So fällt mir das Schreiben leichter

Wie fällt mir das Schreiben leichter? Nach 32 Jahren als Autor und Redakteur habe ich da ein paar Tipps. Wohlgemerkt: Das sind meine Tipps, die ich aus meinen Erfahrungen entwickelt habe – sie sind nicht zwingend allgemein gültig. Aber vielleicht helfen sie Ihnen, besser und schneller zu schreiben.

Inneren Kritiker abschalten

Das wichtigste ist, den kleinen Kritiker im Kopf abzuschalten. Diese Stimme, die dauernd sagt, „das könntest Du besser formulieren“ oder „das passt nicht in die Struktur“ oder „hier wiederholt sich ein Wort“.

Denn wir können nicht flüssig schreiben, wenn wir jedes Wort beim Eintippen wieder in Frage stellen.

Ein doppeltes Wort kann ich später korrigieren, an Formulierungen feile ich dann auch. Dank der Textverarbeitung kann ich die Struktur jederzeit umstellen.

Schlampig formulieren

Meine ersten Textentwürfe schwurbeln Füllwörter und Überleitungen. Grauenhafter Stil. Oft nur Halbsätze. Aber so lange ich meine Gedanken hinterher noch verstehe, sind die Formulierungen egal. Füllwörter kann ich rauswerfen, Überleitungen stutzen.

Ich gönne mir auch Wortspiele und Witzigkeiten, sie halten mich bei Laune. Später fliegen die meisten raus.

Ideen sofort notieren

Die Idee zu diesem Text kam mir beim Schreiben eines ganz anderen Beitrags auf meiner Video-Homepage. Ich haben den Text dort liegen gelassen und angefangen, diesen Beitrag zu skizzieren. Denn jetzt ist die Idee frisch. Und ich habe zwei halb fertige Texte. (Das geht natürlich nur, wenn beide Texte keinen fixen Termin haben 🙂 ).

Brainstorming zulassen

In einen neuen Beitrag schreibe ich alles, was mir dazu einfällt. Auch Nebensächlichkeiten. Denn die zeigen später neue Zusammenhänge oder erweitern das Theme. Auch hierbei schweigt der innere Kritiker.

Vom Chaos zur Struktur finden

Wenn ich schreibe, fange ich selten am Anfang an. Meist formuliere ich Gedankensplitter zu Satzfetzen. Um diese Fragmente herum schreibe ich Text bis ich eine Idee habe, wohin ich will.

Dann baue ich eine Struktur aus Zwischenüberschriften.

Unter den Zwischenüberschriften fange ich an, die wichtigsten Punkte zu notieren. Hier landen auch die zuvor geschriebenen Fragmente. So ergibt sich nach und nach eine klare Struktur des Beitrags und eine Leitlinie, an der ich entlang schreibe.

Die Zwischenüberschriften sind meine Todo-Liste, die mir hilft, nichts zu vergessen.

Texte ruhen lassen

Falls ich ohne Zeitdruck schreibe, gönne ich dem Text Pausen. Er darf ruhen und arbeitet in meinem Kopf weiter.

Es ist nicht so, dass ich jede Zeile im Hirn drehe und wende. Vielmehr lasse ich den Text los. Ab und an meldet sich ein Gedanke zum Text. Den notiere ich gleich.

Nach der Pause gehe ich neu an den Text heran, habe einen frischen Blick auf das Geschriebene und weiß, wohin der Text will.

Texte modellieren

Für mich gleicht der erste Textentwurf einem Klumpen Ton, aus dem ich die Struktur herausarbeite und schließlich detailliert in die Formulierungen gehe.

Dieser Ansatz spart Zeit. Würde ich von Anfang an alles perfekt machen wollen, verlöre ich mich in Formulierungs-Kleinkram.

Hart redigieren

Bei all der Nachlässigkeit im Schreiben: sobald der erste Entwurf steht, geht es an die Überarbeitung. Und da lasse ich den Kritiker raus. Denn jetzt hilft er mir. Ich gehe den Text Satz für Satz durch, feile an jeder Formulierung, baue die Struktur um, streiche und ergänze Teile.

Beim Redigieren gilt der Ansatz: „Kill your darlings“ – originell gemeinte Formulierungen, schicke Gedankensprünge oder schräge Wortkombinationen kommen auf den Prüfstand. Selbst wenn sie mir gefallen, heißt das noch lange nicht, dass sie a) witzig und b) verständlich sind. Verständlichkeit geht vor Wortwitz.

Bei schwierigen Texten dauert das Überarbieten so lange wie das Schreiben des Textes. Oft ergeben sich im ersten Korrekturdurchlauf Ergänzungen, die ich neu recherchieren muss. Und manchmal bleibe ich an Stellen stecken, zu denen ich einfach keine gute Formulierung finde.

Fertig werden

Tja, und dann muss der Text fertig werden. Entweder zur Abgabe beim Kunden oder für die Homepage. Im Idealfall ist der Text veröffentlichungsreif. Auf der eigenen Homepage bin ich großzügiger. Da arbeite ich gerne zwei oder drei Tage nach der Veröffentlichung noch einmal am Text.

Lesen Sie hier weiter: Besser schreiben ohne Füllwörter

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