Zum 15jährigen der PC-Professionell

Diesen Artikel hatte ich zum 15jährigen Jubiläum der PC-Professionell geschrieben. Allzu lang hat sich die Zeitschrift danach leider nicht mehr gehalten.

Vor 15 Jahren war PC-Zeitschriftenwelt noch übersichtlich. Das Internet samt aller Dotcom-Unternehmen und hochfliegender Pläne war weit weg, Markt & Technik, IDG und der DMV-Verlag sowie Heise die ersten Adressen, bei denen sich ein Redakteur bewarb. Doch 1991 änderte sich alles: Ziff-Davis kam ins Spiel, ein Verlag aus den USA, der mit einer deutschen Ausgabe des PC-Magazine den deutschen Markt aufrollen wollte.

Und das fanden viele Redakteure bei anderen Zeitschriften sehr interessant.

Die PC-Professionell und der Ziff-Davis-Verlag wagten damals revolutionäres: Ein üppig ausgestattetes Testlabor unterstützt bis heute die Redakteure bei der Arbeit. Und noch besser: jeder Redakteur bekam einen eigenen, aktuellen PC mit Farbbildschirm auf neuen Möbeln.

Das sorgte für neidische Blicke in den Münchener Norden. Denn viele Redakteure aus den Pioniertagen der PC-Zeitschriftenbranche waren es noch gewohnt, ohne eigenes Arbeitsgerät auszukommen und alle paar Wochen ein neues Testgerät einzurichten. Oder sie mussten auf Computern arbeiten, die schon bei der Anschaffung veraltet waren. Das Testen von Software, das kreative Spielen mit der Computer-Technik machte keinen Spaß, wenn lahme Prozessoren fahle Monochrom-Displays erglimmen ließen.

Bei der PC-Professionell war das anders. Hier gab es gut ausgestattete Büros mit neuen Möbeln, ein Netzwerk, E-Mail, Computer-gestütztes Layout, Gratis-Erfrischungsgetränke, Kaffee bis zum Abwinken – wer konnte da noch widerstehen.

Und es herrschte ein besonderes Klima: Aufbruchstimmung. Die PC-Zeitschriftenbranche wird nun professionell. Neue Konkurrenz ist da. Alle müssen gut auf den Neuling aus den USA aufpassen. So viel Aufmerksamkeit hob auch das Selbstbewusstsein. Als “eine Mischung aus Spiegel und Stiftung Warentest” bezeichnete einst ein Redakteur die damals neue PC-Professionell. Beim Vergleich mit dem Spiegel hat er vielleicht ein wenig hoch gegriffen.

Ziff-Davis hatte eines begriffen: Gib’ den Redakteuren gutes Werkzeug, das auch noch Spaß macht, nimm sie Ernst, lass’ sie lernen und spielen. Denn nur dann entwickeln sie ihr kreatives Potenzial, finden neue Themen und bekommen die Praxis, die sie ihren Lesern vermitteln sollen.

Das führte dazu, dass sich viele Redakteure zum Ziff-Davis-Verlag aufmachten – sei es, um bei der PC-Professionell einzusteigen oder bei der bald danach neu gegründeten PC-Direkt mitzumachen. Die PC-Direkt hat sich – leider – überlebt. Aber PC-Professionell bleibt bis heute attraktiv als engagiertes Testmagazin. Und Kaffee gibt es immer noch bis zum Abwinken.

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