So schreiben Sie bessere Texte für Blogs und Print

Schreiben ist mehr, als nur auf die Tastatur einzuhacken. Besser ist es, wenn Sie wissen, was Sie schreiben wollen und wenn Sie sich ein paar Gedanken dazu machen, wie Sie besser schreiben.

So schreiben Sie leichter Texte für Blogs und Print

Manchmal ist es wie verhext: Der Text will nicht fließen, man ringt um jede Formulierung und verzweifelt an der eigenen Schreibe. Mein Ansatz aus 25 Jahren Schreiberfahrung ist: nicht verkrampfen, loslassen.

Lieber einen Gedanken ins Unreine schreiben, als den Gedankenfluss auf der Suche nach der perfekten Formulierung zu bremsen.

Lassen Sie es laufen

Versuchen Sie nicht krampfhaft, sofort den perfekten Satz zu formulieren. Wenn Sie sich dauernd und immer wieder korrigieren, bremst das den Schreibfluss.

Bevor Sie lange nach einer Formulierung suchen, schreiben Sie den Satz so, wie Ihnen das Maul gewachsen ist. Dann ist der Gedanke schon einmal formuliert.

In der Mitte anfangen

Wenn Sie keinen guten Einstieg finden, fangen Sie in der Mitte an. Klingt albern? Probieren Sie es aus. Schreiben Sie eine These, einen Gedanken auf, den Sie in der Mitte Ihres Textes oder am Ende platzieren wollen. Dann steht schon einmal etwas auf dem Bildschirm.

Schreiben Sie eine Idee gleich nieder. Jedes Betriebssystem hat einfache Textprogramme, die sie als Notizblock verwenden können. Oder Sie legen sich ein kleines Büchlein zu, in das Sie von Hand schreiben.

Nachbearbeiten

Schreiben ist Nachbearbeiten. Überarbeiten Sie einen Text. Aber übertreiben Sie es nicht. Den perfekten Text gibt es nicht. Es wird ihn nie geben!

Wenn Sie mit einem Text so gar nicht zufrieden sind und keinen Ansatz finden, ihn zu verbessern, schlafen Sie drüber. Sie werden morgen aufwachen und wissen, wie Sie weiterschreiben müssen.

Veröffentlichen Sie früh, bessern Sie nach. Wenn ein Text fertig ist, veröffentlichen Sie ihn. Nicht warten, nicht fünfmal durchlesen. Raus damit. Falls Sie später noch einen Fehler entdecken, bessern Sie ihn nachträglich aus. Das ist der Segen der Textverarbeitung.

Gleich zur Sache kommen

Leser im Web haben keine Zeit. Deshalb kommen Sie in Ihren Artikeln gleich zur Sache. Halten Sie sich nicht mit Einleitungen auf, sondern nennen Sie gleich im ersten Satz die wichtigsten Fakten. So kann der Leser schnell entscheiden, ob ein Beitrag für ihn interessant ist.

In der Schule haben wir leider viel zu lange gelernt, uns mit der Struktur “Einleitung – Hauptteil – Schluss” zu behelfen. Das mag für einen Aufsatz – speziell eine Erörterung – in Ordnung sein. Doch beim Schreiben von Artikeln für das Internet verschwenden Sie damit nur die Zeit des Lesers.

Schreiben Sie, wie Sie sprechen

Ein beliebter und wahrer Lehrsatz: “Schreiben Sie, wie Sie sprechen”. Das bedeutet, sie sollen einfach und verständlich schreiben. Ein kleines Beispiel:

Als Autor dieses Beitrags führe ich eine Tür-Hinausgehung unter Zuhilfenahme der Türöffnungseinheit durch.

So spricht kein Mensch. Was wollte uns der Autor damit eigentlich sagen?

Vielleicht:

Ich öffne die Tür und gehe hinaus.

Das ist klar, präzise und verständlich. Abgesehen davon ist der Satz statt 14 Wörtern nur noch 7 Wörter lang. Glatt die Hälfte gespart.

Fällt es Ihnen schwer, eine einfache Formulierung zu finden, hilft ein Trick: Sprechen Sie mit jemanden darüber. Erklären Sie Ihrem Gegenüber, was Sie schreiben wollen. Beim Erklären bemerken Sie, wie Sie den Text am besten schreiben – eben genauso, wie Sie sprechen.

Absätze erleichtern das Lesen

Online Text zu lesen ist nicht einfach – es leuchtet, es flimmert. Der Leser hat es schwerer, eine Website auf dem Bildschirm zu lesen, als auf Papier.

Erleichtern Sie das Lesen. Ein gutes Mittel ist, möglichst viele Absätze zu schreiben.

Mehr Absätze bedeutet: Der Leser findet besser Halt in Ihrem Text. Er kann sich bequemer orientieren und und den Inhalt besser konsumieren.

Verzichten Sie auf Abkürzungen

Meiden Sie Abkürzungen. Denn die werfen oft Fragen auf – was zum Beispiel bedeutet nun „MOLP“. Lesen Sie hier, warum Abkürzungen schlecht sind.

Streichen Sie Füllwörter

Überarbeiten Sie Ihren Text kritisch und werfen Sie Füllwörter heraus. Mehr zum Thema Füllwörter.

Ausrufezeichen nur bei Zitaten

Gehen Sie vorsichtig mit Ausrufezeichen um. Denn damit zeigen Sie, dass Sie sich von einem Begriff oder einer Aussage distanzieren. Lesen Sie hier weiter, warum das mit den Anführungszeichen so schwierig ist.

Satzlänge für Online-Texte: Vier bis neun Wörter

Wie lang ist der ideale Satz im Online-Journalismus? Meine These: Vier bis neun Wörter sind genug. Je kürzer ein Satz, desto besser kann ihn der Leser aufnehmen. Das erleichtert das Verständnis.

Natürlich brauchen Sie sich nicht sklavisch an diese Satzlänge zu halten. Wechseln Sie ab. Bringen Sie auch einmal längere Sätze. Aber Achtung: mehr als 20 Wörter sollten die Sätze wirklich nicht haben – dann wird es unverständlich.

Lesen Sie hier mehr darüber, warum kurze Sätze besser sind.

Den Leser nicht anschreien

Egal ob im Mailing, in Pressetexten oder auf Web-Seiten: Vermeiden Sie es, den Leser anzuschreien.

Diesen Eindruck rufen Versalien und Ausrufezeichen hervor:

NEHMEN SIE SICH KEIN BEISPIEL DARAN!!!!!

Besser, Sie schreiben in normaler Groß- und Kleinschreibung und lassen in geschriebenen Texten die Ausrufezeichen weg. Denn den Sinn eines Satzes ändert das Ausrufezeichen nicht, nur die Intonation wenn man ihn vorliest.

Vorsicht mit Superlativen

Im deutschsprachigen Werbegewitter kann den Superlativen keiner entgehen.

Doch wenn Sie Geschäftsbriefe, Reden oder Pressemitteilungen schreiben, sollten Sie vorsichtig sein mit derartigen Übertreibungen.

Vermeiden Sie es vor allem, Superlative aus Begriffen zu bilden, die man nicht steigern kann. Dazu zählen optimal und minimal. Die Begriffe leiten sich vom lateinischen optimus — der beste und minimus — der geringste, kleinste ab. Auch maximal gehört in diese Kategorie, es stammt von maximus — der größte ab. Und die hier gezeigten Übersetzungen sind bereits Superlative.

Entgleisungen wie optimalst und minimalst gibt es allenfalls in der Sprache schlechter Sportreporter, nicht jedoch im Deutschen.

Lesen Sie hier weiter: Warum kurze Sätze besser sind