hat, stößt unter Windows 95 in neue Geschwindigkeitsdimensionen vor. Nur bei Syquest-Wechselplatten stolpert das neue Windows manchmal: So wird beim Booten ein 270-MByte-SCSI-Syquest-Laufwerk, das an einem NCR-C815-Adapter hängt, einmal als Wechselplatte und zusätzlich einmal als normale Harddisk gemeldet. Eine Kopieraktion im Zusammenhang mit einem der beiden gemeldeten Laufwerke führt dann zum sicheren Systemchrash – ein Zeichen, daß Windows 95 doch nicht an allen Ecken so sicher ist, wie Microsoft es gerne hätte.

Immer die passenden Treiber

Ob Steckkarte, Modem oder Drucker – das neue Betriebssystem bringt für praktisch jede denkbare Komponente den passenden Treiber mit. Nur Scanner bleiben noch außen vor. In solchen Fällen ist man auf DOS-Treiber angewiesen. Diese lassen sich wie gewohnt in autoexec.bat und config.sys installieren. Dieses Leistungsmerkmal verhilft auch Peripherie-Exoten zu einer Einbindung in Windows 95. 32-Bit-Treiber für Hewlett-Packard-Scanner sind übrigens laut HP in Vorbereitung.

Die der Systemsteueung hilft, die Konfiguration von Windows 95 zu überwachen und zu modifizieren. Im Gerätemanager lassen sich Peripheriegeräte einstellen und auf mögliche Konflikte überprüfen. Der Fehlersuche dienlich ist, daß einzelne Komponenten aus der Systemkonfiguration ausgeschlossen werden dürfen.

Die Netzwerkanbindung unter Windows 95 zeigt sich vorbildlich. Die Protokolle Netbeui, TCP/IP und IPX/SPX sind bereits im Lieferumfang zu finden. Umsteiger von Windows für Workgroups 3.11 haben ebensowenig Probleme mit der 95er-Fassung wie Computer-Besitzer, die per TCP/IP oder Novell Netware kommunizieren wollen.

Bleibt der Speicherbedarf der Neuinstallation: Unter 40 MByte freien Plattenspeicher braucht man garnicht erst an ein neues Windows zu denken. Voll installiert, mit ein paar Spielen, allen Multimedia-Treibern und sonstigem Zubehör kommt Windows 95 an die 60-MByte-Grenze heran. Wohl dem, der über ein 1-GByte-Laufwerk verfügt.

Der erste Klick

Nach der Einrichtung sollte der erste Klick auf den Start-Button führen. Wozu Microsoft sich diesen Knopf einführte, erschließt nicht. Vielleicht wollte der Gigant aus Redmond wenigstens ein eigenständiges Element zur Benutzerführung einbringen. Denn Drag & Drop, Ordner auf dem Desktop und Verknüpfungen kennt man schon vom Macintosh oder OS/2.

Hinter Start/Programme verbergen sich die guten alten Programmgruppen und eine schöne Bescherung. Denn Windows 95 konvertiert alle grp-Dateien, derer es habhaft werden kann und bindet diese ins Startmenü ein. Dabei tauchen selbst Programmgruppen wieder auf, die bereits zu Windows-3.0-Zeiten gelöscht wurden. Ein unnötiger Arbeitsaufwand, diese wieder zu entfernen.

Der Start-Button jedoch ist nur ein Bestandteil der Taskleiste. Diese ständig in Windows 95 präsente Leiste zeigt alle laufenden Anwendungen und geöffneten Fenster. Per Mausklick wechselt der Anwender schnell und bequem in das gewünschte Fenster. Rechts in der Taskleiste zeigt sich ein kleines Statusfeld. Dieses informiert über Uhrzeit, eingesteckte PCMCIA-Karten oder den Zustand des deutlich verbesserten Druckmanagers: Wartete der Manager unter Windows 3.11 immer, bis eine Datei komplett im Spooler war, so druckt die neue Fassung sofort los, sobald Daten im Zwischenspeicher landen. Für Vielschreiber oder Serienbriefversender ist das ein enormer Geschwindigkeitsgewinn. Der Druckmanager ist auch dann aktiv und aufnahmebereit, wenn kein Drucker angeschlossen ist. So dürfen mobile Computer-Besitzer jederzeit Dokumente an den Manager senden. Sobald dann ein Printer angeschlossen ist, arbeitet Windows 95 alle anstehenden Aufträge ab.

Trennung zwischen Programm Manager und Datei Manager

Die Mine hellt sich weiter auf, wenn man bemerkt, daß die Trennung zwischen Programm-Manager und Datei-Manager endlich aufgehoben wurde. Alle Elemente des Desktops sind als Verzeichnisse definiert. Auch die Oberfläche selbst wird durch ein Directory repräsentiert. Der Vorteil: Jedes Verzeichnis kann weitere Directories aufnehmen. So lassen sich auch auf der Benutzeroberfläche selbst Directories anlegen, die wie die alten Programmgruppen funktionieren. Doch sinnvoll wird dieses Prinzip erst zusammen mit Verknüpfungen. Von jedem Programm und jeder Datei läßt sich an beliebiger Stelle eine Verknüpfung anlegen. Wichtige Programme etwa lassen sich als Verknüpfungen auf dem Desktop ablegen.

Hier eröffnen sich dem Windows-User neue Dimensionen der Datei- und Programmverwaltung. Das Desktop läßt sich als Zwischenlager für Dateien oder als Container für mehrere Dokumente eines Projektes nutzen, Unterverzeichnisse auf der Festplatte lassen sich als Verknüpfung direkt per Desktop zugänglich machen. Der Phantasie und den Prioritäten des Users sind kaum Grenzen gesetzt.

Möglich werden Verknüpfungen erst durch das konsequente Drag & Drop unter Windows 95. Zieht man mit der Maus ein Programmicon auf die Oberfläche, so wird automatisch eine Verknüpfung hergestellt. Genauso werden Files kopiert, verschoben oder gelöscht. Für das Entfernen der Dateien steht der Papierkorb. Er nimmt die gelöschten Files auf und speichert sie solange, bis er geleert wird. Versehentlich gelöschte Dateien lassen sich so einfach wieder herstellen. Allerdings funktioniert dies nur, solange Files unter Windows gelöscht werden. Sobald Löschaktionen unter DOS stattfinden, landet der Datenmüll nicht im Papierkorb. Das wäre an sich kein Problem, wenn das alte DOS-Utility Undelete noch im Lieferumfang zu finden wäre. Doch das zu Windows gehörende MS-DOS 7.0 bietet kein Werkzeug zum Entlöschen der Dateien.

Überhaupt wurde DOS reichlich entspeckt. Nur noch die notwendigsten Dateien des Betriebssystem-Relikts finden sich im Verzeichnis c:windowscommand. Warum Microsoft hierfür den irreführenden Namen command statt dos gewählt hat, bleibt offen.

Interessantester Bestandteil des Windows-DOS ist das neue xcopy, das nun auch mit langen Dateinamen zurechtkommt und Files abhängig vom Herstellungsdatum kopiert.

Endlich lange Dateinamen

Einen Anlaß zur Freude bietet die Aufhebung der 8+3-Namensgebung für Dateien. Endlich dürfen Texte oder Tabellen so heißen, wie es sich der Verfasser wünscht. Bis zu 255 Zeichen lassen sich theoretisch pro Filenamen vergeben. Diese Namenserweiterungen dürfen allerdings nur Windows-95-Applikationen nutzen. DOS- und Windows-3.x-Veteranen müssen sich weiterhin mit der alten Namenskonvention herumschlagen. Aus Gründen der Kompatibilität zu seinen Vorgängern speichert Windows 95 denn auch Dateien immer noch unter DOS-Dateinamen. Die langen Bezeichnungen werden separat gelagert.

Bei vielen Programmen für Windows 3.x zeigte sich schon, wie nützlich die rechte Maustaste ist. Mit der 95er-Fassung setzt sich das Prinzip auch auf Betriebssystemebene durch. Wo immer der Windows-Freund die rechte Taste klickt, erscheint ein kontextsensitives Menü mit allen Befehlen, die sich auf das aktuelle Objekt, sei es eine Datei oder ein Verzeichnis anwenden lassen.

Um Dateien und Verzeichnisse aufzuspüren stellt Windows im Startmenü eine umfassende Suchfunktion bereit. Das neue Werkzeug recherchiert nicht nur nach Dateinamen und Erweiterungen. Auch Dateigröße, Herstellungsdatum oder Textabschnitte aus dem File dienen als Suchkriterien. Recherchen lassen sich über den kompletten Arbeitsplatz, inklusive aller installierten Netzlaufwerke ausführen.

Den direkten Zugang zu den Laufwerken und deren Inhalt bringt der Explorer. Er gilt als Nachfolger des Datei-Managers und bietet alle notwendigen Datei und Verzeichnisoperationen. Im Gegensatz zum Vorgänger ist der Explorer jedoch nicht in der Lage, zwei Verzeichnisfenster darzustellen. Wer wie in alten Tagen Dateioperationen ausführen will, muß den Explorer zweimal öffnen. Auf kleinen Bildschirmen führt das zu einem unübersichtlichen Explorer-Kuddelmuddel.

Der Explorer beschränkt sich nicht darauf, nur Laufwerke, Verzeichnisse und Dateien zu zeigen. Neue Bestandteile wie Arbeitsplatz und Desktop sind hinzugekommen. Allerdings erschließt sich diese neue Aufteilung nicht sofort: Das Desktop dient als oberste Instanz und beherbergt die Netzwerkumgebung, den Arbeitsplatz und den Papierkorb. Der Arbeitsplatz seinerseits faßt alle Laufwerke und Verzeichnisse. Gerade Einsteigern erschließt sich diese Aufteilung nicht sofort.

Das Multitasking

Schon bei der Markteinführung von Windows 3.0 prahlte Microsoft mit Multitasking-Fähigkeiten. Dabei handelte es sich jedoch um ein nicht präemptives Verfahren: Jede Anwendung durfte sich so viel Rechenzeit nehmen, wie sie wollte. Unter Windows 95 wird das anders. Jetzt kümmert sich das Betriebssystem um die Verteilung der Rechenleistung. Echtes Multitasking unter Windows 95 gibt es allerdings erst mit den neuen 32-Bit-Applikationen. Im Gegensatz zu OS/2 Warp haben sich alle namhaften Hersteller entschlossen, ihre Software auf das neue System umzusetzen. Praktisch alle wichtigen Anwendungen sind oder werden gerade für Windows 95 umgeschrieben.

Bester Beweis für das funktionierende Multitasking: Endlich lassen sich Disketten auch im Hintergrund formatieren. Wer dies unter Windows 3.x einmal versucht hat und derweilen ein Dokument bearbeiten wollte, zweifelte schnell an der Leistungsfähigkeit seines Systems. DOS-Applikationen laufen nun ebenfalls besser unter Windows 95. Hier wurden vor allem Probleme mit der Speicherverwaltung behoben. Auch Programme, die den DOS-Extender Dos4gw nutzen, das sind vor allem Spiele, verrichten klaglos ihren Dienst unter Windows. Im Test fand sich kein Programm, das seinen Dienst unter Windows 95 verweigerte. Zusätzlich spendierte Microsoft seinem Betriebssystem einen DOS-Modus, den man separat booten kann. Microsoft räumt allerdings ein, daß es mit einigen DOS-Programmen Kompatibilitätsprobleme gibt.

Windows für Notebooks

Notebook-Besitzern erleichtert Windows 95 ihr Dasein. So erscheint im Statusfeld eine Batterieanzeige. Und das Betriebssystem warnt, sobald dem tragbaren Computer der Saft ausgeht. Zudem unterstützt Windows 95 PCMCIA samt „hot plugging”. Im laufenden Betrieb darf man also Modem-, Netzwerk- oder sonstige PCMCIA-Karten einstecken. Mit der Erkennung läßt sich Windows allerdings ein wenig zu lange Zeit: Es kann schon eine halbe bis eine Minute vergehen, bis das eben eingesteckte Modem erkannt wird. Für Notebooks und Computer mit begrenzten Plattenspeicher bringt Windows 95 eine neue Version des Online-Komprimierers Doublespace mit. Allerdings geht die Kompression gerade bei 386-Systemen deutlich auf Kosten der Performance.

Dem Datenabgleich zwischen Notebook und Desktop-Rechner dient der Aktenkoffer. Und für eine Verbindung zwischen beiden Geräten sorgt die Direktverbindung: Per seriellem oder parallelen Kabel lassen sich zwei Computer miteinander verbinden. Wie im Netzwerk kann der angebundene Rechner auf die Ressourcen des Host-Computers zugreifen.

Die Gimmicks

Windows 95 kommt nicht allein. Neben Systemutilities wie Doublespace, Defrag und Scandisk kommen weitere nützliche Programme. Für Mail-Anbindung sorgt Microsoft Exchange. Dabei bleibt der Windows-95-Nutzer nicht allein auf hausinterne Nachrichten beschränkt, sondern darf auch per Compuserve oder Internet Messages absetzen. Und den Faxverkehr wickelt Exchange ebenfalls ab.

Weiteren Kontakt zur Außenwelt bieten der mitgelieferte Amaris-Btx-Decoder und das Terminalprogramm Hyperterminal. Dieses beherrscht nun endlich das flotte Z-Modem-Protokoll zur Datenübertragung. Der Btx-Decoder erweist sich als leistungsfähig, bietet jedoch keine KIT-Unterstützung.

Die beiden Windows-Standardapplikationen Paintbrush und Write sind ebenfalls dabei. Unter dem Namen Wordpad bietet Microsoft grundlegende Textverarbeitungsfunktionen im Winword-Look. Wordpad liest und schreibt Dateien nun auch im Winword-6.0-Format. Paintbrush heißt jetzt Paint und kann sich ebenfalls über einen erweitereten Funktionsumfang und bessere Bedienbarkeit freuen. Lediglich bei den Dateiformaten hat Paint nichts hinzugelernt. Noch immer bleibt der Maler auf PCX- und Bitmap-Dateien festgelegt.

Windows 95 und Multimedia

Weitaus unterhaltsamer als Multitasking, PCMCIA und Wordpad gibt sich die multimediale Seite von Windows 95. Zum Abspielen eines AVI-Files reicht ein Doppelklick und Windows legt los. Ein separates Video für Windows muß also nicht mehr installiert werden. Mpeg- oder Quicktime-Videos bleiben allerdings weiter außen vor und müssen über separate Programme abgespielt werden. Musikfreunde werden sich über die automatische Erkennung von Musik-CDs freuen. Sobald ein Klangsilberling eingelegt wurde, startet der CD-Player von Windows 95 automatisch. Auch im Unterhaltungsbereich ist einiges zu erwarten. Durch neue Schnittstellen erlaubt Windows 95 Programmierern jetzt

Systemanforderungen

Wenn Microsoft als Mindestvoraussetzung ein 386-DX mit 4 MByte RAM angibt, dann ist das schlicht Humbug. Zwar startet Windows 95 noch auf so einer Maschine. Aber Anwendungen wie Winword laufen in nicht akzeptabler Geschwindigkeit. Doch sollte man auch nicht blind den Auguren der Hardware-Branche glauben: Windows 95 stürzt nicht jeden in einen unbezahlbaren Aufrüstungsstrudel. Besitzer eines 386/33 mit 16 MByte und einer 300er-Festplatte können bereits halbwegs flott mit Windows 95 arbeiten. Ein Geschwindigkeitsgewinn gegenüber Windows 3.11 ist allerdings subjektiv nicht zu verzeichnen. Ein weiterer Testrechner mit einem auf 40 MHz getakteten 486er und 8 MByte RAM bot bereits ein angenehmes Arbeitstempo.

Fazit

Windows 95 erweist sich zwar immer noch nicht als der erhoffte Durchbruch in eine 32-Bit-Welt. Doch gegenüber der Vorversion zeigen sich deutliche Fortschritte. Die einfache Bedienbarkeit sowie die weitgehend problemlose Installation sind vorbildlich. Einige Macken übersieht man angesichts des gewaltigen Sprungs in der Bedienerfreundlichkeit gerne.

Pluspunkte

– Einfache Bedienung

– Sehr einfache Installation

– Gute Unterstützung von DOS-Programmen

– Flexible Mail-Anbindung

– Gute Ausstattung

Minuspunkte

– noch kein reines 32-Bit-Betriebssystem

– hoher Platzbedarf

– hohe Hardware-Anforderungen

– undelete läuft nicht unter DOS

– keine Scannerunterstützung

Windows XP

Windows XP ist das neue Betriebssystem von Microsoft. Es löst sowohl Windows ME wie auch Windows 2000 ab. XP ist stabil und benutzerfreundlich. Aber myWORK rät: Warten Sie mit dem Update ab. Warum, das sagt dieser Beitrag.

(erschienen 2001 in MyWork)

Was Microsoft bereits vor einigen Jahren angekündigt hat, wird damit Realität: Alle Betriebssysteme haben die gleiche Basis, Windows 98/ME und Windows münden in Windows XP. Und das wird in zwei Versionen auf den Markt kommen. Die Home Edition richtet sich an den privaten Anwender, Windows XP Professional dagegen an den professionellen Nutzer.

Aussehen und Bedienung

Die neue Optik macht zwar einen guten Eindruck. Aber wer Windows XP ganz neu installiert, sieht sich erst einmal verloren. Denn die Symbole für Arbeitsplatz und Netzwerkumgebung sind verschwunden. Wie erklärt man das den Mitarbeitern? Rechnen Sie einen bis zwei Schulungstage ein. Nach der Umgewöhnung aber fällt die Bedienung von XP deutlich leichter als die der Vorgänger. In jedem Ordnerfenster sieht man Querverweise zu verwandten Themen, in der Systemsteuerung findet man die Einstellungen nach Rubriken sortiert und nicht mehr verteilt über zig Unterprogramme.

Ein Vorteil: Windows XP ist für den Administrator sehr viel leichter zu beherrschen als seine Vorgänger. Das beginnt bei der Systemwiederherstellung nach Fehlern und reicht bis zu automatischen Aktualisierungen des Betriebssystems. Dazu zählen auch Sicherheits-Patches, die mögliche Sicherheitsprobleme im Betriebssystem beheben.

Desktop von Windows XP

Systemsicherheit und Wartung

Windows XP ist nahezu immun gegen schädliche Programme — das müssen nicht einmal Viren sein. Meist handelt es sich dabei um schlampig geschriebene Programme, die sich im Betriebssystem einnisten und davon ausgehen, dass keine andere Software Zugriff auf den Computer benötigt. Versicherungsmakler kennen das wenn sich mehr als zwei Rentenberechnungs- und Lebensversicherungsprogramme von verschiedenen Gesellschaften breit machen.

Windows XP behebt das Problem. Es merkt sich den Zustand, in dem das System korrekt arbeitet. Treten nach Änderungen oder dem Einrichten eines Programm Probleme auf, setzt der Verwalter das System in einen früheren Zustand zurück.

Ein weiteres Problem — nicht nur bei Versicherungs-Software — sind verschiedene DLL-Versionen. Bei diesen Dynamic Link Libraries handelt es sich um Sammlungen von Unterprogrammen, die von mehreren Anwendungen benutzt werden können. Einige Hersteller wandeln aber die Originale dieser DLL-Dateien ab und überschreiben damit die ursprüngliche Fassung. Das Resultat: Zwar arbeitet das neue Programm prima mit der eigenen DLL, aber eine andere Software stürzt ab, weil sie das Original erwartet hätte.

Windows XP löst dies ebenso wie sein Vorgänger Windows 2000: Es verwaltet mehrere DLL-Versionen parallel, so dass jede Anwendung mit ihrer eigenen Variante arbeiten darf. Außerdem werden wichtige Systemdateien vor Anwendungen gegen Überschreiben geschützt. Falls es doch einmal zu Problemen kommen sollte, werden sie vom Betriebssystem automatisch wiederhergestellt.

Viel Zeit sparen die Installations- und Update-Dienste von Windows XP. Der Windows Installer speichert umfassende Informationen über Anwendungen im System. Anhand dieser Informationen lassen sich die Programme später wieder entfernen, ohne dass dabei andere Anwendungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Das User State Migration Tool übernimmt Daten und Systemeinstellungen von älteren Betriebssystemen zu Windows XP.

Updates für das Betriebssystem kommen auf Wunsch automatisch aus dem Internet. Das spart Zeit und beugt Problemen vor. In größeren Unternehmen lässt sich das neue System von einer zentralen Stelle aus installieren und warten. Von jedem beliebigen anderen Rechner im Netzwerk oder im Internet kann der Verwalter auf einen PC zugreifen und komplett die Steuerung übernehmen — wenn er denn ein Zugriffsrecht hat. Gemeinsam mit dem Benutzer kann der Systembetreuer dann dessen Probleme lösen ohne sein eigenes Zimmer zu verlassen.

Mobilität

Wer mit XP auf einem Notebook arbeitet, kann aus dem Netzwerk Dateien holen, diese unterwegs bearbeiten und, zurück im Büro, wieder mit dem Netzwerk-Bestand abgleichen. Diese so genannten Offline-Dateien speichert Windows XP jetzt auch verschlüsselt. Sie sind damit auch beim Verlust eines Notebooks effizient geschützt. Aber auch das Schalten in den Ruhezustand oder die Möglichkeit, den Computer im laufenden Betrieb aus der Docking-Station zu entfernen und wieder einzusetzen, sind für Anwender von Notebooks bald unverzichtbar. Zudem sorgt die Cleartype-Technik von Windows XP für klarere Schriftdarstellung auf LCD-Bildschirmen von Notebooks.

Kompatibilität

Und Windows XP ist eine Weiterentwicklung von Windows 2000 Professional. Die Altlasten aus längst vergangenen 16-Bit-Tagen, die Windows 9x oftmals so instabil machen, verschwinden mit der neuen Fassung. Windows XP senkt wie schon Windows 2000 die Ausfallzeiten. Denn das System stürzt seltener ab.

Diese Absturzsicherheit hat ihren Preis. Denn Windows XP unterstützt keine 16-Bit-Anwendungen mehr, also alte Programme, die für Windows 3.1 gekauft wurden. Und noch heute laufen viele dieser Programme in den Betrieben: Lohnbuchhaltungen, Lagerverwaltungsprogramme oder Auftragsverwaltung. Das kann Probleme geben.

Immerhin gibt es einen Kompatibilitätsmodus, in dem Windows XP dem Programm vorgaukelt, es sei Windows 95, 98 und ME. Damit lassen sich Anwendungen, die zwar auf diesen Betriebssystemen, nicht aber mit Windows 2000 Professional laufen, auch mit Windows XP nutzen. Dennoch ist es unsicher, dass wirklich alles so funktioniert wie Sie es bislang gewohnt waren.

Noch ein Nachteil: Windows XP braucht leistungsfähigere Computer als Windows 9x. Mindestens 128 MByte Hauptspeicher und ein Pentium II-Prozessor ab 266 MHz sind die Mindestvoraussetzungen. Besser sind Pentium-Rechner 800 und mehr MHz.

Denn nur mit einem so schnellen kann man auch die grafischen Feinheiten von Windows XP nutzen: Menüs haben Schatten und bauen sich ganz langsam auf, alle Fenster sind abgerundet und die Symbole haben noch mehr Farben und erscheinen deutlich größer. Eine neue Ordneransicht zeigt Bilder in Verzeichnissen gleich mit einer Vorschau. Der Clou: Bilder in Unterverzeichnissen sind ganz winzig in den Ordnersymbolen zu sehen.

Netzwerk

Sehr gut funktioniert Windows XP im Netzwerk. Ein Assistent hilft beim Einrichten von kleineren Netzwerken — ideal für Freiberufler und kleine Betriebe. Größere Unternehmen profitieren von der guten Zusammenarebeit zwischen Windows XP und Windows-2000-Servern mit dem Active Directory. Viele Funktionen wie die zentrale Systemkonfiguration und Sicherheitsfunktionen lassen sich damit erst voll nutzen.

Fazit

Mit Windows XP nimmt Microsoft Abschied von den DOS-Wurzeln. Windows XP setzt auf dem gleichen Kern wie Windows 2000 auf, ist also eine neue Version von Windows 2000 Professional. Dennoch löst es auch Windows 98 und Windows ME. Und das macht den Umstieg schwierig. Wenn Sie bislang DOS-Anwendungen unter Windows 98 verwendet haben, etwa alte Lohnbuchhaltungsprogramme oder eine Lagerverwaltung droht die Gefahr, dass diese Anwendungen nicht laufen. Auch mit alten Programmen, die Sie für Windows 3.1 gekauft haben kann es nun aus sein. Deshalb heißt es in diesem Fall abwarten und erst einmal ausführlich testen. Denn schließlich nutzt die raffinierteste Computertechnik nichts, wenn Sie Ihre alten Datenbestände wegwerfen dürfen.

Lesen Sie hier weiter: Test: Wurm- und Virus-Angriff auf Windows PC